Pressemeldung

„Um wirksam zu sein, müssen wir uns immer wieder überprüfen“

Robert Bosch Stiftung | Januar 2019
  • Robert Bosch Stiftung zieht positive Bilanz 2018
  • 153 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke aufgewendet
     

Berlin, 31. Januar 2019 – Die schnellen und oft einschneidenden Veränderungen in der Gesellschaft stellen auch die Robert Bosch Stiftung GmbH vor neue Herausforderungen. Um als große europäische Stiftung auch in Zeiten des technologischen Wandels und angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spannungen wirksam zu sein, hat die Stiftung im vergangenen Jahr ihre Arbeit weiterentwickelt und teilweise grundsätzlich in Frage gestellt.

„In vielen Bereichen der Gesellschaft haben die Spannungen zugenommen – zwischen Stadt und Land, Jung und Alt, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund“, sagt Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung. „Um unserem Anspruch auf Wirksamkeit gerecht zu werden, müssen wir immer wieder prüfen, in welchen Themen wir etwas bewegen können, was dafür notwendig ist und wo wir uns stärker positionieren müssen. Daran wollen wir auch im kommenden Jahr mit unseren Partnern aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft arbeiten.“

Anlässlich des Neujahrsempfangs der Robert Bosch Stiftung in Berlin zog die Geschäftsführung eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit im Jahr 2018. Im vergangenen Jahr hat die Robert Bosch Stiftung GmbH rund 153 Millionen Euro (vorläufige Zahl) für gemeinnützige Zwecke aufgewendet.

Impulse für eine bessere Gesundheitsversorgung
Ein Kernanliegen der Robert Bosch Stiftung im Fördergebiet Gesundheit ist es, der wachsenden Zahl chronisch und mehrfacherkrankter Menschen auch in Zukunft eine gute Versorgung zu ermöglichen. Im Oktober 2018 startete sie deshalb die Initiative „Neustart! Reformwerkstatt für unser Gesundheitswesen“. In Bürgerdialogen, auf gesundheitspolitischen Podien und in einer Serie von Think Labs wird die Stiftung in den kommenden Jahren die Ideen von Bürgern und Experten zusammenbringen und eine ergebnisoffene Diskussion über nötige Verbesserungen im Gesundheitswesen anstoßen. Ziel der Initiative ist es, bis zur Bundestagswahl 2021 Impulse für eine umfassende Reform der Gesundheitsversorgung zu setzen.

Bereits im Frühjahr 2018 veröffentlichte die Stiftung das Manifest „Mit Eliten pflegen“. Die Forderungen einer 40-köpfigen Expertenrunde zeigen, wie sich die Pflege vor dem Hintergrund des Pflegenotstands weiterentwickeln muss und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind. Auf Einladung der Stiftung hatten die Experten zuvor über zwei Jahre in einem Praxisprojekt mit dem Titel „360° Pflege - Qualifikationsmix für den Patienten“ an Strategien gearbeitet, wie Pflegefachpersonen mit unterschiedlicher Ausbildung im Team besser zusammenarbeiten können und die Pflege durch neue Karrieremöglichkeiten attraktiver wird.

Medizinische Forschung weiter ausbauen
2018 hat die Robert Bosch Stiftung zudem gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg beschlossen, den ersten Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Baden-Württemberg zu schaffen. Die neue Professur der Universität Tübingen wird ihren Sitz am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus haben, das mit dem 2016 gegründeten Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) und der seit 2015 bestehenden klinischen Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin optimale Rahmenbedingungen bietet. Ziel des neuen Lehrstuhls ist die Entwicklung maßgeschneiderter Therapien aus Schul- und Komplementärmedizin, insbesondere auch für Tumorpatienten.

Wissenschaft allen in der Gesellschaft nahe bringen
Im Bereich Wissenschaft arbeitet die Stiftung daran, die Mauern zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu Fall zu bringen. 2018 hat sie dazu gemeinsam mit der Falling Walls Foundation eine internationale Plattform für den Austausch über erfolgreiche Projekte zur Wissenschaftsvermittlung ins Leben gerufen. Das neue Format „Falling Walls Engage“ soll erfolgreiche Vermittlungsprojekte bekannter machen und andere zur Nachahmung auffordern. Bereits zum Start haben sich 60 Projekte aus 20 Ländern um den Titel „Science Engagement of the Year“ beworben.

