Gütersloh, 24. November 2021 – Noch immer ist es in Deutschland möglich, ein Lehramtsstudium zu absolvieren, ohne digitale Kompetenzen erwerben zu müssen. Vergleichsdaten des Monitor Lehrerbildung zeigen für die vergangenen Jahre trotz Corona nur geringe Fortschritte. So würde es bei bisherigem Tempo etwa für das Lehramt an Gymnasien bis ins Jahr 2040 dauern, ehe digitalisierungsbezogene Kompetenzen flächendeckend in der Lehrerbildung etabliert sind. Bildungsexpert:innen fordern deshalb Bund, Länder und Hochschulen zum Handeln auf. 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben in den vergangenen Monaten schonungslos offengelegt, dass Deutschlands Schulen und ihre Lehrkräfte noch immer nicht genügend auf Bildung und Unterricht in der digitalen Welt vorbereitet sind.

Verpflichtende Angebote zum Erwerb digitaler Medienkompetenz sind im Lehramtsstudium an deutschen Hochschulen weiter eher Ausnahme als Regel. Nur rund 20 Prozent aller Hochschulen sehen sie für alle Lehramtsstudierenden unabhängig vom Lehramtstyp verpflichtend vor. 

Vergleichsdaten aus einer früheren Befragung des Monitor Lehrerbildung belegen zudem: Zwischen 2017 und 2020 wurden nur geringe Fortschritte bei der curricularen Verankerung von verpflichtenden Lehrveranstaltungen zum Thema digitale Medienkompetenz erzielt. 

Bildungsexpert:innen warnen vor Stagnation 

Bildungsexpert:innen des Kooperationsprojektes Monitor Lehrerbildung warnen in einem Policy Brief nun eindringlich vor den Folgen der Stagnation beim Thema Digitalisierung in der Lehrerbildung. Nehme man das bisherige Tempo als Grundlage, dann dauere es beispielweise für das Lehramt an Gymnasien bis ins Jahr 2040, ehe digitalisierungsbezogene Kompetenzen flächendeckend in der ersten Phase der Lehrerbildung etabliert sind. Vorher bleibe es weiterhin möglich, ins Referendariat zu starten, ohne sich im vorausgegangenen Lehramtsstudium jemals mit dem didaktischen Einsatz digitaler Medien und ihrer Bedeutung für Schule und Unterricht befasst zu haben.

Initiativen der Politik kommen nicht an den Hochschulen an

Dabei hat das Thema Digitalisierung in der Lehrerbildung – zieht man etwa die Strategie der Kultusministerkonferenz von 2016 oder den Koalitionsvertrag der vergangenen Regierungskoalition heran – schon länger einen hohen Stellenwert in der Politik. 

Davon sei in der Lehrerbildung an den Hochschulen allerdings noch zu wenig angekommen, erklärt Volker Meyer-Guckel: „Eine gute technische Ausstattung und jüngere Lehrkräfte allein gewährleisten noch keine gute digitale Bildung“, so der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes. „Bund, Länder und Hochschulen müssen den nachhaltigen Aufbau digitalisierungsbezogener Kompetenzen bei angehenden Lehrkräften schnellstmöglich viel stärker in den Fokus rücken.“

Laut den Autor:innen des Policy Briefs gelte es, jetzt das Momentum der aktuell dynamischen Entwicklungen in Sachen digitaler Lehre zu nutzen und dauerhaft tragfähige Lösungen zu etablieren. „Wir brauchen dringend eine digital-didaktische Qualifizierung künftiger Lehrkräfte“, fordert Dagmar Wolf, Bereichsleiterin Bildung bei der Robert Bosch Stiftung GmbH. „Dazu muss Digitalisierung zu einem echten Querschnittsthema in der Lehrerbildung werden, von den Fach- und Bildungswissenschaften über die Fachdidaktik bis zum Referendariat.“ 

Deshalb plädieren die Bildungsexpert:innen des Monitor Lehrerbildung für phasen- und länderübergreifende Standards im Erwerb von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen in der Lehrerbildung. Bei der Aufgabe, eine nachhaltige Finanzierung der technischen Ausstattung zu gewährleisten sowie dauerhafte Supportstrukturen zu schaffen, sehen die Expert:innen des Monitor Lehrerbildung Bund und Länder in der Pflicht. Schulen und Hochschulen könnten diese gewaltige Daueraufgabe nicht aus eigener Kraft stemmen. 

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