Akutstationäre Pflege

„Kompetenzen und Qualifikationen bedarfsorientiert in der akutstationären Versorgung einsetzen“
Universitätsklinikum Münster, Nordrhein-Westfalen

Das Universitätsklinikum Münster verfügt auf fast allen Stationen seiner akutstationären Versorgung über einen – nach eigenen Angaben – „mäßig ausgeprägten“ Qualifikationsmix. Aber trotz manch zusätzlicher Anstrengungen, wie z.B. einem Traineeprogramm für Bachelorabsolventen in der direkten Pflege, liegt die Quote der akademisch ausgebildeten Pflegenden in der direkten Versorgung noch unter einem Prozent. Das soll anders werden.

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) ist ein Maximalversorger mit über 1500 Betten. 2018 wurden rund 62.000 Patienten stationär behandelt. Die UKM-Gruppe ist einer der größten Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in der Region und beschäftigt knapp 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rund 2000 von ihnen arbeiten in der Pflege. Dies sind Personen unterschiedlichster Qualifikationen; die größte Gruppe bildet die Gesundheits- und Krankenpflege mit und ohne Fachweiterbildung. Die flächendeckende Umsetzung eines Qualifikationsmix auf den Stationen ist für die Uniklinik in mehrfacher Hinsicht relevant. Die Schwerpunkte liegen auf der sinnvollen Integration von ausländischen Pflegekräften und Altenpflegenden, aber vor allem von Pflegeassistenten und akademisch ausgebildeten Pflegenden (MSc und BSc). Dazu passend stehen eine eindeutige Beschreibung der Rollenprofile und die planvolle Umsetzung eines patientenorientierten Qualifikationsmix auf dem Programm. Als Pilotstation für das Projekt hat das UKM aufgrund personeller Voraussetzungen und der Komplexität der Patienten die onkologische Station 11 Ost der Medizinischen Klinik A ausgewählt. Deren Behandlungsspektrum umfasst maligne Lymphome, akute Leukämie, Sarkome sowie Stammzell- und Knochenmarktransplantation.

Die ausgewählte Station bringt gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Projektverlauf mit. Um Patienten mit onkologischen Erkrankungen zu versorgen, bedarf es einer hohen Kooperationsfähigkeit und Kompetenz aller Beteiligten aus Pflege, Medizin und weiteren Disziplinen. Der bereits bestehende Qualifikationsmix bietet eine solide Grundlage: Fachkrankenpflegende Onkologie und Palliative Pflege, Gesundheits- und Krankenpflegende mit viel und wenig Berufserfahrung, Bachelorabsolventen mit ausbildungsintegriertem Abschluss und berufsbegleitend absolviertem Studium sowie seit März 2019 ein Masterabsolvent (MSc).

Am Anfang steht ein Konzept, das basierend auf den Bedarfen der Patienten entwickelt wird und unterstützende Maßnahmen einschließt, um das Vorgehen planbar und praktikabel zu machen. In von externen Fachleuten moderierten Workshops nehmen die Teilnehmenden die aktuelle Versorgungssituation und die beteiligten Rollenprofile in den Blick und gleichen sie mit den 360°-Pflege-Profilen ab. Ein Augenmerk liegt auf der sich neu entwickelnden ANP-Rolle und der Erweiterung des Profils Bachelor in klinischer Pflege in engem Austausch mit den fachweitergebildeten Pflegenden und der Gesundheits- und Krankenpflege. Im zweiten Schritt geht es darum, die Trainingsbedarfe zu ermitteln und umzusetzen und die Implementierung vorzubereiten. 

Schritt 3 ist der „Praxistest“, die Umstellung auf den neuen Qualifikationsmix. In den ersten drei Monaten wird das Team durch regelmäßige Besprechungen und (externe) Supervisionen eng begleitet, um Feedback-Schleifen sicherzustellen und Problemfelder direkt anzugehen. Abschließend komplettieren Prozess-, Ergebnis- und Projektevaluation das Vorhaben. Die Erwartungen in Münster sind klar definiert: eine Optimierung der Versorgungssituation und entsprechende Wirkung auf patientenbezogene Outcomes sowie eine Steigerung der Zufriedenheit der Pflegenden. Ein steter und transparenter Informationsfluss ist ebenfalls fest eingeplant. Die begleitete Entwicklung der Rollen und die Teilhabe der Pflegenden stärken das Team und erhöhen die Akzeptanz der unterschiedlichen Qualifikationsniveaus. Nach erfolgreichem Projektabschluss soll die Übertragung auf andere Stationen folgen.

Projektleitung: Nina Kolbe
Die Pflegewissenschaftlerin ist neben Julian Börste verantwortlich für die Projektleitung. Sie ist seit 2017 in der Stabstelle Pflegewissenschaft am UKM. Als ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin hat sie an der Universität Witten/Herdecke ihre pflegewissenschaftliche Laufbahn gestartet und ihren Bachelor- und Master of Science in Nursing erworben. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin, Projektkoordinatorin und Lehrbeauftragte an Hochschulen im In- und Ausland hatte sie die Möglichkeit verschiedenste Bereiche der Wissenschaft und Lehre kennenzulernen. Insbesondere durch ihre Aufenthalte im Rahmen von Stipendien im Ausland sind ihr die Chancen der Integration von akademisch Pflegenden und auch einem gelebten Qualifikationsmix in der Praxis ein Begriff.  