Auch mit anderen Projekten möchte die Robert Bosch Stiftung Menschen für Wissenschaft begeistern - und dabei besonders diejenigen erreichen, die bisher nur wenig Bezug zu Wissenschaft hatten. Dafür hat sie gemeinsam mit Documentary Campus e.V. das erste mehrtägige Publikumsfestival in Deutschland gegründet, das Wissenschaft und Medien aus dem In- und Ausland mit der Öffentlichkeit zu aktuellen Wissenschaftsthemen ins Gespräch bringt. Das erste Silbersalz Festival lockte im Sommer 2018 knapp 6.000 Besucher nach Halle/ Saale, die zweite Ausgabe findet vom 20. bis 23. Juni 2019 statt.

Aus der Bildungspraxis lernen
Gute Schulen sind entscheidend, um junge Menschen fit zu machen für eine zunehmend komplexe Welt. Eine besondere Onlineplattform rund um das Thema Schule ist mit dem Deutschen Schulportal im vergangenen Mai gestartet. Als jüngstes Angebot rund um den Deutschen Schulpreis bietet sie aktuelle Informationen und Beiträge zu Schule und Unterricht, Bildungspolitik und Wissenschaft. Herzstück des Schulportals sind die innovativen pädagogischen Konzepte der Schulen, die seit 2006 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. Diese Praxiskonzepte werden von der Deutschen Schulakademie untersucht, aufbereitet und schließlich über Fortbildungen, Publikationen und das Deutsche Schulportal wieder allen Schulen verfügbar gemacht. Ein Kreislauf, in dem sich gute Schulpraxis verstärkt und verbreitet.

Bewährte Konzepte, die Einrichtungen bei einer systematischen Weiterentwicklung ihrer Organisation helfen, existieren im frühkindlichen Bereich bisher kaum. Dabei stellen der massive Ausbau von Betreuungsplätzen, ein bundesweiter Personalnotstand und gestiegene pädagogische Ansprüche Kindertageseinrichtungen vor große Herausforderungen. Mit Unterstützung der Stiftung haben Wissenschaftlerinnen der Universitäten Heidelberg und Hildesheim deshalb über zwei Jahre vorbildliche Beispiele aus der Praxis untersucht und im Handbuch „Organisationsentwicklung in Kitas – Beispiele gelungener Praxis“ aufbereitet. Die im Mai 2018 veröffentlichte Publikation bietet Fachkräften und Leitungsteams erstmals konkrete Ansätze zur eigenen Weiterentwicklung.

Politik und Kultur im Klassenzimmer
Fremdenfeindlichkeit und antidemokratische Äußerungen sind auch an vielen Schulen ein wachsendes Problem. Wie Lehrerinnen und Lehrer angemessen darauf reagieren können, zeigt ein gemeinsam mit dem sächsischen Kultusministerium durchgeführtes Modellprojekt. Im Projekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ wurden Lehrkräfte an Berufsschulen über drei Jahre hinweg auf solche Situationen vorbereitet. Nach Abschluss der Pilotphase Ende 2018 profitieren jetzt weitere Schulen von den Erkenntnissen: In Sachsen werden die Angebote des Projekts ins Regelsystem überführt. Die Robert Bosch Stiftung überträgt die Erfahrungen auf weitere Bundesländer und hat dafür die Bundeszentrale für politische Bildung als Partner gewonnen. Anfang 2019 startet das Projekt in Niedersachsen.

Neben der Stärkung der politischen Bildung setzt sich die Robert Bosch Stiftung verstärkt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Dafür unterstützt sie Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und fördert ihre Selbstwirksamkeit, wobei Sprache eine zentrale Bedeutung zukommt. Mit dem Programm „Weltenschreiber“ hat die Stiftung daher im vergangenen Jahr ein groß angelegtes Literaturvermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen, das in mehreren Bundesländern angelaufen ist. Zentrale Bausteine des Programms sind Schreibwerkstätten mit bekannten Autoren, die im regulären Deutschunterricht stattfinden, und eine 18-monatige Fortbildung für Lehrkräfte zum Literarischen Schreiben. Neben den Kultusministerien in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen unterstützen weitere Partner und Stiftungen das Programm. Zudem ermöglicht eine Kooperation mit dem Goethe-Institut deutschen Auslandsschulen in zehn weiteren Ländern am Programm teilzunehmen.

