Wir fördern seit 2018 Forschungsvorhaben. Sie beschäftigen sich mit datengestützter Schulentwicklung; Kooperationsaktivitäten im Kollegium und ihrem Einfluss auf die Innovationskraft einer Schule; Merkmalen positiver pädagogischer Beziehungen und den Bedingungen für wirksamen individualisierten Unterricht in heterogenen Lerngruppen.
Derzeit fördern wir drei Projekte im Rahmen des Forschungsprogramms.
Landesinstitute als Knotenpunkte für fachdidaktischen Wissenstransfer und Innovationsdiffusion?
Der Weg von der Forschung in die Unterrichtspraxis ist lang. Lehrkräfte erhalten nach wie vor zu selten praxisnahe und anschlussfähige Fortbildungsangebote, und fachdidaktische Forschung entfaltet im Unterrichtsalltag häufig nur geringe Wirkung. Landesinstitute und Qualitätseinrichtungen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie gestalten die Lehrerfortbildung maßgeblich mit und verfügen über unmittelbaren Zugang zu Schulen. Dennoch ist ihre Bedeutung im Wissenstransfer bislang kaum untersucht. Hier setzt das Projekt an und verfolgt einen partizipativen, praxisgeleiteten Forschungsansatz. Ziel ist es, gemeinsam mit Landesinstituten, Hochschulen und Schulen eine Professional Learning Community aufzubauen. In Form von Feldforschung und jährlichen Vernetzungstreffen werden bestehende Transferprozesse analysiert, Bedarfe erfasst und darauf aufbauend ein skalierbares, digital gestütztes Fortbildungskonzept als Referenzdesign entwickelt. Im Mittelpunkt steht ein hochaktuelles Fallbeispiel: die Einführung neuer mündlicher Aufgaben- und Prüfungsformate im Kontext von Digitalität und KI. Ausgangspunkt ist der Fremdsprachenunterricht, doch die gewonnenen Erkenntnisse sollen über das einzelne Fach hinaus Impulse für eine zukunftsfähige, wirksame Fortbildungskultur geben.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Prof. Dr. Philipp Siepmann, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Laufzeit: 2025 – 2029
Plurale Evidenzverständnisse in Landesinstituten und Qualitätseinrichtungen: eine ko-konstruktive Anamnese (PELiQAn)
Was verstehen Landesinstitute (Li) und Qualitätseinrichtungen (Qe) unter dem Begriff Evidenz, wie erschließen sie diese und wie bereiten sie sie für die Praxis auf? Diesen Fragen geht das Projekt zunächst empirisch nach. Auf dieser Grundlage soll anschließend – unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Evidenzverständnisse in den Li und Qe sowie in der Bildungsforschung – ein ko‑konstruktives Evidenzverständnis entwickelt werden, das sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch praktische Anforderungen an den Transfer von Evidenz integriert. Im Rahmen dieses ko‑konstruktiven Prozesses soll möglichst weitgehende Einigkeit darüber entstehen, welche Evidenz für die Praxis relevant ist, welche Funktionen und Wirkungen sie entfalten kann und wie sie aufzubereiten und zu kommunizieren ist. Letztlich soll das Projekt dazu beitragen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis besser genutzt und wirksamer umgesetzt werden.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Bergische Universität Wuppertal
Dr. Vanessa Pieper, Bergische Universität Wuppertal
Dr. Michael Rochnia, Bergische Universität Wuppertal
Laufzeit: 2025 bis 2029
EULe - Erfolgreich Unterrichten mit Lernverlaufsdiagnostik
Lernverlaufsdiagnostik (LVD) bietet eine Grundlage für den adaptiven Unterricht und datenbasierte Förderkonzepte für die gesamte Schule. Damit die nachhaltige Implementation einer LVD an Schulen umgesetzt werden kann, sind beispielsweise entsprechende Kompetenzen auf Seiten der Lehrkräfte sowie Strukturen auf Seiten der Schulen erforderlich. Hier setzt das Projekt EULe an. Das Projekt unterstützt Schulen individuell bei der Implementierung und Verknüpfung von LVD und präventiven Förderkonzepten unter Berücksichtigung der schulischen Ressourcen. Dabei werden Erkenntnisse über Gelingensbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung von LVD und die Verknüpfung mit Förderkonzepten generiert.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Dr. Michael Schurig, Technische Universität Dortmund