Projektleitung: Julian Börste
Der Gesundheits- und Krankenpfleger für Pflege in der Onkologie (DKG) ist ebenfalls verantwortlich für die Projektleitung. Nach Ausbildung und langjähriger Tätigkeit in der Gesundheits- und Krankenpflege im Bereich der Onkologie/Hämatologie ist er nun pflegerische Leitung der Hämatologisch/Onkologischen Station 11 Ost und der interdisziplinären Onkologischen Tagesklinik. Sein Schwerpunkt der Projektleitung liegt vor allem in der Führung des Teams durch den Veränderungsprozess.   

Projektkoordination: Laura Schiffer
Mit einem Hintergrund in Gesundheits- und Sozialmanagement ist sie verantwortlich für die Projektkoordination. Nach akademischer Ausbildung in den Fachgebieten European Public Health und International Health and Social Management hat sie berufliche Erfahrung in der Verwaltung eines privaten Klinikkonzerns gesammelt. Zuletzt übernahm sie die Organisation und Koordination von internationalen Patienten.

Zentrales Projektteammitglied: Rigo Fangemann
Der examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger ist seit 2008 auf der Ebene 11 Ost tätig und hat 2015 seinen Bachelorabschluss in Pflegewissenschaft an der Hochschule Osnabrück absolviert. Im nächsten Jahr beendet er sein Masterstudium in Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Universität Halle-Wittenberg. Er ist im Rahmen des Projekts maßgeblich verantwortlich für die Rollenentwicklung einer ANP in der Hämatologie und Onkologie. In seiner Rolle übernimmt er in den Workshops eine elementare Rolle und ist zentral an der Analyse der Workshops tätig.  

Pflegeteam der Ebene 11 Ost
Das pflegerische Team der 11 Ost besteht aus Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen Qualifikationen (FWB, Altenpflege, B.Sc etc). Das Team ist für die pflegerische Behandlung und Versorgung der unterschiedlichsten onkologischen und hämatologischen Patienten verantwortlich. Dabei steht die kontinuierliche und individuelle Begleitung der einzelnen Patienten im Rahmen ihrer meist langwierigen Therapie im Vordergrund. Im Projekt übernehmen sie die wohl herausforderndste Rolle: Sie wagen sich in diesen turbulenten Zeiten auf die Reise der Veränderungen und gestallten diese maßgeblich.

„ANP-Teams zu Verbesserung der akutstationären Patientenversorgung“
Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie, Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen

Am Florence-Nightingale-Krankenhaus besteht seit 2010 auf mehreren Stationen das Konzept Advanced Nursing Practice (ANP). Das traditionsreiche Haus geht damit einen innovativen Weg, um die Akutpflege durch den Einsatz von Pflegeexperten APN nachhaltig weiterzuentwickeln. Ergänzend dazu wurde ein ANP-Team Ansatz aufgebaut, doch in manchen Feldern sind die Resultate bisher nicht überzeugend. Daher setzt das Projekt auf einen strukturierten Neustart.

Vor über 180 Jahren gründeten der Gemeindepfarrer Theodor Fliedner und seine Frau Friederike in Kaiserswerth die erste Diakonissenanstalt der Welt, eine Pflegeschule und das Krankenhaus. Mit ihrer Arbeit setzten die Fliedners weltweit Maßstäbe in pädagogischer Arbeit und moderner Krankenpflege. Das heutige Florence-Nightingale-Krankenhaus (FNK), benannt nach der berühmtesten Schülerin Fliedners, vereint Tradition mit hervorragender Medizin und Pflege in zwölf Fachkliniken und fünf Zentren. Es ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Düsseldorf. Auch die professionelle Weiterentwicklung der Pflegefachkräfte hat man im Blick: Interne und externe Fortbildungsprogramme, Fachweiterbildungen, akademische Ausbildungen sowie unterschiedlichste Austauschforen, z.B. eine Pflegewerkstatt, dienen der Qualifizierung. 

Das Konzept einer ANP ist Teil einer tiefgreifenden Organisationsentwicklung und spielt eine wichtige Rolle in der Versorgungspraxis. Dabei spielen Pflegende mit langjähriger Berufserfahrung und einem Studium (Abschluss Master oder Promotion) eine wesentliche (Einzel-) Rolle. Der ANP-Team Ansatz  ist darauf ausgerichtet Pflegende mit oder ohne akademischen Berufsabschluss, Fachweiterbildung und Berufserfahrung miteinzubinden. In der strategischen Gesamtausrichtung des Hauses ist das Vorhaben ein Baustein, um einen zukunftsfähigen Skill- und Grademix zu etablieren und die Pflege in der kooperativen Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen für den Patienten zu verorten. Als zusätzlicher Effekt wird erwartet, dass pflegerische Interventionen sich noch mehr an pflegewissenschaftlichen Gütekriterien orientieren, was zu einer Verbesserung des Patienten-Outcome führt.