Rolle der Zivilgesellschaft bei Integration und Migration stärken
Integration bedeutet nicht nur Nothilfe, Zugang zu Arbeit oder Spracherwerb. Flüchtlinge und Migranten wollen sich in ihrer neuen Heimat auch politisch und gesellschaftlich beteiligen. Das belegt die Studie „Political Participation of refugees: bridging the gaps“, die die Robert Bosch Stiftung und das International Institute for Democracy and Electoral Assistance im Mai 2018 veröffentlicht haben. Für die Studie befragten die Wissenschaftler über 600 Flüchtlinge in acht Aufnahmeländern. Wie politische Teilhabe besser gelingen kann, diskutierte die Stiftung Mitte Oktober mit Politikern und Zugewanderten auf einer Tagung in ihrer Berliner Repräsentanz.

Bereits im März 2018 kamen dort auf Einladung der Stiftung 150 Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um eigene Impulse in die Vorbereitungen eines globalen UN-Migrationspakts einzubringen. Unter dem Motto #FairCompacts diskutierten Migrantenselbstorganisationen, Flüchtlingsinitiativen, Stiftungen, Gewerkschaften und Forschungsinstitute mit Vertretern der Bundesregierung über die Entwürfe für einen Migrations- und einen Flüchtlingspakts der Vereinten Nationen. Die Ergebnisse wurden im Anschluss an den deutschen Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York übergeben, der sie in die laufenden Verhandlungen einbrachte.

Auswirkungen des technologischen Wandels
Die Auswirkungen des technologischen Wandels auf Politik und Gesellschaft standen im Mittelpunkt des diesjährigen Richard von Weizsäcker Forums, das im Oktober 2018 die Richard von Weizsäcker Fellows der Robert Bosch Academy in Deutschland zusammenbrachte. Mit der Robert Bosch Academy hat die Stiftung in den vergangenen Jahren eine multilaterale und interdisziplinäre Gemeinschaft hervorgebracht: Mehr als 60 renommierte Entscheidungsträger und Meinungsbildner aus 36 Ländern haben bislang einen Arbeitsaufenthalt an der Academy verbracht und sich am gesellschaftlichen Leben und politischen Dialog in Deutschland beteiligt, von Ministern, Politikberatern, über Gesundheits- und Nachhaltigkeitsexperten bis hin zu Journalisten und Theaterregisseuren. Zu ihrem fünfjährigen Jubiläum 2019 erwartet die Robert Bosch Academy 15 neue Fellows, die in Berlin an aktuellen globalen Fragestellungen arbeiten werden.

Weiterentwicklung der internationalen Arbeit
Angesichts der globalen Entwicklungen hat sich die Robert Bosch Stiftung im vergangenen Jahr entschieden, ihre Förderung in der Völkerverständigung grundlegend zu überprüfen, strategisch neu auszurichten und sich stärker zu fokussieren. Parallel zur laufenden Projektarbeit hat sie auf Grundlage umfassender Analysen damit begonnen, neue mögliche Themenfelder zu erarbeiten, über die das Kuratorium der Stiftung im Sommer 2019 entscheiden wird.

In der Vorbereitung des Übergangs hat sich die Stiftung entschlossen, die Förderung der bestehenden Projekte und Programme zu beenden. Dieser Prozess wird verantwortlich und unter Einhaltung aller vertraglichen Verpflichtungen gestaltet. Die Stiftung ist im Gespräch mit ihren Partnern, um das gemeinsam Erreichte zu sichern.

Trotz dieser Arbeit an der strategischen Neuausrichtung hat die Stiftung im Jahr 2018 ihre bisherigen Projekte in der Völkerverständigung erfolgreich fortgeführt.

Verständigung in schwierigen Zeiten
Mit dem „Medienforum China – Deutschland – USA“ hat die Stiftung im Mai 2018 Chefredakteure und führende Medienvertreter aus China, Deutschland und den USA in Kalifornien zusammengebracht, um über Herausforderungen zu diskutieren, die die drei Länder in ähnlicher Weise betreffen und die doch völlig unterschiedlich wahrgenommen werden. Neben aktuellen Themen wie Nordkorea und den Risiken eines Handelskriegs spielte die Digitalisierung und die nächsten technologischen Umbrüche eine zentrale Rolle beim diesjährigen Forum.

