UN-Klimakonferenz in Glasgow: Worauf es ankommt

Um den gefährlichen Treibhauseffekt zu bremsen, müssen auf der UN-Klimakonferenz Anfang November in Glasgow verbindliche Maßnahmen und deutlich höhere Finanzzusagen vereinbart werden. Auch die Stiftung ist vor Ort und setzt beim wichtigsten Klima-Event des Jahres Akzente.

Robert Bosch Stiftung | Oktober 2021
Luftaufnahme von Überschwemmungen in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone
Michael

Hitzewellen, Extremniederschlägen, Dürre: Der Klimawandel beeinflusst die Zahl und Stärke von Wetterextremen. So auch in Freetown, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Sierra Leone.

Das Ziel ist anspruchsvoll: 2015 verpflichtete sich die Weltgemeinschaft in einem historischen Klimaabkommen in Paris, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf 1.5 Grad. Doch bisher bleibt die Realität weit hinter diesem Ziel zurück. Trotz vieler politischer Maßnahmen steigen die weltweiten Treibhausgasemissionen weiter. „Auf der Klimakonferenz muss jetzt ein ambitioniertes Paket geschnürt werden“, sagt Dr. Gerrit Hansen, Teamleiterin Klimawandel bei der Robert Bosch Stiftung. „Dazu gehört, die nationalen Klimapläne insbesondere in den G20-Ländern nachzuschärfen, und die bereits zugesagte Klimafinanzierung sowie mehr Unterstützung bei der Anpassung an Klimawandelfolgen bereitzustellen.“

Neben einer Brücke steht das grün erleuchtete Gebäude, in dem die COP26 stattfindet
Tomek Emigrant

In diesem Gebäude in Glasgow treffen sich in diesem Jahr zum 26. Mal Regierungsvertreter:innen, Journalist:innen und Klimaschutzaktivist:innen.

Worum geht es auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow?

Neben konkreten Maßnahmen beispielsweise zur Beschleunigung des Kohleausstiegs, mehr Investitionen in Erneuerbare Energien oder dem Schutz der Wälder als so genannten Kohlenstoff-Senken hat die UN-Klimakonferenz in Glasgow zwei wichtige übergeordnete Ziele: durch eine ambitionierte Abschlusserklärung die Ziele des Paris-Abkommens und das Vertrauen in den multilateralen Prozess zu untermauern,  und breite Unterstützung für einen sektorübergreifenden Umbau zur treibhausgasneutralen Gesellschaft zu organisieren.

Welche Themen werden besonders wichtig sein?

Die britische Präsidentschaft der diesjährigen Klimakonferenz setzt sich stark für die Einhaltung des 1,5-Grad Ziels ein. Ein weiterer wichtiger Punkt auf ihrer Agenda ist die Rolle der Natur und naturbasierter Lösungen. Zum Beispiel sollen zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise verbindliche Vereinbarungen für einen besseren Schutz bzw. die Wiederherstellung wichtiger Ökosysteme getroffen werden. Zudem steht die Klimagerechtigkeit im Mittelpunkt: Neben der Frage, wie die 2015 in Paris zugesagten 100 Milliarden US-Dollar an finanzieller Unterstützung für ärmere Länder zusammenkommen, ist auch der Umgang mit Verlusten und Schäden durch den Klimawandel ein wichtiger Agenda-Punkt. Denn selbst bei erfolgreichem Klimaschutz werden gravierende Auswirkungen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten vor allem diejenigen treffen, die am wenigsten zu seiner Entstehung beigetragen haben. Auch „just transition“, die gerechte Gestaltung des Umbaus hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft, ist ein zentrales Thema.

Um die bereits in Paris vereinbarten Klimaziele umzusetzen, wurde in den letzten Jahren von den beteiligten Staaten ein detailliertes Regelwerk erarbeitet. In Glasgow sollen nun endlich die letzten offenen Punkte dieses Regelbuchs ausgearbeitet werden: ein zentraler Streitpunkt hierbei ist die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit Blick auf den Handel mit Emissionszertifikaten. Über letztere können Unternehmen und Staaten Treibhausgas-Emissionen außerhalb der eigenen Landesgrenzen ausgleichen. Die Debatte über die Anrechenbarkeit von Emissionsreduktionen ist - wenn auch sehr technisch - für das Erreichen der Klimaziele von entscheidender Bedeutung.

