Was beschäftigt junge Menschen?

Die TINCON ist ein Festival für digitale Jugendkultur – von, für und mit jungen Menschen. Was sind die angesagten Themen 2018, wofür interessieren sich junge Menschen und wie bringen sie sich ein? Darüber sprachen wir mit dem TINCON-Speaker Florian Prokop.

Alexandra Wolters | Juni 2018
Porträt Florian Prokop
Maximilian König

Die Tincon richtet sich an junge Menschen zwischen 13 und 21 Jahren, ältere Erwachsene sollen bewusst draußen bleiben. Was passiert auf der Convention?

Eine ganze Menge. Auf der TINCON treffen sich junge Menschen mit tollen Ideen, die sich für ganz unterschiedliche Dinge einsetzen, die ihnen wichtig sind. Viele sind superidealistisch und motiviert – und haben einfach große Lust sich auszutauschen und miteinander Zeit zu verbringen. Sei es in Workshops, Talk-Runden und in der Gaming Area.

Welche Themen sind den jungen Menschen dabei aktuell wichtig?

Ein wichtiger und viel diskutierter Punkt ist das Thema „Mental Health“. In den sozialen Netzwerken wird viel vom schönen Leben gezeigt und erzählt. Aber wer hilft mir, wenn es mir schlecht geht? Wie und wo kann ich über Probleme kommunizieren? Was kann ich für meine mentale Gesundheit tun? Diese Fragen bewegen gerade viele Jugendliche, deshalb gibt es dazu auf der TINCON zum Beispiel auch Talks und Sessions über Eskapismus, Real Life, digitale Ethik und das Gefühl, aus den verschiedensten Gründen ausgegrenzt und diskriminiert zu werden.

Ebenfalls hoch im Kurs stehen Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die junge Generation weiß ziemlich genau, dass sie die Folgen des Klimawandels und der anhaltenden Umweltverschmutzung zu spüren bekommt. Und das ist ihnen nicht egal. Daher fragen sich viele Jugendliche aktuell: Was kann ich tun? Wie kann ich mit meinem Konsumverhalten Einfluss nehmen, zum Beispiel durch eine vegane Lebensweise oder den Verzicht auf Plastik?

Inwieweit spielen Politik und politische Bildung bei den jungen Menschen – auch auf der TINCON – eine Rolle?

Ich denke, generell interessieren sich die Jugendlichen schon für Politik. Sie sind nur manchmal vom tagespolitischen Geschäft gelangweilt. Oder sie fühlen sich von den Politikern nicht ernst genommen, weil ihnen kaum einer zuhört und sich wirklich für sie und ihre Themen einsetzt. Das müssen sie schon selber übernehmen, lautet oft die Schlussfolgerung der jungen Menschen. Und dabei zeigen sie unheimlich viel Enthusiasmus.

Wie zum Beispiel der Student Thilo Buchholz, der auf der TINCON für seine Idee eines Europäischen Zivildienstes wirbt. Nach seiner Vorstellung soll jede europäische Bürgerin und jeder europäische Bürger nach der Schullaufbahn mehrere Monate in einem anderen europäisches Land verbringen und dort einer für die Gesellschaft sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Das würde Thilos Ansicht nach zu einem echten Gemeinschaftsgefühl und damit zu einem vereinten Europa führen.

Wie und wo informieren sich die jungen Menschen über für sie relevante Themen?

Natürlich auch im Internet. Viele bilden oder suchen zielgerichtet zu den Themen, die sie interessieren Communities, tragen dort kollaborativ Infos zusammen und tauschen sich aus. Bestimmten Influencern wird eher zugehört und gefolgt, aber ein aktiver Austausch ist für die Jugendlichen extrem wichtig. Und der findet übrigens auch ohne Internet in Klassenräumen und unter Freunden statt.

Was sind für junge Menschen in unserer Gesellschaft aktuell die größten Herausforderungen?

Ich denke, die Herausforderungen haben sich in den vergangenen Jahren nicht groß geändert: Viele Jugendliche beschäftigen Fragen wie „Wer bin ich, wo stehe ich, wer will ich sein?“.

Die aktuell junge Generation wächst in Stabilität und Sicherheit auf. Für sie sind Demokratie und Freiheit selbstverständlich. Ich denke, es ist eine Aufgabe und Herausforderung für uns alle, die Bedeutung von Demokratie und Freiheit zu vermitteln und zu zeigen, dass diese Errungenschaften ein großes Privileg für eine Gesellschaft sind.

Worin liegen die Stärken der jungen Generation?

Wenn jungen Menschen wirklich etwas am Herzen liegt, dann setzen sie sich überzeugt dafür ein. Dann werden sie aktiv und stark, sowohl für sich als auch für andere. Um ihr Interesse an gesellschaftlich relevanten Themen zu wecken, dafür sind Konferenzen wie die TINCON super geeignet. Hier können sich die jungen Menschen in einem geschützten Rahmen austauschen, informieren und inspirieren. Und wen es interessiert, womit sie sich beschäftigen - und das müssten eigentlich möglichst viele Akteure sein - sollte gut zuhören. Am Sonntag sind auf der Convention auch Erwachsene erlaubt, ansonsten gibt es viele Inhalte zum Nachschauen auf der Website und im Netz.