Der Klimawandel bedroht Küsten, löst Konflikte aus und stellt die internationale Ordnung infrage. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 setzt die Robert Bosch Stiftung den Anstieg des Meeresspiegels als unterschätzte geopolitische Gefahr auf die Agenda – und gibt Impulse für gemeinsames, globales Handeln.
Die internationale Ordnung befindet sich in einem rasanten Umbruch. Bewährte Regeln der internationalen Zusammenarbeit werden immer mehr in Frage gestellt – und sogar offen von jenen Akteuren missachtet, die sie einst geschaffen und über Jahrzehnte hinweg gestützt haben. Doch wie gehen wir mit neuen globalen Herausforderungen um, für die es noch gar keine etablierten Spielregeln aus dem internationalen Werkzeugkasten gibt? Der Umgang mit langfristigen Folgen des Klimawandels wie der schleichende Anstieg des Meeresspiegels und das damit einhergehende Schwinden von Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen gehören zu ebenjenen aufkommenden Sicherheitsbedrohungen, für die ein international abgestimmtes Regelwerk noch fehlt. Mit der Veranstaltung „Rising Seas, Rising Risks: Addressing Sea-Level Rise as a Multidimensional Security Challenge“ setzen die Robert Bosch Stiftung und ihr Partner, das Global Centre for Climate Mobility, den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Meeresspiegelanstieg und geopolitischer Sicherheit auf die Agenda der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz.
Der Anstieg des Meeresspiegels zählt zu den zentralen sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Für Inselstaaten und Länder mit niedrig gelegenen Küstenregionen hat er weitereichende Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Diese existenzielle Bedrohung der menschlichen Sicherheit zwingt zudem immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen – eine Form klimabedingter Migration, die Staaten vor immense Herausforderungen stellt. Besonders stark betroffen sind Inselstaaten im Pazifik sowie viele weiteren Länder des Globalen Südens. Der Anstieg des Meeresspiegels macht jedoch nicht an politischen Grenzen halt: Zunehmend sind auch Länder des Globalen Nordens – darunter Deutschland – davon bedroht. Die Folgen reichen weit über den Verlust von Land hinaus und betreffen Kernprinzipien der internationalen Zusammenarbeit.
Offene Fragen zur Souveränität schrumpfender oder versinkender Staaten, zum Fortbestand seerechtlicher Meereszonen oder zum wachsenden Wettbewerb um verbleibende Ressourcen bergen erhebliches Konfliktpotenzial. Das zeigt auch die jüngst neu entfachte Diskussion um Sicherheit und Einfluss im arktischen Raum. So vermischen sich geopolitische Spannungen und eine drohende Erosion der regelbasierten internationalen Ordnung mit globalen Herausforderungen für menschliche Sicherheit und nachhaltige Entwicklung.
Diese Aspekte machen den Anstieg des Meeresspiegels zu einer zentralen Frage internationaler Sicherheit – und zugleich zu einer Chance, dieser wachsenden Herausforderung durch einen international abgestimmten Kooperationsrahmen vorausschauend zu begegnen. Die Veranstaltung der Robert Bosch Stiftung und des Global Centre for Climate Mobility bietet am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz eine Plattform für den Austausch zwischen hochrangigen politischen Entscheidungsträger:innen, Expert:innen und Vertreter:innen betroffener Länder. Ziel ist es, die vielschichtigen Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs zu diskutieren und Impulse für zukunftsorientierte Formen internationaler Zusammenarbeit zu entwickeln.
Die Robert Bosch Stiftung ist seit zehn Jahren strategische Partnerin der Münchner Sicherheitskonferenz. Unser zentrales Anliegen ist es, zukunftsorientierte globale Themen auf die Agenda der Konferenz zu bringen. Wir möchten in einer sich wandelnden Welt unterrepräsentierten Stimmen Gehör verschaffen und die Wirksamkeit sowie die Widerstandsfähigkeit internationaler Zusammenarbeit stärken. Im Thema klimabedingte Migration arbeiten wir und unsere Partner:innen mit betroffenen Communities, Städten, Regierungen und auf multilateraler Ebene an konkreten Maßnahmen und Lösungen. Darüber hinaus unterstützten wir Instrumente und Mechanismen, die dazu beitragen, klimabedingte Migration menschenwürdig und nachhaltig zu gestalten.