Ein Thema, das weitgehend auf der Agenda fehlt, ist Migration als eine Reaktion auf den Klimawandel. Die Weltbank prognostiziert, dass Migration vor allem innerhalb von Landesgrenzen bis 2050 deutlich zunehmen wird, sollte der globale Temperaturanstieg nicht deutlich verlangsamt werden. Städte, zivilgesellschaftliche Akteure und einige Staaten werden dieses Thema in Glasgow platzieren und sich dafür einsetzen, dass es bei der Klimakonferenz im Jahr 2022 einen noch größeren Stellenwert einnimmt.

Tiere versammeln sich unter dem einzigen Baum in der Steppe
Ricardo Lima

Eine Folge des Klimawandels: Vertrocknete Böden und Wasserknappheit haben tragische Folgen für Mensch und Umwelt.

Wie bringt sich die Robert Bosch Stiftung auf dem Klimagipfel ein?

Der Weltklimagipfel ist auch ein Forum für Akteure aus aller Welt, die auf ihre Projekte und Initiativen aufmerksam machen und sich vernetzen. In Glasgow werden viele Partnerinnen und Partner der Stiftung ihre Arbeit vorstellen: Zum Beispiel veranstaltet das Global Landscape Forum in Zusammenarbeit mit der britischen Präsidentschaft eine dreitägige Konferenz zu „Forests, Food and Finance“, auf der ein Stiftungsprojekt zur Renaturierung von Trockengebieten im Sahel vorgestellt wird. Die Global Alliance for the Future of Food beteiligt sich an vielen Aktivitäten rund um das Thema Klima und Ernährung, unter anderem der Vorstellung der „Glasgow Declaration for Food and Climate“. Der Climate Justice Resilience Fund organisiert ein umfangreiches Programm zu Klimagerechtigkeit und der internationale Zusammenschluss von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, der „Mayors Migration Council“, wird einen Aktionsplan zu Klima und Migration verkünden. Auch Vertreterinnen der Stiftung werden vor Ort sein.

Welche Schwerpunkte setzen wir in unserer Arbeit zum Klimawandel?

Klimawandel und Landnutzung

Neben dem Ausstieg aus fossilen Energien ist der Landsektor zentral für den Klimaschutz: Entwaldung, Bodenerosion, synthetischer Dünger und Massentierhaltung sind für etwa ein Viertel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig sind gerade Kleinbauern im globalen Süden schon heute massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen. Für eine nachhaltige Entwicklung zur klimaneutralen Gesellschaft ist ein rascher und gerecht gestalteter Umbau der Landnutzung unabdingbar. Wir fördern Lösungen, die Klima und Ökosysteme schützen, Resilienz aufbauen und Ungleichheit adressieren. Dabei arbeiten wir international, mit geographischen Schwerpunkten in Subsahara-Afrika und Europa.

Klimabedingte Migration

Die weltweiten klimatischen Veränderungen entziehen Millionen Menschen die Lebensgrundlage und bringen sie dazu, ihre Heimat zu verlassen. Viele Menschen suchen zunächst in Städten ein neues Zuhause. Gerade in afrikanischen Metropolen überschneiden sich rasche Urbanisierung und Klimaauswirkungen – mit schwerwiegenden Folgen für eine der am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen: Migrantinnen und Migranten. Wir unterstützen Akteure insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent dabei, innovative und nachhaltige Lösungsansätze zu erarbeiten und umzusetzen. Wir fördern den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft und tragen dazu bei, wissenschaftliche Befunde und Erkenntnisse aus der Praxis in politische Prozesse zu klimabedingter Migration einzubringen. 

Klimagerechtigkeit und „just transition“

Sowohl innerhalb von Ländern als auch global besteht eine große Kluft zwischen den Verursacher:innen und den Betroffenen der Klimakrise. Besser gestellte Menschen und reiche Länder haben mehr zur Erhitzung der Atmosphäre beigetragen. Zugleich sind sie für die Folgen des Klimawandels besser gerüstet als ärmere und gesellschaftlich benachteiligte Menschen. Da die Folgen der Klimakrise bestehende Ungleichheiten weiter vertiefen, ist es nicht zuletzt eine soziale Frage, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Wir unterstützen Akteure dabei, die Maßnahmen zum Schutz des Klimas mit der Verringerung von Ungleichheiten verbinden.