Die Bildungsadministration ist das zentrale Bindeglied zwischen Bildungspolitik und Bildungspraxis, dennoch sind ihre Strukturen bislang wenig erforscht. Hier setzt das an der Universität Konstanz angesiedelte, explorative Forschungsprojekt REFORM an. Sein Ziel ist es, mehr Transparenz über die bildungsadministrative Formal- und Realstrukturen zu schaffen. International gilt: Wie ein Bildungssystem strukturell organisiert ist, hat großen Einfluss darauf, wie gut es zukünftige Generationen mit hochwertiger Bildung versorgen kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Bildungsverwaltung, sie ist aufgrund ihrer rechtlich-administrativen Verankerung eine Gelenkstelle zwischen politischen Entscheidungsebenen und der konkreten Bildungspraxis.
Trotz ihrer Bedeutung wissen wir bisher jedoch wenig über die tatsächlichen Strukturen der Bildungsadministration. Zwar sind im deutschen, hierarchisch aufgebauten Bildungssystem – vom Ministerium über Verwaltungsebenen (z. B. Schulämter) bis hin zu Schulen – Zuständigkeiten und Abläufe formal in Gesetzen, Verordnungen oder Organigrammen festgelegt. Gleichzeitig wird immer häufiger kritisiert, dass das System in der Praxis dysfunktional, intransparent und durch unklare Zuständigkeiten geprägt ist.
Hier setzt das an der Universität Konstanz angesiedelte und von der Robert Bosch Stiftung geförderte Forschungsprojekt „REFORM – Mapping von Formal- und Realstrukturen der Bildungsadministration“ an. Ausgangspunkt ist eine organisationstheoretische Unterscheidung zwischen
• formalen Strukturen (z. B. Gesetze, Verordnungen, Organigramme) und
• informellen Strukturen (z. B. mündliche Absprachen).
Aufgrund des im Grundgesetz verankerten staatlichen Bildungsauftrags und des damit verbundenen Gebots der Gleichbehandlung tritt im Bildungsbereich, so die Projektthese, eine dritte Strukturebene hinzu: Realstrukturen. Diese umfassen intern formalisierte Abläufe wie Abstimmungsroutinen oder Zuständigkeitsverteilungen, die nach außen hin nicht sichtbar sind und daher informell wirken – innerhalb der Organisation aber klar geregelt und bindend sind. Diese Realstrukturen wurden bislang in der empirischen Bildungsforschung nicht untersucht. Doch genau diese Forschung ist notwendig, um einschätzen zu können, ob und wenn ja inwiefern Strukturen der Bildungsverwaltung funktional oder dysfunktional sind.