Die Pflegeexperten APN sind praxiserfahrene, klinisch spezialisierte Pflegende, die mit einem Masterabschluss oder einer Promotion in der direkten Versorgung arbeiten. Ein ANP-Team besteht aus dem Pflegeexperten APN (Teamleitung) und Pflegefachpersonen mit unterschiedlichen formellen und informellen Zusatzqualifikationen. Ihr Ziel ist es, erweiterte und spezialisierte pflegerische Interventionen im interdisziplinären Versorgungsprozess zu verankern, die einen definierten Versorgungsbedarf von Einzelnen oder Patientengruppen wirksam und nachhaltig abdecken. Die Erfahrungen zeigen, dass dies nicht immer gelang, was teilweise an strukturellen Hürden lag. Außerdem erlebten es die Beteiligten als schwierig, sich in die neue Rolle als Berater und bedarfsorientierter Informationsgeber einzufinden. 

Der strukturierte Neustart von ANP-Teams in der direkten Patientenversorgung erfolgt durch Bildungsangebote und Maßnahmen zur Personalentwicklung. Die Pflegefachpersonen erhalten eine gezielte Förderung ihrer personalen und fachlichen Kompetenzen und sollen so Sicherheit erlangen. Dies geschieht im Modulformat: Modul 1 für die Patientenedukation (Gesprächsführung, Information, Schulung, Beratung), Modul 2 für Supervision und Coaching (Selbstreflektion, Rollenentwicklung) und Modul 3 mit fachlichen Inhalten für jedes Team. Vier Teams wurden ausgewählt: Entlasscoaching von Patienten mit COPD, Patientenedukation bei oraler Antikoagulation, Patienten mit Bronchialkarzinom und Patienten mit Emotionsregulationsstörungen. Der Neustart soll „Schienen" für die Interventionen neu legen und festigen. Es geht auch darum, durch ein strukturiertes Vorgehen Klarheit über den klinischen Karriereweg von Pflegenden zu gewinnen, insbesondere bei den akademisierten Pflegenden. Der ANP-Teamansatz bietet zudem die Chance, unterschiedliche DQR-Stufen einzusetzen; beteiligt sind die DQR-Niveaus 4 bis 7.

Projektleitung

Sebastian Dorgerloh
Krankenpflegeausbildung, Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege. Dipl. Pflegewirt (Pflegemanagement an der EFH Hannover). Assistent Zentrumsleitung, Stabsstelle Pflegeforschung und -entwicklung am Ev. Krankenhaus Bielefeld. Seit 2008 Pflegedirektor und Mitglied der Betriebsleitung am Florence-Nightingale Krankenhaus, Düsseldorf. Lehraufträge an Hoch- und Fachhochschulen, Mitglied in wissenschaftlichen Beiräten.


Projektdurchführung

ANP-Team Orale Antikoagulation, Alexandra Knisch
Als Pflegeexpertin APN leitet sie das ANP-Team Orale Antikoagulation. Als ausgebildete Gesundheits-und Krankenpflegerin arbeitete sie mehrere Jahre in der pflegerischen Versorgungspraxis mit kardiologischen Patienten im Akutsetting. Das Studium der Pflegewissenschaft an der Privaten Universität Witten / Herdecke mit dem Schwerpunkt Akutpflege schloss sie mit einem Master ab. In der Rolle als Pflegeexpertin APN ist sie seit 2010 in der Klinik für Innere Medizin mit Gastroenterologie und Onkologie tätig. 

ANP-Team Emotionsregulation, Holger Schmitte
Der Pflegewissenschaftler ist verantwortlich für die Leitung des ANP-Teams. Nach seinen Ausbildungen zum Krankenpfleger und Fachkrankenpfleger für psychiatrische Pflege absolvierte er ein Studium zum Diplom-Pflegewirt (FH) und konsekutiv zum Master of Science in Pflegewissenschaft. Seit 2010 arbeitet er als Pflegeexperte APN am Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserwerther Diakonie in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

ANP-Team COPD, Elke Keinath
Als Pflegeexpertin APN leitet sie das ANP-Team COPD. Nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester arbeitete sie mit unterschiedlichen Patientengruppen (Urologie, Herz-und Thoraxchirurgie, Pneumologie) in der pflegerischen Versorgungspraxis sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien. Parallel hierzu absolvierte sie ein Bachelorstudium (BSc. Hons. „Nurse Practitioner“) und ein Masterstudium (MSc. „Pflegewissenschaft“). Seit 2010 ist sie als Pflegeexpertin APN im Florence-Nightingale-Krankenhaus angestellt.

ANP-Team Bronchialkarcinom, Thomas Tayar
Der Pflegeexperte APN mit dem Schwerpunkt Onkologie leitet das ANP-Team Bronchialkarzinom. Nach der Ausbildung zum Krankenpfleger und einer anschließenden onkologischen Fachweiterbildung folgte ein Bachelorstudiengang Gesundheits- und Pflegemanagement. Derzeit absolviert er den Masterstudiengang Pflege – APN an der University of applied Sciences in Frankfurt / Main. Seit 2014 ist er Pflegeexperte APN in der Klinik für Pneumologie.

