Pressemeldung

Individuelle Therapien, präzisere Diagnostik, mehr Patientenbeteiligung: Zehn Jahre Krebsforschung am Bosch Health Campus

  • Krebs wird immer häufiger von einer tödlichen zu einer behandelbaren, oft chronischen Erkrankung. Zu diesem Erfolg trägt seit zehn Jahren das Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) mit innovativen Forschungs- und Therapieansätzen bei. 
  • Auch für die nächsten Jahre sind bereits neue Projekte angestoßen – mit maßgeblicher Förderung durch die Robert Bosch Stiftung.
  • Am 27. Juni gewährt das RBCT im Rahmen des Stuttgarter Wissenschaftsfestivals seltene Einblicke in seine Arbeit.

Stuttgart, 18. Juni 2026 – Neue Therapien schneller zu den Patient:innen bringen, Forschung und Anwendung enger verzahnen und Krebsmedizin weiterdenken: Mit diesem Anspruch haben das Robert Bosch Krankenhaus, die Robert Bosch Stiftung und die Robert Bosch GmbH vor zehn Jahren ein „Bündnis gegen Krebs“ geschlossen. Daraus entstand als zentraler Baustein das Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT), ermöglicht durch zusätzliche Fördermittel der Stiftung und in Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Heute ist daraus ein starkes Netzwerk für Krebsmedizin geworden, das als Teil des Bosch Health Campus (BHC) Forschung, Spitzenmedizin und technologische Innovation zusammenbringt.

„Für Robert Bosch war Gesundheit eine Herzensangelegenheit. Sein Vermächtnis ist für uns bis heute Auftrag und Ansporn zugleich“, sagt Dr. Bernhard Straub, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung GmbH. „Wir erleben derzeit, wie Krebs immer öfter von einer tödlichen zu einer behandelbaren Krankheit wird. Genau zu diesem Wandel wollen wir beitragen. Nach zehn Jahren sehen wir: Die Forschung hier am Bosch Health Campus macht einen echten Unterschied und schenkt vielen Menschen und ihren Familien eine neue, lebenswerte Perspektive.“

Seit 2016 hat die Robert Bosch Stiftung rund 65 Millionen Euro in das RBCT und dessen Krebsforschung investiert und so den Aufbau einer leistungsfähigen Forschungs- und Versorgungsstruktur ermöglicht.

Meilenstein: Ernennung zum Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) SüdWest

Einer der größten Meilensteine der letzten zehn Jahre ist die Ernennung des Bosch Health Campus zum NCT-Standort SüdWest gemeinsam mit der Universität und Uniklinik Tübingen sowie der Universität und Uniklinik Ulm. Damit zählt der Campus zu einem von bundesweit sechs Nationalen Centren für Tumorerkrankungen (NCT), die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert werden. Ziel ist es, Krebsforschung und Spitzenversorgung eng zu verzahnen, damit Patientinnen und Patienten schneller von wissenschaftlichen Erkenntnissen, neuen Diagnose- und Therapieansätzen sowie klinischen Studien profitieren.

Ein besonderer Schwerpunkt des NCT SüdWest liegt auf einer starken Patientenbeteiligung – bereits bei der Entwicklung neuer Forschungsvorhaben. Über den Patientenbeirat am BHC fließen Erfahrungen und Perspektiven Betroffener direkt in die Forschungsarbeit ein und tragen so zur Demokratisierung der Medizin bei.

„Zehn Jahre nach der Gründung des RBCT zeigt sich eindrucksvoll, wie viel durch enge Zusammenarbeit entstehen kann. Medizinische Forschung, die Behandlung unserer Patientinnen und Patienten auf universitärem Niveau sowie technologische Innovation gehen heute Hand in Hand und schaffen neue Perspektiven in der Krebsmedizin“, sagt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus.

Automatisierte Herstellung der CAR-T-Zelltherapie

Prof. Dr. Hans-Georg Kopp, klinischer Leiter des RBCT, und sein Team arbeiten intensiv an der Entwicklung klinischer Studien. Der Schwerpunkt liegt dabei auf zielgerichteten Therapien, die sich gegen bestimmte Mutationen im Krebsgenom richten, sowie Immuntherapien wie der CAR-T-Zelltherapie – eine innovative Behandlungsform, bei der körpereigene Abwehrzellen gezielt gegen Krebs eingesetzt werden. Diese Verfahren kommen insbesondere bei Lungen- und Brustkrebs sowie bei Leukämien und Lymphomen zum Einsatz.

Bereits heute werden Patient:innen im Robert Bosch Krankenhaus mit der CAR-T-Zelltherapie behandelt. Gleichzeitig entwickelt ein Forschungsteam im Projekt „ProCell for Patient“ eine dezentrale und automatisierte Produktionsanlage zur Herstellung von CAR-T-Zellen, um die Behandlung schneller, effizienter und kostengünstiger zu machen. Diese soll in einigen Monaten in Betrieb gehen.

Grundlagenforschung für neue Ansätze

Im Bereich der Grundlagenforschung erkundet der wissenschaftliche Leiter des RBCT, Prof. Dr. Steven Johnsen, mit seinem Team gänzlich neue Ansätze für Krebstherapien. Die Forschenden untersuchen dafür die molekularen Mechanismen der Krebsentstehung und richten ihr Augenmerk dabei auf Zellidentitäten, die durch Umprogrammierung etwa vor Therapieresistenzen schützen können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Bauchspeicheldrüsenkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs und Leukämien.

Personalisierte Krebstherapie voranbringen

Auch das benachbarte Institut für Klinische Pharmakologie am BHC trägt zur immer präziseren Krebsbehandlung bei. Kürzlich ist unter seiner Leitung das EU-Projekt „PGxMTB“ mit Partnern in sechs Ländern gestartet mit dem Ziel, Pharmakogenomik in molekulare Tumorboards mit zu berücksichtigen. So können Krebsmedikamente künftig nicht nur auf bestimmte Eigenschaften eines Tumors abgestimmt werden, sondern auch auf die genetischen Voraussetzungen der einzelnen Patient:innen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie dem Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Bei der Weiterentwicklung der Diagnostik arbeitet das RBCT zudem mit Bosch Healthcare Solutions zusammen: Langfristig soll es im Rahmen der sogenannten Liquid Biopsy möglich sein, einzelne Tumorzellen im Blut zu erfassen und präzise zu charakterisieren. Auch damit kann schneller und besser vorhergesagt werden, welche Therapien bei Patient:innen besonders wirksam sind. 

Forschungs- und Patiententag „Moderne Krebsmedizin entdecken“ am 27. Juni

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des RBCT lädt der Bosch Health Campus im Rahmen des Stuttgarter Wissenschaftsfestivals am 27. Juni von 9:30 Uhr bis 16 Uhr zu einem Forschungs- und Patiententag rund um moderne Krebsmedizin ein. Vorträge, Workshops und Führungen geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen in Forschung und Behandlung.

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Cornelia Varwig, Referentin
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