Wie gehen die Deutschen mit Vielfalt um?

Zunehmende Vielfalt prägt das Alltagsleben der Menschen in Deutschland: Ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, unterschiedlicher sexueller Orientierung oder ethnischer Herkunft nehmen aktiver am gesellschaftlichen Leben teil. Wie reagieren die Menschen auf die zunehmende Vielfalt in Zeiten, die trotz wirtschaftlichen Wohlstands als unsicher wahrgenommen werden? Das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung liefert ein umfassendes Bild, wie die Deutschen mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen und welche Faktoren dies beeinflussen.

Robert Bosch Stiftung | April 2019

Das Vielfaltsbarometer 2019: Die wichtigsten Ergebnisse

Das Vielfaltsbarometer 2019 der Robert Bosch Stiftung ist eine repräsentative Befragung zum Thema „Gesellschaftliche Vielfalt und Zusammenhalt“. Es liefert Daten über die Meinung der Befragten zu den Vielfaltsdimensionen Lebensalter, Geschlecht, Behinderung, sexuelle Orientierung, ethnische Herkunft, Religion und sozioökonomischer Status. Die Forscher der Jacobs University Bremen haben die Ergebnisse mit vorhandenen soziodemografischen und sozioökonomischen Daten in Beziehung gesetzt, um Aussagen darüber treffen zu können, welche individuellen und strukturellen Faktoren die Akzeptanz von Vielfalt erhöhen.

Akzeptanz von Menschen mit Behinderung besonders hoch

Für die Mehrheit der Deutschen ist zunehmende Vielfalt mehr Bereicherung als Gefahr. Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten liegt der Mittelwert für die Akzeptanz von Vielfalt in Deutschland aktuell bei 68 Punkten und damit klar im positiven Bereich. So stehen die Deutschen Menschen mit Behinderung (83 Punkte), unterschiedlicher sexueller Orientierung (77 Punkte) und anderer ethnischer Herkunft (73 Punkte) sehr offen gegenüber. Auch bei Menschen eines anderen Lebensalters (70 Punkte) oder eines anderen Geschlechts (69 Punkte) ist die Akzeptanz hoch. Die größten Vorbehalte gibt es gegenüber sozioökonomisch Schwachen (58 Punkte) und gegenüber religiöser Vielfalt (44 Punkte).

Mentalität und persönliche Einstellung entscheidend

Die Studie zeigt, dass vor allem individuelle und persönliche Aspekte für die Akzeptanz von Vielfalt entscheidend sind. Je mehr sich Menschen von anderen Gruppen bedroht fühlen, desto geringer fällt die Zustimmung aus. Ist hingegen die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, stark ausgeprägt, liegt die Akzeptanz höher. „Nicht Vielfalt an sich ist die Herausforderung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern die Frage, wie wir mit ihr umgehen“, sagt Sandra Breka, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Die Daten des Vielfaltsbarometers sprechen dafür, dass der konstruktive Umgang mit Vielfalt erlernbar ist. Vor allem persönliche Begegnungen können die Empathie stärken und das Unbehagen gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen abbauen.“

Begegnungen in der Nachbarschaft kommt dabei eine große Bedeutung zu. Hier stehen die meisten Menschen beispielsweise Homosexuellen, Sozialhilfeempfängern oder religiösen Moslems noch einmal deutlich offener gegenüber, als die allgemeine Einstellung zu diesen Gruppen vermuten lässt.

Zusammenhalt in Vielfalt: Das Vielfaltsbarometer 2019

Deutschland ist ein vielfältiges Land. Darin liegen Chancen für die zukünftige Entwicklung in einer globalisierten...