„Qualifikationsmix in der Akutpsychiatrie“
LWL-Klinikum Gütersloh, Nordrhein-Westfalen

Die explizite Durchführung psychotherapeutischer Tätigkeiten gehört – im Gegensatz zu angloamerikanischen oder skandinavischen Ländern – bisher nicht zu den Aufgaben der psychiatrischen Pflege in Deutschland. Im internationalen Vergleich besteht Nachholbedarf bei der Erweiterung, Vertiefung und Beforschung psychotherapeutischer Interventionen durch Pflegende in der Psychiatrie. In Gütersloh nimmt man sich des Themas an.

Das LWL-Klinikum Gütersloh ist eine Einrichtung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) und gehört zu einem Psychiatrieverbund, in dem rund 8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jährlich über 140.000 Menschen in mehr als 100 Einrichtungen behandeln und betreuen. Die seit 1919 bestehende Klinik ist Kooperationspartner der Universität Bielefeld und verfügt über 338 stationäre Betten und 91 Tagesklinikplätze. Sie ist angehendes Lehrkrankenhaus der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld und trägt dem steigenden Bedarf an evidenzbasierten psychosozialen und psychotherapeutischen Leistungen Rechnung. Dafür wird ein großer Teil der Mitarbeiter geschult („Psychotherapeutisierung der Klinik"). 

Der Träger sieht – nicht zuletzt wegen des Fachkraftmangels – eine wichtige strategische Aufgabe darin, sich durch attraktive Tätigkeitsfelder in der Pflege zu profilieren. Die Klinik entsendet seit Jahren Pflegende zum Studium und kann bis zur Habilitation alle Qualifikationsstufen in der Pflege vorweisen. Aber der passende quantitative Umfang und die inhaltliche Tiefe eines wirksamen Qualifikationsmix in der Psychiatrie müssen noch gefunden werden.

Bislang obliegt nicht nur die Indikationsstellung, sondern auch die Durchführung sämtlicher psychotherapeutischer Interventionen Ärzten oder Psychologen. Andere Berufsgruppen (Pflege und Sozialdienst) kommen nicht vor. Nun sollen drei bis fünf psychiatrische Pflegende mit akademischem Abschluss (Krankenpflegeausbildung plus Bachelorstudium „Psychiatrische Pflege" oder „Pflegewissenschaft") darin geschult werden, evidenzbasierte verhaltenstherapeutische Interventionen mit niedrigschwelligem Charakter durchzuführen. Um die Effekte gut evaluieren zu können, sind die akademischen Pflegenden einer akutpsychiatrischen Fokusstation zugeordnet. Es geht darum, die Versorgungslage stationärer Patienten mit schweren psychischen Störungen durch die niedrigschwellige, leitliniengerechte Behandlung deutlich zu verbessern. Gleichzeitig ist das Vorhaben ein Beispiel für neue „Karrieremodelle am Bett“. Bei Erfolg ist die Ausweitung auf 16 Kliniken im Psychiatrieverbund des LWL denkbar.

Die fachgerechte Anwendung und Weiterentwicklung der Interventionen in Verantwortung der akademisierten Pflegenden bringt Veränderungen für das Pflegeteam und das interdisziplinäre Team. Durch die gemeinsame Aufgabenstellung der Pflegenden und durch die thematische Nähe zu den Psychologen entsteht ein übergreifendes Verständnis. Ziel ist es, die therapeutischen Inhalte langfristig gewinnbringend in interprofessionelle Lernprozesse zu integrieren. Das Projekt dient der Erweiterung pflegerischer Qualifikationen in der direkten Arbeit mit Patienten, was laut mehrerer Studien deren Genesung fördern und damit die Therapieeffizienz klar erhöhen kann. 

Die akademisierten Pflegenden erhalten eine 14-tägige Ausbildung in Adherence- und supportiver Psychotherapie sowie einen Vier-Tageskurs in Selbsterfahrung. Um das gesamte Team in die Entwicklung einzubinden, werden über die gesamte Laufzeit Supervisionstermine angeboten. Supervision und Evaluation erfolgen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. Das Projekt ist als praxisorientiertes Forschungsnetzwerk organisiert und stellt somit für die nächsten Jahre einen von der Leitung getragenen strategischen und kooperativen Arbeits- und Forschungsschwerpunkt dar.

Prof. Dr. rer. medic. habil. Michael Schulz, Projektleitung, Michael Schulz ist als Pflegewissenschaftler verantwortlich für das Projekt. Der ausgebildete Krankenpfleger hat seit 2001 verschiedenste wissenschaftliche Projekte in der Psychiatrischen Pflege durchgeführt. 2011 wurde er zum ersten Professor für Psychiatrische Pflege in Deutschland ernannt. Dort ist er bis heute als Honorarprofessor tätig. Zudem habilitierte er sich an der medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle/ Wittenberg. Beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe ist er sowohl im LWL-Klinikum Gütersloh als auch im Krankenhausdezernat tätig.
https://www.lwl-klinik-guetersloh.de/de/klinikentwicklung-forschung/skf-team/

