Pressemeldung

Deutsches Schulbarometer: Psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen steigt erstmals nach Pandemie wieder an

  • Laut der aktuellen repräsentativen Studie der Robert Bosch Stiftung zeigt jedes vierte Kind in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Besonders betroffen sind Kinder aus einkommensschwachen Familien. 
  • Fehlende Mitbestimmung: Die große Mehrheit der Schüler:innen wünscht sich mehr Einfluss auf den Unterricht und fühlt sich bislang kaum gehört. 
  • Alltagsproblem Mobbing: Ein Drittel der Jugendlichen erlebt regelmäßig Schikanen durch Mitschüler:innen.
     

Stuttgart/Berlin, 18.03.2026 – Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland nimmt erstmals nach der Corona-Pandemie wieder zu. Das geht aus dem heute veröffentlichten Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung hervor. Laut der repräsentativen Studie fühlt sich ein Viertel der Schüler:innen psychisch belastet (2025: 25 Prozent, 2024: 21 Prozent). Für die aktuelle Ausgabe, die in Kooperation mit der Universität Leipzig entstand, wurden Schüler:innen und ihre Eltern befragt.

Die soziale Herkunft ist dabei ein entscheidender Faktor für die mentale Gesundheit: Kinder aus einkommensschwachen Familien berichten überdurchschnittlich häufig von psychischer Belastung (31 Prozent), geringem schulischem Wohlbefinden (29 Prozent) und niedriger Lebensqualität (36 Prozent). Gleichzeitig empfindet fast die Hälfte aller Befragten hohen Leistungsdruck und gibt an, auch am Wochenende für die Schule lernen zu müssen.

„Auch wenn es dem Großteil der jungen Menschen in Deutschland gut geht, ist der erneute Anstieg der psychischen Belastung ein Warnsignal, das wir nicht ignorieren dürfen“, sagt Dr. Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. „Unsere Studie zeigt, was hilft: Wenn Lehrkräfte unterstützen und sie fordern, ohne zu überfordern, und zudem das Klassenklima gut ist, geht es Kindern besser. Guter Unterricht fördert also nicht nur den Lernerfolg, sondern stärkt ganz direkt das Wohlbefinden der Kinder.“

Schüler:innen wollen mitreden – und werden kaum gehört

Eine große Kluft deckt das Schulbarometer beim Thema Mitbestimmung auf: Während drei Viertel der Schüler:innen mehr Einfluss auf Unterrichtsthemen oder Prüfungsformate wünschen, geben vier Fünftel an, hier kaum mitreden zu können. Selbst etablierte Gremien wie die Schülervertretung werden von 43 Prozent der Befragten als wirkungslos eingeschätzt. Die Studie belegt dabei einen klaren Zusammenhang: Wer mitentscheiden darf, fühlt sich in der Schule wohler. Diesem Wunsch nach mehr Beteiligung steht eine deutlich andere Wahrnehmung der Lehrkräfte gegenüber: In einer früheren Befragung des Deutschen Schulbarometers hielt mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (55 Prozent) die vorhandenen Mitbestimmungsmöglichkeiten für ausreichend.

„Kinder und Jugendliche sind die Expert:innen, wenn es um ihre Anliegen geht. So müssen wir sie auch behandeln", betont Anna Gronostaj. „Wenn Schüler:innen gehört werden wollen, Lehrkräfte aber keinen Bedarf sehen, brauchen wir dringend einen Dialog zwischen den Beteiligten. Echte Partizipation ist kein ‚Nice-to-have' – sie ist Grundlage für Wohlbefinden und gelebte Demokratie in der Schule."

Mobbing bleibt ein alltägliches Problem

Auch Mobbing ist für viele Schüler:innen Alltag. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen wird mindestens einmal im Monat von Mitschüler:innen schikaniert, jede:r Zehnte sogar wöchentlich oder täglich. Besonders häufig sind 14-Jährige betroffen (38 Prozent). Dabei wird Mobbing im direkten, persönlichen Kontakt häufiger erlebt als Cybermobbing, tritt aber oft in Kombination auf. Ein positiver Aspekt: Die Aufklärung an den Schulen scheint anzukommen. Vier von fünf Schüler:innen wissen, an wen sie sich für Hilfe wenden können.

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