Das Deutsche Schulbarometer: Haben Schulen und Lehrkräfte in der Coronakrise dazugelernt?

Auch zehn Monate nach den ersten Schulschließungen wird über den Schulbetrieb diskutiert. Die Corona-Pandemie ist für Lehrer, Schüler und Eltern nach wie vor eine Herausforderung. Welche Lehren ziehen sie aus den vergangenen Monaten? Eine repräsentative Umfrage der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT belegt: Lehrkräfte haben sich in der Nutzung digitaler Tools weiterentwickelt, die technische Ausstattung der Schulen bedarf Verbesserung.

Robert Bosch Stiftung | Januar 2021
Junge Lehrerin sitzt zuhause vor ihrem Laptop und unterrichtet.
AdobeStock/Milica

Wie können wir Unterricht digital gestalten? Diese Frage stand für viele Lehrkräfte mit Beginn der Corona-Pandemie unvermittelt im Raum.

Der Wechsel im Schulbetrieb aus Präsenzunterricht und Homeschooling während der Corona-Pandemie ist weiterhin eine mühevolle Situation. Dabei haben Lehrkräfte beim Einsatz digitaler Formate und Tools verglichen mit den Schulschließungen im März 2020 erkennbar dazugelernt. Bei der technischen Ausstattung der Schulen ist Deutschland hingegen kaum vorangekommen. Das zeigen die Ergebnisse der Folgebefragung von Lehrkräften des Deutschen Schulbarometer Spezials, eine repräsentative Erhebung der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT. So gaben jetzt 62 Prozent der Befragten an, digitale Möglichkeiten zur Vermittlung und Aneignung neuer Lerninhalte zu nutzen, zum Beispiel für die Erstellung eigener Erklärvideos. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr machten dies nur 36 Prozent. Zwar arbeitet die große Mehrheit der Schulen (73 Prozent) inzwischen mit digitalen Lern- und Arbeitsplattformen, doch mit Blick auf die digitale Ausstattung ihrer Schulen sagen immer noch 61 Prozent der Lehrkräfte, dass sie weniger gut oder schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet seien.

So beurteilen Lehrkräfte die digitale Ausstattung ihrer Schule für den Fernunterricht:

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H. Anders/Das Deutsche Schulbarometer Spezial

61 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass ihre Schulen eher schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet seien. Dieser Wert ist im Vergleich zum April 2020 nur unwesentlich gesunken.

Lehrkräfte registrieren erhebliche Lernrückstände

Viele Lehrkräfte stellen bereits heute erhebliche Lernrückstände bei ihren Schülerinnen und Schülern fest, vor allem an den Förderschulen. Hier bestätigt jede zweite Lehrkraft (54 Prozent) messbare Defizite. „Vor allem benachteiligte Schülerinnen und Schüler brauchen jetzt Unterstützung“, sagt Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung. Überfällig sei neben dem individuellen Engagement der Lehrkräfte auch eine systematische Schul- und Unterrichtsentwicklung, da viele Schulen noch keine verbindlichen Konzepte für den Fern- und Wechselunterricht erarbeitet haben.