Prof. Dr. rer. medic. Michael Löhr, Projektleitung, ist als Pflegewissenschaftler gemeinsam mit Michael Schulz verantwortlich für das Projekt. Der ausgebildete Krankenpfleger studierte an der FH Osnabrück und promovierte an Martin-Luther-Universität in Halle/Saale. Er ist Autor von zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen, Buchbeiträgen und Mitherausgeber der Zeitschrift Psychiatrische Pflege. Von 2013-2018 war er Professor für Psychiatrische Pflege an der FH der Diakonie, wo er zuletzt auch Studiengangsleiter war und heute noch als Honorarprofessor tätig ist. Seit 2018 arbeitet im Landschaftsverband Westfalen-Lippe und ist sowohl im LWL-Klinikum Gütersloh als auch im Krankenhausdezernat tätig.
https://www.lwl-klinik-guetersloh.de/de/klinikentwicklung-forschung/skf-team/

Sonja Rötter: Ausbildung zur examinierten Krankenschwester im LWL Klinikum 1981, seitdem im Klinikum tätig. Zunächst auf der akutpsychiatrischen Aufnahmestation, ab 1987 auf der offen geführten psychiatrischen Aufnahmestation. Dort seit 1990 als stellvertretende Stationsleitung und seit 2017 als Stationsleitung auf der akutpsychiatrischen Aufnahmestation tätig. Ein Schwerpunkt hier ist die konzeptionelle Weiterentwicklung der Station.

„Dem Patienten zugewandt – Qualifikationsmix in der akutstationären Pflege“
Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH, Stuttgart, Baden-Württemberg

Um den vielfältigen und unterschiedlich komplexen Anforderungen der Pflegepraxis im Krankenhaus gerecht zu werden, hat sich das Robert- Bosch- Krankenhaus in Stuttgart auf den Weg gemacht, neben grundständigen Pflegeausbildungen am eigenen Bildungszentrum vermehrt akademische Pflegeausbildungen in Kooperation mit der DHBW anzubieten. Dadurch wird bereits ein wesentlicher Beitrag zum Qualifikationsmix in der Pflege zur Verbesserung des Versorgungsprozesses geleistet.

Das Robert-Bosch-Krankenhaus  als eines von sieben Einrichtungen der Robert Bosch Stiftung verfügt heute über 1000 Betten an drei Standorten mit 2700 Mitarbeitenden. Jährlich werden über 44.000 Patienten in einer Vielzahl von Kompetenzzentren behandelt. In der Pflege gibt es etwa 1000 Vollzeitstellen. Das RBK zählt zu den wenigen nicht universitären Kliniken in Deutschland, die einen Forschungsauftrag erfüllen. Jede bettenführende Abteilung verfügt über eine duale Abteilungsleitung, die sich aus einer ärztlichen und einer pflegerischen Leitung zusammensetzt. Neben der Umsetzung einer Hochleistungsmedizin gilt ein weiterer Schwerpunkt im RBK der medizinischen Grundlagen- und Versorgungsforschung.

Um dem Anspruch einer bedarfsorientierten, qualitativ hochwertigen Versorgung der zunehmend hochaltrigen und multimorbiden sowie chronisch erkrankter Patienten gerecht zu werden, bedarf es innovativer Pflegekonzepte im multiprofessionellen Team.
Daraus ableitend wurden zwei Patientengruppen mit hohem Handlungsbedarf im Versorgungsprozess identifiziert mit dem Ziel, durch eine systematische und bedarfsgerechte Patientenversorgung sowohl die Patienten- als auch die Angehörigenzufriedenheit zu verbessern. Darüber hinaus soll die Pflegefachlichkeit durch Verankerung evidenzbasierten Wissens im Arbeitsalltag verbessert werden sowie zur Prozessverbesserung hinsichtlich des Behandlungsergebnisses interprofessionell beitragen.  

Die im Projekt berücksichtigten Patientengruppen sind zum einen chronisch-nephrologische und zum anderen delirgefährdete Patienten.
Schwerpunkte zur Verbesserung des Behandlungserfolgs chronisch-nephrologischer Patienten sind neben einer systematischen Pflegebedarfserhebung als Grundlage eines individuell abgestimmten Pflegeprozesses die Entwicklung edukativer Konzepte sowohl für Patienten als auch für Angehörige. 
Schwerpunkt im Teilprojekt zur Delirprävention ist die Identifikation delirgefährdeter Patienten durch entsprechende Analyseverfahren. Neben umfangreichen Schulungen der Mitarbeitenden, Anwendung systematischer Screeningverfahren sowie eine Auswahl präventiver und/ oder Delir reduzierender Maßnahmen stellt die Patienten- und Angehörigenberatung einen weiteren Schwerpunkt dar.

Um den komplexen Anforderungen in den oben genannten Teilprojekten zu entsprechen, werden Pflegende  entsprechend ihrer Qualifikation und Kompetenzen zielgerichtet sowohl in die Projektaufgaben als auch in die direkte Patientenversorgung eingebunden. Hierdurch werden neben einer verbesserten Versorgungsqualität auch Karriereentwicklungs-möglichkeiten für Pflegende in der Praxis als bedeutende Maßnahme der Personalakquise und -bindung aufgezeigt.

