Wie gut verstehen Flüchtlinge das Asyl- und Aufnahmesystem?

Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, müssen sie rasch verstehen, wie Aufnahme und Asylverfahren geregelt sind, welche Einrichtungen wofür zuständig sind und welche Rechte, Pflichten und Möglichkeiten sie selbst haben. Wie gut Flüchtlinge in Deutschland das Asyl- und Aufnahmesystem durchschauen, zeigt die Untersuchung „Viele Fragen, zu viele Antworten?".

Robert Bosch Stiftung | Juni 2018

Damit Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland selbstbestimmt handeln können, müssen sie die Regelungen, Abläufe und Institutionen des Asyl- und Aufnahmesystems möglichst gut kennen. Das entlastet auch das Unterstützungssystem. Flüchtlinge verfügen aber häufig nur über geringe Systemkenntnis. Wie gut Flüchtlinge in Deutschland das Asyl- und Aufnahmesystem durchschauen und wovon dies abhängt, ist bisher kaum untersucht. Der Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und die Robert Bosch Stiftung sind dieser Frage nachgegangen. Die Ergebnisse stehen im Policy Brief „Viele Fragen, zu viele Antworten? Die Transparenz des Asyl- und Aufnahmesystems für Flüchtlinge.“

"Der Policy Brief zeigt, dass das komplexe Asyl- und Aufnahmesystem für Flüchtlinge schwer zu durchschauen ist", sagt Dr. Jan Schneider, Leiter des SVR-Forschungsbereichs. "Länder und Kommunen sollten deshalb bei der Auslegung von Bundesgesetzen ihren Spielraum im Sinne der Flüchtlinge nutzen und die Regelungen möglichst kohärent gestalten.“ Der wichtigste Zugang zu Wissen über das Asyl- und Aufnahmesystem sei die persönliche Beratung, sagt Dr. David Schiefer, Autor des Policy Briefs. „Dabei braucht es nicht unbedingt mehr Angebote für Informationsvermittlung, sondern Angebote, die besser auf die Bedarfe der Zielgruppe zugeschnitten sind und diese auch erreichen.“

Grafik mit Handlungsempfehlungen

Der Policy Brief basiert auf der Studie „Wie gelingt Integration? Asylsuchende über ihre Lebenslagen und Teilhabeperspektiven in Deutschland“. Dafür wurden 62 Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Pakistan, Albanien, dem Kosovo und Mazedonien in qualitativen Interviews zu ihren Lebenslagen in Deutschland befragt. Ergänzend flossen Erkenntnisse aus Hintergrundgesprächen ein, die der SVR-Forschungsbereich mit Expertinnen und Experten aus Behörden und Verwaltungen, der Flüchtlingssozialarbeit und -beratung, der zivilgesellschaftlichen Flüchtlingshilfe sowie der Wissenschaft geführt hat.

Interview mit Dr. David Schiefer zum Policy Brief