Wissenschaft im Corona-Jahr: Zwischen Vertrauen und Skepsis

Während der Pandemie ist das Vertrauen in die Wissenschaft insgesamt gestiegen, wie das Wissenschaftsbarometer 2020 zeigt. Auch die Maßnahmen zu Corona werden von vielen als angemessen empfunden. Die Befragung belegt aber auch die Corona-Skepsis in der Bevölkerung.

Robert Bosch Stiftung | Dezember 2020
Menschenmenge
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Das generelle Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist im Jahr 2020 deutlich höher als in den vergangenen Jahren. 60 Prozent der Menschen gaben bei der repräsentativen Befragung für das Wissenschaftsbarometer an, eher oder voll und ganz in Wissenschaft und Forschung zu vertrauen. Im Frühjahr – zu Beginn der Corona-Pandemie – hatten sogar 73 Prozent (April) bzw. 66 Prozent (Mai) der Befragten der Wissenschaft ihr Vertrauen ausgesprochen, wie Sonderbefragungen ergeben hatten. In den Vorjahren hatte die Zahl bei um die 50 Prozent gelegen.

Mit Corona-Skeptikern ins Gespräch kommen

Das aktuelle Wissenschaftsbarometer zeigt aber zugleich, dass einige Befragte der Wissenschaft gegenüber sehr skeptisch eingestellt sind, wenn es um das Coronavirus geht. 15 Prozent sind der Meinung, dass es keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Coronavirus gibt. 23 Prozent finden, man sollte sich im Umgang mit Corona mehr auf den gesunden Menschenverstand als auf wissenschaftliche Studien verlassen. 39 Prozent halten es zudem für wichtig, Informationen über das Virus auch von außerhalb der Wissenschaft zu beziehen.

„Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Fakten und Handlungsempfehlungen über vielfältige Formate zu vermitteln, um auch diejenigen zu erreichen, die unsicher sind und zweifeln. Nicht zuletzt mit Blick auf die anstehenden Corona-Schutzimpfungen müssen Menschen dazu befähigt werden, eine wissensbasierte Entscheidung zu treffen“, sagt Tina Stengele, kommissarische Leiterin des Bereichs Wissenschaft der Robert Bosch Stiftung GmbH.

Auch wenn die Impfbereitschaft bei der Mehrheit der Befragten hoch ist (55 Prozent), gibt es auch hier deutliche Ablehnung: 29 Prozent der Befragten gaben an, sich 2021 wahrscheinlich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen zu wollen. Die übrigen Teilnehmenden waren noch unentschieden.

Viel Zustimmung für wissenschaftsbasierte Politik

Bei der Frage zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik ist das Bild zweigeteilt. Einerseits befürwortet ein Großteil der Befragten (77 Prozent), dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen sollten. Andererseits sehen es 42 Prozent der Menschen nicht als Aufgabe der Wissenschaft an, sich in die Politik einzumischen.

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