Robert Jeske, MBA
Herr Jeske ist als Pflegedirektor verantwortlich für die Projektleitung. Neben einer Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger absolvierte er berufsbegleitend Studiengänge zum Diplom-Pflegewirt (FH) sowie  als Master of Business Administration (MBA). Seit 2018 ist er als Pflegedirektor am Robert-Bosch-Krankenhaus tätig, zuvor arbeitete er in gleicher Funktion am Klinikum Rechts der Isar der TU München. 

Franziska Bach, B.A.
Frau Bach ist im Rahmen eines Trainee Programmes seit 2019 in der Pflegedirektion am Robert-Bosch-Krankenhaus und seit Juli 2019 für die Projektkoordination zuständig. Nach einem Gesundheits- und Krankenpflegeexamen 2017 folgte der Berufseinstieg in der Anästhesiepflege. Begleitend absolvierte sie ein ausbildungsintegriertes Bachelorstudium in Pflege an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. 

Stefanie Schiz, B.A.
Frau Schiz ist als klinische Pflegeexpertin verantwortlich für die Teilprojektleitung in der Nephrologie. Nach langjähriger Tätigkeit im Handlungsfeld nephrologischer Pflege absolvierte sie den Bachelorstudiengang Pflegepädagogik an der Katholischen Hochschule in Freiburg. Als Pflegepädagogin lehrt sie im dualen Studiengang „Angewandte Gesundheitswissenschaften“ und ist seit Oktober 2018 im Bereich  der Praxisentwicklung tätig.

Marita Schmidt, M.A., M.A., BScN
Frau Schmidt ist seit Januar 2019 als Pflegeexpertin (Advanced Practice Nurse) für das Teilprojekt Delirprävention verantwortlich. Durch ihr 2017 abgeschlossenes Masterstudium zur Multiprofessionellen Versorgung von Menschen mit Demenz an der Universität Witten/ Herdecke  sowie ihrer langjährigen Erfahrungen im Pflegemanagement bringt sie ihre Expertise nun gezielt in eine erweiterte patientenzentrierte Pflegeentwicklung ein.  

Eva-Verena Lindenau, M.Sc. 
Frau Lindenau unterstützt als Pflegewissenschaftlerin das Projekt bei der Digitalisierung der Pflegeprozesse. Seit 2016 ist sie in der Pflegedirektion tätig. Neben der Einführung und Weiterentwicklung der digitalen Pflegedokumentation ist sie auch für die Integration der Bachelor Studierenden in die Pflegepraxis zuständig. Ihr Masterstudium in Pflegewissenschaft absolvierte sie an der Universität Witten/Herdecke im Jahr 2015.

Stationäre Langzeitpflege

„Qualifikationsmix in der stationären Langzeitpflege“
Johanniter Seniorenhäuser GmbH, Regionalzentren Nord und West, Nordrhein-Westfalen und Bremen

Bisher ist die Einsatzquote akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen unmittelbar in den Pflege- und Wohnbereichen der Johanniter Seniorenhäuser GmbH sehr niedrig. Das soll sich ändern. Der Projektträger definiert das Vorhaben ausdrücklich sowohl als (personal)strategische als auch als pflegefachliche Entscheidung, die nach den erfolgreichen Piloten in Münster und Bremen perspektivisch auf alle eigenen Häuser übertragen wird.

Die Johanniter Seniorenhäuser GmbH mit ihren Tochtergesellschaften ist der größte freigemeinnützige Anbieter der stationären Langzeitpflege in Deutschland. In 94 Einrichtungen und zwei stationären Hospizen leben rund 7000 Menschen. Der Verbund versteht sich als moderner christlicher Anbieter für stationäre Altenpflege unter dem Motto „Mehr an Zuwendung“. Gleichzeitig sehen die Verantwortlichen die dringende Notwendigkeit, die Professionalisierung der Pflegeberufe in den eigenen Häusern konsequent voranzutreiben. Denn viele Herausforderungen müssen bei laufendem Versorgungsalltag und einem im Vergleich zu anderen Sektoren hohen Anteil angelernter Kräfte bewältigt werden. Dazu gehören z.B. komplexere Prozesse oder die Umsetzung neuer Erkenntnisse aus der Pflegewissenschaft. Auch der edukativen Begleitung der Pflegebedürftigen, ihrer Angehörigen und Betreuer kommt in der Altenpflege immer mehr Bedeutung zu. Ebenfalls ein Thema ist die Selbstbestimmung der langzeit-pflegebedürftigen Personen auch bei eingeschränkter oder verlorengegangener Einwilligungsfähigkeit. Die Motivation für das Projekt fußt in dem Ziel, durch pflegewissenschaftlich begründete Angebote und Interventionen den pflegebedürftigen Personen ein höchst mögliches Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität zu sichern. Außerdem setzt der Träger künftig ausschließlich auf die generalistische Ausbildung in den Pflegeberufen und sieht in der Erweiterung des Qualifikationsmix eine herausragende personalstrategische Komponente. Die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Pflege soll sowohl für die bereits Tätigen als auch für neue Mitarbeitende kontinuierlich erhöht werden.

