• Wissenschaftsbarometer 2020: Generelles Vertrauen in Wissenschaft und Interesse an Forschung weiterhin hoch
  • 15 Prozent der Deutschen bezweifeln Existenz des Coronavirus
  • Tina Stengele, kommissarische Bereitsleiterin Wissenschaft der Robert Bosch Stiftung: „Es ist wichtig, auch diejenigen zu erreichen, die unsicher sind und zweifeln“

Das generelle Vertrauen in Wissenschaft und Forschung ist in Deutschland weiterhin hoch: 60 Prozent der Menschen geben an, dass sie eher oder voll und ganz in Wissenschaft und Forschung vertrauen. Das sind etwas weniger als im Frühjahr 2020 (April 2020: 73 Prozent, Mai 2020: 66 Prozent), aber mehr als in den Vorjahren (2019: 46 Prozent). Dies sind bevölkerungsrepräsentative Daten aus dem Wissenschaftsbarometer 2020, mit dem die gemeinnützige Organisation Wissenschaft im Dialog (WiD) die öffentliche Meinung zu Wissenschaft und Forschung in Deutschland erhebt.

Rund 40 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass Wissenschaftler uns nicht alles sagen, was sie über das Coronavirus wissen. 15 Prozent sind der Auffassung, dass es keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Virus gibt. 55 Prozent der Deutschen erklären im November 2020, dass sie sich wahrscheinlich impfen lassen, wenn es im nächsten Jahr einen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gibt. Knapp 30 Prozent sagen, das sei unwahrscheinlich.

„Dass weiterhin so viele Menschen der Wissenschaft vertrauen, zeigt, wie gut der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in der Pandemie funktioniert. Allerdings sollte uns eine relativ hohe Anzahl an Unentschiedenen und Zweifelnden beunruhigen: Die Wissenschaft muss sich noch stärker öffnen und auch mit denjenigen ins Gespräch kommen, die unsicher sind. Damit das gelingen kann, müssen wir alle Forschenden dabei unterstützen, ihr Wissen, ihre Werte und ihre Arbeitsweise zu vermitteln“, sagt WiD-Geschäftsführer Markus Weißkopf.

Ähnlich wie in früheren Umfragen des Wissenschaftsbarometer ist ein Drittel der Befragten überzeugt, dass Wissenschaftler sich zu wenig bemühen, die Öffentlichkeit über ihre Arbeit zu informieren. 29 Prozent stimmen dem nicht zu.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen von der Politik beachtet werden

77 Prozent der Deutschen wollen, dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Zum Vergleich: Bei den Erhebungen des Wissenschaftsbarometer Corona Spezial im April 2020 erklärten dies 81 Prozent, im Mai 2020 73 Prozent. Außerdem: Im November 2020 sehen 42 Prozent der Befragten es nicht als Aufgabe von Wissenschaftlern an, sich in die Politik einzumischen. Im April 2020 erklärten dies lediglich 32 Prozent.

„Es ist bemerkenswert, wie klar eine große Mehrheit der Befragten erwartet, dass die Politik ihre Entscheidungen unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse fällen sollte, nicht aber dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst in die Politik einmischen sollten. Und es ist interessant, dass Kontroversen unter Wissenschaftlern wie auch in den Vorjahren durchaus als positiv und erkenntnisfördernd gesehen werden“, sagt Rainer Bromme, Professor für pädagogische Psychologie an der Universität Münster. Tatsächlich sind 2020 sowohl im Frühjahr wie im Herbst zwei Drittel der Deutschen der Auffassung, dass Kontroversen zwischen Wissenschaftlern zu Corona hilfreich sind, damit sich die richtigen Forschungsergebnisse durchsetzen.

Generelles Interesse an Forschung stabil

Das grundsätzliche Interesse der Menschen an Wissenschaft hat sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht verändert. Mit 60 Prozent bekunden mehr Menschen Interesse an Wissenschaft als an Politik (49 Prozent) aber weniger als an Lokalem (68 Prozent).

Klassische Nachrichtenmedien werden stärker genutzt

80 Prozent der Menschen in Deutschland informieren sich im Netz über Wissenschaft und Forschung. 57 Prozent der Online-Nutzer greifen dafür aktuell häufig oder sehr häufig auf Webseiten von klassischen Nachrichtenmedien wie Zeitungen, Magazine oder Fernsehsender (2018: 41 Prozent) zurück, 15 Prozent davon nutzen soziale Medien.

Repräsentative Bevölkerungsumfrage

Das Wissenschaftsbarometer ist eine bevölkerungsrepräsentative Meinungsumfrage. Es betrachtet seit 2014 die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gegenüber Wissenschaft und Forschung. Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2020 basieren auf 1.016 Telefoninterviews (Festnetz/Mobilfunk, 80:20), die vom 3. bis zum 9. November 2020 im Rahmen einer Mehrthemenumfrage von Kantar Emnid – im Auftrag von Wissenschaft im Dialog – geführt wurden. Als Grundgesamtheit diente die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren. Das Wissenschaftsbarometer 2020 ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog. Förderer und Unterstützer sind die Robert Bosch Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Kommentare der Förderer und Unterstützer des Wissenschaftsbarometer

Robert Bosch Stiftung

„Wir freuen uns über das unverändert große Interesse an Wissenschaft und Forschung. Zugleich gibt es Menschen, die sich in der Corona-Pandemie lieber auf ,den gesunden Menschenverstand‘ verlassen als auf wissenschaftliche Studien. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Fakten und Handlungsempfehlungen über vielfältige Formate zu vermitteln, um auch diejenigen zu erreichen, die unsicher sind und zweifeln. Nicht zuletzt mit Blick auf die anstehenden Corona-Schutzimpfungen müssen Menschen dazu befähigt werden, eine wissensbasierte Entscheidung zu treffen“, sagt Tina Stengele, kommissarische Leiterin des Bereichs Wissenschaft der Robert Bosch Stiftung GmbH.

Fraunhofer-Gesellschaft

„Forschung leistet einen wichtigen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und ermöglicht beinah täglich neue Erkenntnisse über die Welt, ihre Mechanismen und uns selbst. Damit wir dieses Wissen zum Nutzen der Allgemeinheit anwenden können, ist Vertrauen in die Wissenschaft für die gesamte Forschungsgemeinschaft und für die Arbeit von Fraunhofer essentiell“, erklärt Janis Eitner, Direktor Kommunikation der Fraunhofer-Gesellschaft. „Eine entscheidende Säule bei der Stärkung von Vertrauen ist die Nachvollziehbarkeit von Forschungsergebnissen. Das Wissenschaftsbarometer belegt: Wir sind hier auf einem guten Weg. Dies bestärkt uns darin, dass es ein Erfolgsmodell ist, unumwunden Ergebnisse und Entwicklungen zu erklären, sie einzuordnen und ihren Nutzen darzustellen – für Experten und Laien gleichermaßen.“

 

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