Einen Perspektivwechsel will die Stiftung auch mit dem neuen Thomas Mann Fellowship fördern. Zum Start 2018 unterstützt sie das Residenzprogramm am Thomas Mann House in Los Angeles, das sich an Intellektuelle und Denker aus allen Bereichen der deutschen Gesellschaft richtet. Das Fellowship soll Debatten zu den großen Fragen der heutigen Zeit auf beiden Seiten des Atlantiks anstoßen.

Den europäischen Gedanken beleben
Vor dem Hintergrund des zunehmenden Einflusses nationalistischer Parteien in Europa hat sich die Robert Bosch Stiftung im vergangenen Jahr verstärkt für den europäischen Gedanken engagiert. So nutzte das Projekt „The Ball“ die verbindende Kraft des Fußballs, um an gemeinsame Werte und Ideale in Europa zu erinnern. Mit Unterstützung der Stiftung tourte ein Team aus Trainern und Pädagogen im vergangenen Jahr drei Monate lang durch insgesamt 18 Länder: von England nach Deutschland, durch den Balkan und Asien bis zur Eröffnungsfeier der Fußball WM in Russland. Rund 20.000 Kilometer hat „The Ball“ auf seiner Reise zurückgelegt und dabei kleine und große Fußballclubs, Schulklassen und Bildungsinitiativen besucht.

Um eine aktive europäische Bürgerschaft zu fördern, hat die Stiftung das Projekt „Education on Europe“ aufgesetzt. Es richtet sich an Praktiker der europapolitischen Bildung und soll neue Ansätze aufzeigen, wie man den Zugang zu europäischer Politik erleichtern und mehr junge Menschen an europäischen Debatten beteiligen kann.

Afrikas Potenzial sichtbar machen
Seit 2004 engagiert sich die Robert Bosch Stiftung auf dem afrikanischen Kontinent, zunächst in Nordafrika, seit 2009 auch in Sub-Sahara Afrika. Der Fokus der Arbeit der Stiftung liegt dabei vor allem in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Völkerverständigung. Ein besonderer Meilenstein ist dabei das Next Einstein Forum, die bislang größte afrikanische Wissenschaftskonferenz, zu der sich im März 2018 mehr als 1.500 Forscher, Politiker und Wissenschaftler aus der ganzen Welt in der ruandischen Hauptstadt Kigali trafen. Ziel der gemeinsamen Initiative des African Institute for Mathematical Sciences (AIMS) und der Robert Bosch Stiftung war es, mehr Sichtbarkeit für afrikanische Topforscher zu schaffen und Afrika als Wissenschaftsstandort zu stärken.

Junge afrikanische Talente fördert die Stiftung seit dem vergangenen Jahr auch im Bereich Film. Gemeinsam mit der Filmakademie Baden-Württemberg hat sie mehrere Initiativen für ostafrikanische Filmemacher auf den Weg gebracht. Neben einer Reihe von
Workshops ermöglicht ein Stipendium Nachwuchsfilmemachern aus Ostafrika einen Aufenthalt an der Filmakademie in Ludwigsburg.

Mit dem Bildungsprogramm Education Sub Saharan Africa (ESSA) unterstützt die Robert Bosch Stiftung die Entwicklung des Bildungssektors in Sub-Sahara Afrika. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, den Bildungsstandard in der Region zu verbessern, Akteure des Bildungsbereichs zu vernetzen und einen besseren Zugang zu Wissen über Bildung in Afrika zu ermöglichen, vor allem zu nachweislich wirksamen Initiativen.

Weitere Neuerungen in der Robert Bosch Stiftung
Uta-Micaela Dürig (54), seit  01.10.2014 in der Robert Bosch Stiftung GmbH und seit 1.7.2015 in der Geschäftsführung , tritt auf eigenen Wunsch sowie aus persönlichen Gründen mit Ablauf des 31. Januar 2019 aus der Geschäftsführung aus, um sich außerhalb der Stiftung neuen Aufgaben zuzuwenden. Dürig hat maßgeblich den Mitte 2015 angestoßenen strategischen Weiterentwicklungsprozess in der Stiftung vorbereitet und mitverantwortet. Zuvor arbeitete sie u.a. ab Januar 2004 für das Unternehmen Bosch.

Ihr Ansprechpartner

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Michael Herm, Referent
Robert Bosch Stiftung
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