Das 360°-Pflege-Vorhaben ist modellhaft in zwei Einrichtungen der stationären Langzeitpflege angesiedelt. Die Häuser in Münster und Bremen werden in einem partizipativen Vorgehen konkrete Handlungsfelder und Verantwortlichkeiten für in den Wohnbereichen tätige akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen identifizieren und beschreiben. So will man herausfinden, welche Aufgabengebiete akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen übernehmen können. Dazu gehören u.a. 

  • initiale Informationssammlung, pflegerische Diagnosestellung und Risikobewertung zu Beginn des pflegerischen Auftrags
  • Eingewöhnungsphase auswerten
  • Pflegevisiten bei komplexen Pflegesituationen
  • gutachterliche Visitationen vorbereiten und begleiten
  • edukative Angebote für pflegebedürftige Personen und deren Vertreter/Angehörige
  • ethische Fallgespräche mit interprofessioneller Zusammensetzung führen
  • Verantwortung für die Koordination der praktischen Ausbildung in den Einrichtungen
  • Gesprächsbegleitung zur Umsetzung des §132g SGB V nach den internationalen Standards des Advance Care Planning.
     

Auf dieser Basis folgt im zweiten Schritt eine einjährige Erprobungsphase. Entsprechend qualifizierte Mitarbeiter werden intern gefunden oder von außen gewonnen, um sowohl den pflegebedürftigen Personen als auch den Pflegeteams ergänzendes fachliches und methodisches Wissen an die Hand zu geben. Danach erfolgt die Auswertung der Ergebnisse. Als Gesamtergebnis des Projekts entsteht für die eigenen Einrichtungen und die Fachöffentlichkeit ein Handlungsleitfaden, um die Umsetzung des erweiterten Qualifikationsmix in der stationären Langzeitpflege in die Breite zu tragen und zu verstetigen. Dementsprechend haben Marketing und Kommunikation rund um das Vorhaben einen hohen Stellenwert. Während des gesamten Verlaufs besteht eine Kooperation mit der pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar sowie der Johanniter Schwesternschaft, die ein eigenes Mitglied in den Lenkungskreis entsendet. In den beiden Piloteinrichtungen gibt es jeweils ein verantwortliches Projektteam.

Vorsitzender des Lenkungskreises ist Herr Horst Molenaar, Geschäftsführer der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, Finckensteinallee 111, 12205 Berlin horst.molenaar@jose.johanniter.de +49 (0) 30 230 9970 - 408

Verantwortliche Projektleitung ist Herr Georg Hammann, Leitender Handlungsbevoll-mächtigter der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, Siegburger Str. 197, 50679 Köln
georg.hammann@jose.johanniter.de +49 (0) 173 5762797 

Verantwortliche Projektdurchführung in Münster ist Frau Christiane Schiedel, Leiterin der Einrichtung Johanniter-Stift Münster, Weißenburgstr. 48, 48151 Münster, christiane.schiedel@jose.johanniter.de +49 (0) 251 703597 – 630

Verantwortliche Projektdurchführung in Bremen ist Frau Claudia Kewitz-Schubert, Leiterin der Einrichtung Johanniterhaus Bremen, Seiffertstr. 95, 28359 Bremen
claudia.kewitz-schubert@jose.johanniter.de, +49 (0) 421 2040 - 563

Rehabilitationspflege

„Qualifikationsmix Rehabilitationspflege im Paul-Lechler-Krankenhaus“
Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus gGmbH, Tübingen, Baden-Württemberg

Multiprofessionelle Versorgungskonzepte zeigen deutliche Erfolge im Bereich der Alterstraumatologie, so das Ergebnis von Studien. Im Projekt „Qualifikationsmix Rehabilitationspflege im Paul-Lechler-Krankenhaus“ legt man daher den Fokus darauf, pflegerische Expertise stärker in die stationäre Versorgung einzubinden und insbesondere die geriatrische Frührehabilitation im Sinne der Patienten zu stärken. Akademisch ausgebildete Pflegekräfte haben hierbei eine Schlüsselfunktion.

Seit 1994 ist die Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus (TPLK) Mitglied im Geriatrischen Zentrum des Universitätsklinikums Tübingen. Seit 2004 ist sie im Bundesverband Geriatrie organisiert. Mit dem Alterstraumatologischen Zentrum der Berufsgenossenschaftlichen (BG) Unfallklinik Tübingen besteht eine Kooperation. Seit 2015 trägt die Klinik das Geriatriesiegel des Bundesverbands Geriatrie. Die Behandlung von akuten Erkrankungen wird je nach Diagnose möglichst mit einer frührehabilitativen Therapie verbunden. Den individuellen Reha-Therapie-Plan erstellt das multiprofessionelle Klinikteam. Eine hohe Anzahl der Pflegekräfte hat eine geriatriespezifische Zusatzqualifikation. Pflegefachkräfte mit einem berufsqualifizierenden Studiengang gibt es, jedoch fehlen bisher Konzepte, diese gezielt, systematisch und ihrer Qualifikation entsprechend in die Praxis einzubinden. Die steigende Anzahl hochaltriger, multimorbider und chronisch kranker Patienten bringen immer komplexere Pflegehandlungen mit sich, die eine große Expertise aus wissenschaftlicher Sicht wie aus Erfahrungswerten verlangt. Auf einer von fünf Stationen wird das Paul-Lechler-Krankenhaus den Qualifikationsmix in der geriatrischen Frührehabilitation beispielhaft angehen und dabei insbesondere akademisch ausgebildete Fachkräfte einbeziehen.

