Politiker:innen im direkten Gespräch: „Hallo Bundestag“ geht auf große Deutschlandreise
- Das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekt „Hallo Bundestag“ startet im Mai 2026 eine dreijährige Dialogtour mit über 1.000 Gesprächen in 50 Wahlkreisen.
- Zufällig ausgeloste Menschen treffen ihre Bundestagsabgeordneten vor Ort in ihren jeweiligen Wahlkreisen zu eintägigen, parteiunabhängigen Diskussionen über bundespolitische Themen.
- Das Vertrauen der Gesprächsteilnehmer:innen von „Hallo Bundestag“ in Politiker:innen, Parteien und demokratische Institutionen steigt, so das Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitung bisheriger Diskussionen durch die Humboldt-Universität zu Berlin.
Berlin, 6. Mai 2026 – Bundespolitik im eigenen Wahlkreis persönlich erleben, jenseits von Parteinähe oder politischem Vorwissen: Mit dem Projekt „Hallo Bundestag“ startet der Verein Demokratie Innovation e. V. im Mai 2026 seine bislang größte Deutschlandreise. Bis 2028 bringt das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Projekt in 50 Wahlkreisen zufällig ausgeloste Menschen für jeweils einen Tag mit ihren Bundestagsabgeordneten zusammen. Geplant sind rund 1.250 sogenannte „politische Blinddates“ innerhalb der nächsten drei Jahre.
Ziel des Projekts ist es, Politik und Gesellschaft wieder näher zusammenzubringen – insbesondere dort, wo der Austausch selten geworden ist und Politikverdruss wächst. Bereits 71 Bundestagsabgeordnete haben sich auf das Format beworben, fest dabei sind unter anderem Florian Bilic (CDU), Reem Alabali-Radovan (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen). An jedem Wahlkreistag diskutieren etwa 25 per Los ausgewählte Menschen gemeinsam mit ihrer oder ihrem jeweiligen Abgeordneten über ein aktuelles bundespolitisches Thema.
Wahlkreistage stärken Vertrauen in politische Prozesse
Bereits während der Pilotphase zeigte sich die Wirkung des innovativen Formats der Wahlkreistage: Das Vertrauen der beteiligten Menschen in Politiker:innen, Parteien und demokratische Institutionen stieg. Die Teilnehmenden sprechen von einem stärkeren Gefühl politischer Selbstwirksamkeit und davon, dass sie durch das Projekt mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt empfinden und sich auch mehr politisch engagieren würden. Bundestagsabgeordnete betonen insbesondere die Vielfalt der Teilnehmenden und die konstruktive Gesprächsatmosphäre – selbst bei sensiblen Themen.
„Wenn Vertrauen in Institutionen schwindet und Menschen sich nicht ausreichend gehört fühlen, gerät die Widerstandsfähigkeit der Demokratie in Gefahr. Deshalb fördern wir Initiativen wie ‚Hallo Bundestag‘, die Vertrauen in die repräsentative Demokratie stärken, Teilhabe ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern“, sagt Sylvia Hirsch, Senior Projektmanagerin der Robert Bosch Stiftung.
„Aufsuchendes Losverfahren“ erreicht politikferne Menschen
Ein zentrales Merkmal von „Hallo Bundestag“ ist das von Demokratie Innovationen e. V. entwickelte Format des „Aufsuchenden Losverfahrens“. Um auch Menschen zu erreichen, die sich selten mit Politik beschäftigen, gehen Ehrenamtliche bewusst einen Schritt weiter: Reagieren ausgeloste Personen nicht auf eine schriftliche Einladung zu den Wahlkreistagen, sprechen die ehrenamtlichen Unterstützer:innen diese persönlich an der Haustür an. So entstehen Begegnungen, die im klassischen Beteiligungssystem häufig ausbleiben, und es eröffnen sich Möglichkeiten, individuelle Rückfragen zum Format und zur Teilnahme direkt zu klären.
„Unsere Veranstaltungen sind wie politische Blinddates“, sagt Paul Naudascher, Projektleiter von „Hallo Bundestag“. „Wir wollen möglichst unterschiedliche Lebensrealitäten an einen Tisch bringen. Deshalb klingeln wir auch an Haustüren – um zu verstehen, was Menschen brauchen, um teilnehmen zu können.“
Vom Rheingau über Hamburg nach Deggendorf – 2026 ist „Hallo Bundestag“ in 15 Wahlkreisen unterwegs
Den Auftakt der Deutschlandreise 2026 – 2028 bildet der Wahlkreis Rheingau-Taunus – Limburg. Dort findet Anfang Mai 2026 der erste Wahlkreistag im Rahmen des Projekts „Hallo Bundestag“ statt.
Der Verein Demokratie Innovation e. V. führt seit 2021 Wahlkreistage in kleinerem Umfang durch. Das Vorgängerprojekt wurde wissenschaftlich von der Humboldt-Universität zu Berlin begleitet. Die Evaluation zeigt deutliche positive Effekte: Rund ein Viertel der Befragten gab an, nach der Teilnahme ein gesteigertes politisches Interesse und Engagement entwickelt zu haben. Zudem äußerten die Teilnehmenden ein wachsendes Interesse an öffentlicher Arbeit und den Wunsch, sich künftig politisch aktiver einzubringen. Auch das Vertrauen in politische Institutionen lag nach der Teilnahme signifikant höher als zuvor.
In der aktuellen Projektphase wird die Wirkung der Wahlkreistage erneut von der Universität empirisch untersucht.
Teilnehmende Wahlkreise 2026
- Rheingau-Taunus – Limburg (Hessen)
- Harburg (Niedersachsen)
- Nordfriesland – Dithmarschen Nord (Schleswig-Holstein)
- Berlin-Tempelhof-Schöneberg (Berlin)
- Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Holzland-Kreis – Saale-Orla-Kreis (Thüringen)
- Esslingen (Baden-Württemberg)
- Hamburg-Mitte (Hamburg)
- Dresden I (Sachsen)
- Pirmasens (Rheinland-Pfalz)
- Köln II (NRW)
- Biberach (Baden-Württemberg)
- Schwerin – Ludwigslust-Parchim I – Nordwestmecklenburg I (Mecklenburg-Vorpommern)
- Münster (NRW)
- Erfurt – Weimar – Weimarer Land II (Thüringen)Deggendorf (Bayern)