Wege zu nachhaltigem Frieden

Die Zahl der bewaffneten Konflikte hat weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Kriege, gewaltsame Konflikte und ihre Folgen prägen das Leben von rund zwei Milliarden Menschen und hemmen die positive Entwicklung ganzer Länder und Regionen. Viele Friedensprozesse geraten ins Stocken und scheitern bereits nach durchschnittlich sieben Jahren. Warum bleiben die bisherigen Ansätze so oft erfolglos? Und welche Wege führen zu nachhaltigem Frieden? Die von Interpeace in Genf geleitete Initiative „Principles for Peace“ hat sich das Ziel gesetzt, diese Fragen zu beantworten.

Robert Bosch Stiftung | Dezember 2020
Hiba Qasas und Scott Weber
Screenshot

Der virtuelle Startschuss für Principles for Peace: Hiba Qasas (li.), Koordinatorin der Initiative, im Gespäch mit Scott Weber von Interpeace.

„Unsere bisherigen Friedensansätze sind nicht ausreichend“, sagt Bert Koenders, ehemaliger Außenminister der Niederlande. „Wir müssen anders vorgehen und uns von den bisherigen, von oben verordneten Ansätzen trennen, die sich immer derselben Werkzeuge bedienen und dabei jedes Land gleich behandeln.“ Koenders hat sich zum Ziel gesetzt, passende Friedensansätze für das 21. Jahrhundert zu finden. Als Mitglied der international besetzten „Commission For Inclusive Peace“ untersucht er zusammen mit anderen erfahrenen Politikern und Praktikern die Mängel der bisherigen Ansätze zur Friedenserhaltung und Konsolidierung. Dabei sollen vor allem diejenigen zu Wort kommen, die direkt von den Konflikten betroffen sind. Besonderes Augenmerk legt die Kommission auf marginalisierte Gruppen der Bevölkerung. Insgesamt sollen die Erfahrungen aus mehr als 42 Ländern in die Arbeit der Kommission einfließen.

Bert Koenders

Bert Koenders, ehemaliger Außenminister der Niederlande, fordert neue, passende Friedensansätze für das 21. Jahrhundert.

Eine Kombination aus lokalem und globalen Ansatz

Principles for Peace wird von den Regierungen aus Schweden, Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden und von der Robert Bosch Stiftung unterstützt. „Was die ‚Principles For Peace‘ auszeichnet, ist die Kombination aus lokalen und globalen Perspektiven, die dieses Vorhaben zusammenbringt,“ sagt Atje Drexler, Bereichsleiterin für Internationale Verständigung und Kooperation der Robert Bosch Stiftung. „Dies versetzt die Initiative besonders gut in die Lage, Richtlinien zu entwickeln, die breit akzeptiert werden und das Nachdenken über und Handeln in Friedensprozessen verändern.“

Hunderttausende Menschen beteiligt

Die Arbeit der internationalen Kommission basiert auf einem Bottom-up-Prozess, an dem Hunderttausende von Menschen mit Erfahrungen aus Konflikt- und Friedensprozessen beteiligt werden. Die Initiative wird zudem durch ein umfangreiches Stakeholder-Forum internationaler und lokaler Organisationen unterstützt, die sich für die Schaffung von Frieden auf der ganzen Welt einsetzen. Darüber hinaus wird die Kommission in den nächsten zwei Jahren globale Konsultationen auf internationaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene durchführen und von führenden Forschern über Erfahrungen aus früheren Friedensprozessen informiert.

Die Mitglieder der neuen Kommission für inklusiven Frieden:

Bilder der Kommisionsmitglieder
  • Bernardo Arévalo de León, Guatemala. Kongressabgeordneter und ehemaliger stv. Aussenminister Guatemalas
  • Yves Daccord, Schweiz. Ehemaliger Generaldirektor des Internationalen Komitees des Roten Kreuz (ICRC)
  • Generalleutnant Roméo Dallaire, Kanada. Ehemaliger Befehlshaber der Hilfsmission der Vereinten Nationen für Ruanda und ehemaliger kanadischer Senator
  • Ilwad Elman, Somalia/Kanada. Friedensaktivistin, Gründerin des “Elman Peace and Human Rights Center”. 
  • Frederic Gateretse Ngoga, Burundi. Botschafter, Leiter der Abteilung Konfliktverhütung und Frühwarnung bei der Kommission der Afrikanischen Union
  • HRH Prince Ghazi bin Muhammad, Jordanien. Chefberater für religiöse und kulturelle Angelegenheiten Seiner Majestät des Königs von Jordanien
  • Bert Koenders, Niederlande. Ehemaliger Außenminister der Niederlande und UN-Sonderbeauftragter für die Elfenbeinküste und Mali
  • Sanam Naraghi Anderlini, Iran/Großbritannien. Gründerin und Direktorin des “International Civil Society Action Network” (ICAN) und Direktorin des Center of Women, Peace and Security an der London School of Economics
  • Teresita Quintos Deles, Philippinen. Friedensstifterin und Aktivistin
  • Naheed Sarabi, Afghanistan. Ehemalige stellvertretende Finanzministerin und ehemalige Abgeordnete des Sekretariats für Frieden Loya Jirga in Afghanistan
  • Rory Stewart. Großbritannien. Senior Fellow am Jackson Institute, Yale University, ehemaliger Staatsminister im britischen Außenministerium
  • Annika Söder, Schweden. Botschafterin, ehemalige Staatssekretärin im schwedischen Außenministerium