Die akademisch ausgebildeten Pflegefachkräfte werden, gemeinsam mit Pflegeexperten (dreijährig examinierte Pflegefachkräfte mit Fachweiterbildung oder Kontaktstudium), für die Steuerung der geriatrischen Komplexbehandlung (GKB) verantwortlich sein. Die Patienten erhalten so eine pflegerisch geleitete Fallsteuerung unter besonderer Berücksichtigung der prä- und poststationären Versorgung. Ziele dabei sind eine verbesserte Versorgung im stationären und im interdisziplinären Team, Entlastung bei zusätzlichen Pflegetätigkeiten und eine kriteriengeleitete Auswahl der Patienten aus pflegerischer Perspektive. Die akademischen Fachkräfte führen geriatrische Assessments durch, definieren Pflegeziele und strukturieren eine Kurzvisite über alle Berufsgruppen hinweg. Sie tragen die Verantwortung für die Weiterentwicklung der Aktivierenden-Therapeutischen Pflege (ATP) und deren Umsetzung im Pflegeteam. Regelmäßig und bei spontanem Bedarf bieten sie Kurzfortbildungen in der „Überlappungszeit" der beiden Schichten an, um ausgewählte Themen der Geriatrie praxisnah zu bearbeiten. Zu den weiteren Aufgaben gehören Angehörigenberatung und -schulung, das Schnittstellenmanagement in die überleitende Versorgung (in Abstimmung mit Pflege- und Sozialberatung) und die Praxisanleitung für Bachelorstudierende des Pflegestudiengangs Tübingen-Esslingen. 

Im gesamten Haus herrschen flache Hierarchien, was Veränderungsprozesse begünstigt. Die bestehende Kommunikationsmatrix zwischen den Pflegehelfern und der dreijährigen examinierten Fachkraft wird in Bezug auf die akademischen Fachkräfte erweitert und überarbeitet, ohne dass neue Hierarchien entstehen.

Multiprofessionelles Arbeiten hat an der TPLK eine lange Tradition. Auch kann auf langjährige Erfahrung in der intersektoralen Betreuung von Patienten und deren Angehörigen sowie der interprofessionellen Zusammenarbeit „auf Augenhöhe" durch den angegliederten ambulanten Palliative Care Dienst „Tübingen Projekt“ zurückgegriffen werden. Projekterfahrung besteht unter anderem durch die Projekte „Implementierung eines segregativen Bereichs für Patient*Innen mit Nebendiagnose Demenz“ (2017-2020) und „Begleitete Entlassung – Brücke zwischen Krankenhaus und häuslicher Pflege (2015-2017, 2017-2019; Förderung durch das Sozialministerium Baden-Württemberg). Auf den Strukturen dieser Projekte baut der Qualifikationsmix Rehabilitationspflege im Paul-Lechler-Krankenhaus weiter auf. 

Dorothee Müller B.A.
ist die Projektleitung und übernimmt als akademische Pflegefachkraft auch die pflegerisch geleitete Fallsteuerung der Geriatrischen Komplexbehandlung (GKB). Nach der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und mehrjähriger Berufserfahrung in der stationären sowie in der ambulanten Pflege hat sie 2013 das Studium in Pflege- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen abgeschlossen. Seit Oktober 2013 arbeitet sie im Pflegedienst der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus (TPLK). 

Samuel Hahn
ist verantwortlich für die Projektkoordination und -durchführung. Nach einer integrativen Pflegeausbildung mit den Abschlüssen Gesundheits- und Krankenpflege sowie Altenpflege und mehrjähriger Tätigkeit im IMC Bereich, studiert er seit 2017 Pflegemanagement an der Hochschule Esslingen, welches er voraussichtlich im Sommer 2020 abschließen wird. Seit Oktober 2019 ist er als pflegewissenschaftlicher Mitarbeiter an der TPLK angestellt.  

Dipl. Pflegewirt Sven Braun 
ist als Pflegedirektor Mitglied in der Steuerungsgruppe. Nach Ausbildung und mehrjähriger Tätigkeit in der Gesundheits- und Krankenpflege und stv. Stationsleitung in der neurologischen Rehabilitationspflege, studierte er Pflegemanagement an der Hochschule Esslingen und schloss 2005 mit einem Diplom ab. Er absolvierte eine Weiterbildung zum Qualitätsmanager beim Diakonischen Institut und ein Kontaktstudium Geriatrie/Gerontologie an der DHBW. Seit 2008 leitet er als Pflegedirektor den Pflegedienst der TPLK.

Regina Stolz M.A.
ist als Leitung der Stabsstelle Qualitätsentwicklung der Pflege der TPLK Mitglied der Steuerungsgruppe und verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung des Projektverlaufs. Nach langjähriger Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin an der TPLK mit Zusatzqualifikationen in Palliative-Care und Pain Nurse, schloss sie 2010 das Studium M.A. Pflegewissenschaft an der Hochschule Esslingen ab. Auch ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung des Universitätsklinikums Tübingen.