Gemeinsam gegen Landdegradation

Land gewinnen

Die Ökosysteme der Welt verändern sich dramatisch. Und Landdegradation schreitet immer weiter voran. Was das mit dem Klimawandel zu tun hat und was internationale Initiativen und afrikanische Staaten dagegen tun wollen, zeigen diese Grafiken.

Redaktion
Tobias Moorstedt
Infografik
Ole Häntzschel

Was ist das Problem?

Drei Viertel der Landfläche der Erde haben die Menschen bereits verändert – durch Land- und Forstwirtschaft, Siedlungs- und Bergbau. Die Natur wird immer weiter zurückgedrängt. Es geht dabei nicht nur um die Rodung von Waldflächen. Auch vermeintlich „grüne“ Ackerböden werden durch den Einsatz von Düngern, Pestiziden und künstlicher Bewässerung verändert, werden ausgelaugt und bieten weniger Raum für biologische Vielfalt. Und so sinkt auf die Dauer auch die Nahrungsmittelproduktion.

In der Fachsprache heißt das Landdegradation. Die Folgen können dramatisch sein: weniger Wasser, geringere landwirtschaftliche Produktivität, schwierigere Lebensbedingungen für Mensch und Natur – im schlimmsten Fall bilden sich auf vormals fruchtbaren Böden Wüsten. Der Klimawandel wird durch diese Prozesse einerseits verstärkt. Andererseits beschleunigen Klimawandelfolgen wie ausbleibender Regen und Extremwetterereignisse die Landdegradation weiter. Ein Teufelskreis.

In der Grafik unten sieht man, wie zwischen 1999 und 2013 die „Landproduktivität“ weltweit zurückgegangen ist – damit bezeichnen Fachleute nicht nur den landwirtschaftlichen Ertrag, sondern „die Fähigkeit des Bodens, Leben zu erhalten“. Satellitendaten zeigen, dass auf einem Fünftel der bewirtschafteten Erdoberfläche die Landproduktivität gefährdet oder gar rückläufig ist. Viele der betroffenen Gebiete gehören zu den ärmsten Regionen der Welt. Eine besondere Herausforderung.

Quelle: World Atlas of Desertification

Auf einem Fünftel der Erdoberfläche ist die Landproduktivität rückläufig
Infografik: Weltkarte-Landdegradation

Was tut die internationale Politik?

Im Jahr 1992 wurden die drei Rio-Erklärungen über Umwelt und Entwicklung verabschiedet: das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), über die biologische Vielfalt (CBD) und die Klimarahmenkonvention (UNFCCC). „Land ist das Bindeglied zwischen Biodiversitätsverlust und Klimawandel und stellt einen fruchtbaren Boden für unverzügliche und konkrete Maßnahmen dar, um diese beiden Krisen zu bewältigen“, heißt es etwa im Global Land Outlook der Vereinten Nationen.

In der politischen Praxis wird der Tatsache, dass Landnutzung, biologische Vielfalt und Klimawandel eng zusammenhängen, jedoch bislang wenig Rechnung getragen. Deshalb gibt es Initiativen, die Brücken zwischen den unterschiedlichen Rio-Konventionen bauen wollen. Der „Globale Pakt für die Umwelt“ etwa soll jeden Staat und jede Institution sowie jede natürliche oder juristische Person dazu verpflichten, die Umwelt zu schützen. Auch die „UN-Dekade der Vereinten Nationen zur Wiederherstellung von Ökosystemen“ soll die Umsetzung der Rio-Konventionen beschleunigen.

Bei der Wiederherstellung von Landschaften geht es nicht nur um das Pflanzen von Bäumen, sondern um ganz unterschiedliche Methoden: eine nachhaltige Bewirtschaftung von Feldern und Wäldern, die Begrünung von Dächern in Städten, den Schutz besonders wertvoller Landschaften wie Wäldern, Flussläufen oder Feuchtgebieten. Wenn die Restaurierung gelingt, trägt das zur Widerstandskraft (Resilienz) von Natur und Menschen bei – auch gegenüber Klimawandelfolgen. Zentral ist, dass die Aktivitäten an lokale Bedürfnisse angepasst sind und die Menschen vor Ort entscheiden, was für sie sinnvoll ist und angepackt werden soll.

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Was afrikanische Staaten leisten

In Afrika sind besonders große Flächen von Landdegradation und Wüstenbildung bedroht: Hier kann die Landwirtschaft an vielen Orten, wie z. B. in der Sahelzone, immer weniger Menschen versorgen. Hier ist die Armut am größten. Und hier sind die Folgen des Klimawandels bereits jetzt am deutlichsten spürbar.

Im Rahmen der African Forest Landscape Restoration Initiative AFR100 haben sich deshalb 31 afrikanische Staaten (in der Grafik hellgrün) zum Ziel gesetzt, bis 2030 insgesamt 100 Millionen Hektar Land wiederherzustellen: Sie wollen Wälder aufforsten, Baumpflanzungen in Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft voranbringen – aber auch Ökosysteme wie das Grasland der Savanne oder Mangroven-Wälder in Küstengewässern wieder aufbauen.

AFR100 trägt damit auch zur globalen, von Deutschland initiierten Bonn Challenge bei, die bis 2030 weltweit 350 Millionen Hektar entwaldeter oder erodierter Flächen wiederherstellen will. Die zweite wichtige Initiative auf dem afrikanischen Kontinent ist die Great Green Wall: der Versuch, bis 2030 100 Millionen Hektar degradiertes Land im Sahel wiederherzustellen, um die Ausweitung der Wüste zu stoppen und gleichzeitig CO2 gegen den Klimawandel zu binden. Die teilnehmenden Staaten der Great Green Wall-Initiative sind in dieser Grafik dunkelgrün eingefärbt.

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