"Die Zukunft gehört uns!"

Welche Themen sind Jugendlichen heute wichtig? Die Antworten reichen vom europäischen Zivildienst über die Verbesserung von Schülerrechten bis hin zur Darstellung junger Menschen in den Medien. Dabei geht es Jugendlichen besonders um eins: die aktive Mitgestaltung der Gesellschaft. Wie das funktionieren kann, zeigen sie auf einem Festival für digitale Jugendkultur.

Franziska Hein | Juli 2018
Gregor Fischer

Jugendliche ziehen gemeinsam an einem Strang für die Themen, die sie beschäftigen.

"Ich diskutiere über alles mit allen" steht auf dem Schild, das der 18-jährige Thilo Buchholz um seinem Hals hängen hat. Darüber steht der Name seines Twitter-Accounts. Thilo ist nicht nur offen für Diskussionen, er hat auch eine Vision. "Ich bin hier, um viele super motivierte Leute zu treffen und weil ich gerne junge Leute für meine Idee, den europäischen Zivildienst, begeistern will." Thilo besucht die TINCON, das erste Festival für digitale Jugendkultur. Auf dem Gelände des Columbia Theaters in Berlin steht ein Bällebad, bunte Wimpelketten hängen in den Bäumen, im Garten ist ein Pavillon für Workshops aufgebaut. Im Theater selbst gibt es neben Spieleautomaten und VR-Brillen zwei Bühnen, die Platz für den Diskussionsbedarf über gesellschaftliche und politische Themen bieten. Hier geht es in den verschiedenen Formaten ums Zuhören, ums miteinander und voneinander Lernen. Das Festival zeigt, dass Jugendliche sich auch im Zeitalter von Snapchat, Instagram und Co. einsetzen - für ihre Generation, Ideale und Selbstbestimmung.

Wie bringen sich Jugendliche in politische Debatten ein?

Die Besucher und Vortragenden sind zum größten Teil im gleichen Alter: Digital Natives zwischen 13 und 21 Jahren, die eine Welt ohne Internet nicht kennen und das Netz als Werkzeug für ihre politische Teilnahme nutzen. So auch Thilo. Die Idee des europäischen Zivildiensts kam ihm auf einer Konferenz im Europäischen Parlament in Straßburg und hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Er soll allen Jugendlichen die Möglichkeit geben, nach der Schule bis zu einem Jahr in einem europäischen Land zu leben. "Und sich somit ein Jahr mehr für das Leben zu nehmen und die Gesellschaft aus einer anderen Perspektive sehen", erläutert Thilo. Er möchte zu einem vereinten Europa beitragen, in dem sich alle zusammengehörig fühlen und sich soziale Gerechtigkeit über Grenzen hinweg etabliert.

Gregor Fischer

Max und Jules von der Gesamtschüler*innenvertretung Bremen möchten "den Menschen eine Stimme geben, die es aus verschiedenen Gründen selber nicht schaffen."

Soziale Gerechtigkeit ist ein Anliegen, das auch Max und Jules zu ihrem Engagement motiviert. Sie sind Teil der Gesamtschüler*innenvertretung Bremen (GSV) und setzen sich auf Landesebene für ein faires und selbstbestimmtes Bildungssystem ein. Gute Bildung ist Bildung, die alle erreicht und zu der jede Person Zugang hat, erklärt Max. "Letztendlich dürfen wir nicht vergessen, dass soziale Herkunft beim Zugang zu Bildung immer noch eine Rolle spielt. Wenn man aus einer privilegierten Familie stammt, kann man sich Nachhilfe leisten, eine ärmere Familie kann das nicht. Das ist unakzeptabel." Sie suchen den Dialog mit Lehrern auf Augenhöhe, um Schule interaktiver zu gestalten.

Wir gehen tagtäglich zur Schule und wissen am besten, was wir brauchen. Also sollten wir ein Recht haben mitzubestimmen.

Die GSV ist dabei ihr Sprachrohr, um sich Gehör zu verschaffen. Konkret bedeutet das: Sie besprechen sich in Vorstandssitzungen, stehen im Austausch mit anderen Schülervertretungen und der Bildungsbehörde, organisieren Demonstrationen und Infotage, um Nachwuchs zu finden und Schüler für ihre Anliegen zu sensibilisieren.

Politische Debatten funktionieren auch digital

Auf dem Festival treffen verschiedene Meinungen und Umgangsweisen mit sozialen Medien aufeinander. Eines eint dabei viele Teilnehmer: ihr Aktivismus im Netz. "Politik wird ganz neu hinterfragt. Im Gegensatz zu Menschen früher, die sich in Parteien eingebracht haben, kann das heute auch in Form von Daumen hoch oder runter geschehen", findet Thilo. Das bestätigt Roman Möseneder, der einen Vortrag darüber hält, wie Jugendliche in den Medien falsch dargestellt werden. Er hat das Gefühl, dass in Berichterstattungen jungen Politikern die Ernsthaftigkeit und damit auch Potenzial abgesprochen wird. Im persönlichen Gespräch erzählt er von Jugend-Bashing und wie er dagegen vorgeht: "Ich schreibe oft Leute auf Twitter an, dass sie das bitte lassen sollen." Er sieht es als zentrale Herausforderung seiner Generation, mit Diskriminierung im Internet umzugehen. Roman ist überzeugt, dass die Jugend von heute solidarisch ist: "Wenn es blöde Kommentare gibt, wird einem geholfen."

Hier reden die Jugendlichen!