Neue Wege zu nachhaltigem Frieden

Kriege und gewaltsame Konflikte bestimmen das Leben von zwei Milliarden Menschen weltweit. Wie schaffen wir dauerhaft Frieden? Fragen an Bert Koenders, ehemaliger Außenminister der Niederlande.

Robert Bosch Stiftung | April 2021
Bert Koenders besucht die israelisch-palästinensische Grenze
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Bert Koenders setzt in Konflikten auf die Einbindung aller betroffenen Menschen vor Ort. Hier ein Besuch an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen.

Viele Friedensprozesse geraten ins Stocken und scheitern bereits nach durchschnittlich sieben Jahren. Welche Schwächen haben Sie als UN-Sonderbeauftragter bei Ihrer Friedensmission in Mali erlebt?

In der Regel verfolgen wir in allen Ländern einen Ansatz, der hierarchisch von oben nach unten aufgebaut ist und mit einer UN-Resolution beginnt, die in New York ausgehandelt wurde – begleitet von großen Erwartungen. In Mali habe ich erlebt, dass dieser Friedensansatz nicht ausreicht. Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir den hierarchischen Ansatz hinter uns lassen und aufhören, alle Länder gleich zu behandeln.

Welcher Weg ist vielversprechender?

Es gibt keine einfache Lösung. Frieden ist eine gemeinsame Anstrengung der betroffenen Menschen vor Ort. Deswegen müssen wir diesen Menschen zuhören. Alle Gruppen der lokalen Bevölkerung sollten in den Friedensprozess einbezogen werden, Frauen, Jugendliche, Jung und Alt. Wir dürfen nicht den Fehler machen, nur mit denen zu reden, die zu den Waffen gegriffen haben. Inklusion ist ein Schlüssel zum Erfolg. Außerdem müssen wir akzeptieren, dass Friedensschlüsse langfristig nur halten können, wenn sie von den Menschen vor Ort selbst überwacht werden.

Sie unterstützen die Initiative “Principles for Peace“ und gehören der Kommission für inklusiven Frieden an. Die Initiative wird von Interpeace in Genf geleitet und von der Robert Bosch Stiftung und Partnern wie dem schwedischen und dänischen Außenministerium gefördert. Was sind ihre Ziele? 

Wir haben uns das herausfordernde Ziel gesetzt, passende Friedensansätze für das 21. Jahrhundert zu finden. Zusammen mit erfahrenen Politikern und Praktikern gehe ich der Frage nach, warum die bestehenden Friedensansätze so oft erfolglos bleiben. Anschließend wollen wir neue Richtlinien und Standards entwickeln, die unsere Herangehensweise und Umsetzung von Friedensprozessen grundlegend verändern.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die von Konflikten betroffen sind.

Wie wollen Sie den unterschiedlichen Anforderungen vor Ort gerecht werden?

Die Kommission wird in ihre Arbeit hunderttausende Menschen mit Erfahrungen in Friedensprozessen einbeziehen. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die direkt von Konflikten betroffen sind. Auch den oft marginalisierten Bevölkerungsgruppen gehört unsere Aufmerksamkeit. Zudem können wir auf die Unterstützung eines umfangreichen Stakeholder-Forums internationaler und lokaler Organisationen bauen, die sich für die Schaffung von Frieden auf der ganzen Welt einsetzen. Wir führen in den kommenden zwei Jahren Gespräche auf internationaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene und werden von führenden Forschern über die Erkenntnisse aus bisherigen Friedensprozessen informiert.

Warum glauben Sie an den Erfolg Ihrer Mission?

Was “Principles For Peace“ auszeichnet, ist die Kombination aus lokalen und globalen Perspektiven, die wir zusammenbringen. Das versetzt uns in die Lage, Richtlinien zu entwickeln, die breit akzeptiert werden und das Nachdenken über und Handeln in Friedensprozessen verändern. So können wir dazu beitragen, den Grundstein für nachhaltigen Frieden zu legen.