Studie
Ende eines Vorurteils

Eine neue Studie zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund ebenso gesundheitskompetent sind wie die Gesamtbevölkerung in Deutschland. Nur bei der Kommunikation mit Ärzt:innen gibt es noch ein kleines Problem.
 
Robert Bosch Stiftung | Januar 2022 | Gesundheit
Ärztin im Gespräch mit Patient
©fizkes - stock.adobe.com

Gesund und lange leben – das möchten die meisten Menschen. Doch wie kommen wir diesem Ziel näher? Beispielsweise mit einer guten Gesundheitskompetenz, damit wir die richtigen Entscheidungen treffen können, uns richtig ernähren, genug bewegen und Gefahren wie das Rauchen meiden.

Wissenschaftler:innen der Unis in Bielefeld und Köln wollten nun wissen, ob die Gesundheitskompetenz bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland geringer ist als im Durchschnitt der Bevölkerung. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kam diese Vermutung wiederholt auf und blieb bislang ungeklärt. Die Robert Bosch Stiftung ermöglichte eine Studie zur Klärung der Frage, da Menschen mit Migrationshintergrund fast ein Viertel der gesamten Bevölkerung in Deutschland ausmachen.

„Ein ermutigendes Signal für die Gesellschaft“

Das Ergebnis: Entgegen der bislang vorherrschenden Einschätzung fällt die Gesundheitskompetenz von Menschen mit Migrationshintergrund ähnlich aus wie die der Gesamtbevölkerung in Deutschland, tendenziell sogar etwas besser. „Die vorgelegte Studie zeigt deutlich, wie wichtig es ist, genauer hinzusehen und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen“, sagt Dr. Ingrid Wünning Tschol, Leiterin des Bereichs Gesundheit der Robert Bosch Stiftung. „Der Migrationshintergrund spielt – anders als Armut oder Bildungsstand – keine wesentliche Rolle für die Gesundheitskompetenz. Das ist ein ermutigendes Signal für das gemeinsame Leben in einer Einwanderungsgesellschaft und gibt wichtige Hinweise für die Interventionsentwicklung.“

Für die Studie wurden die zwei größten Einwanderungsgruppen in Deutschland befragt: Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Gemeinsam haben sie einen Anteil von 30 Prozent an allen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Einen kleinen Unterschied zur Gesamtbevölkerung konnten die Wissenschaftler:innen allerdings doch noch feststellen. Er betrifft die Kommunikation mit Ärzt:innen. Für Menschen mit Migrationshintergrund ist es laut Studie besonders schwer, Ärzt:innen zum Zuhören zu bringen, ohne unterbrochen zu werden.

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