Prof. Dr. Janin Brandenburg, Technische Universität Dortmund
Prof. Dr. Jan Kuhl, Technische Universität Dortmund
Prof. Dr. Olga Kunina-Habenicht, Technische Universität Dortmund
Dr. Anke Hußmann, Technische Universität Dortmund
Dr. Sarah Schulze, Technische Universität Dortmund
Laufzeit: 2023 bis 2026
BASiS - Beziehungsgestaltung, Autonomie und Soziale Eingebundenheit in der Schule
Gute Schulen entwickeln Schul- und Unterrichtsqualität maßgeblich durch die Gestaltung positiver pädagogischer Beziehungen zwischen Lernenden, Lehrkräften und Eltern. Welche Merkmale dieser Beziehungen fördern das emotional-motivationale Befinden und den Lernerfolg der Kinder und Jugendlichen? Wie kann die Zufriedenheit der Eltern mit der Schule gesteigert werden? Welche Rolle spielen positive pädagogische Beziehungen für die Motivation und Gesundheit der Lehrkräfte? Das Projekt untersucht diese Fragen an Preisträgerschulen sowie an Schulen, die sich für den Deutschen Schulpreis beworben haben.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Prof. Dr. Michaela Gläser-Zikuda, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Katrin Lohmann, Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Susanne Schwab, Universität Wien
Dr. Stefan Markus, Bergische Universität Wuppertal
Laufzeit: 2020 bis 2023
Schule entwickeln mit „Data Richness“
„Data Richness“ bedeutet, dass eine Schule über viele unterschiedliche Daten verfügt und diese wirkungsvoll für ihre Schulentwicklung nutzt. Dies umfasst die Fähigkeit, Daten z.B. aus eigenen Leistungstests und Fragebogenerhebungen, aus Schulstatistik und Unterrichtshospitationen sowie aus externen Evaluationen zu verstehen und in ihrer Aussagekraft einzuschätzen. Aus der deutschsprachigen Forschung wissen wir, dass es vielen Schulen schwerfällt, eine solche „Data Richness“ aufzubauen. In dem Projekt wird erforscht, wie Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises Daten für ihre Schulentwicklung nutzen, welche organisationalen Rahmenbedingungen dafür entscheidend sind, und wie Schulen insgesamt beim Aufbau von „Data Richness“ unterstützt werden können.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen:
Prof. Dr. Esther Dominique Klein, Technische Universität Dortmund
Dr. Jenny Tränkmann, Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) Hamburg
Prof. Dr. Isabell van Ackeren, Universität Duisburg-Essen
Laufzeit: 2020 bis 2022
Ada*Q - Adaptivität und Unterrichtsqualität im individualisierten Unterricht
Den unterschiedlichen Bedürfnissen von Schüler:innen gerecht zu werden und ihnen allen optimale Lernerfolge zu ermöglichen, ist eine der zentralen Herausforderungen des Schulwesens. Wie können Schulen sie meistern? Wie wird individualisierter Unterricht in der Grundschule an den Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises gestaltet und umgesetzt? Durch die Forschung sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden, unter welchen Voraussetzungen Konzepte der Differenzierung und Individualisierung tatsächlich wirksam sind, um den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen von Schülern in heterogenen Lerngruppen gerecht werden zu können.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Prof. Dr. Jasmin Decristan, Bergische Universität Wuppertal
Prof. Dr. Hanna Dumont, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
Prof. Dr. Benjamin Fauth, Universität Tübingen
Laufzeit: 2018 bis 2022
- Flyer (PDF)
- Ohl, S. & Dumont, H. (2024). Soziale Eingebundenheit im individualisierten Unterricht: Eine Experience-Sampling Studie.
- Dumont, H., Decristan, J., & Fauth, B. (2024). Adaptiver Unterricht erfordert eine adaptive Unterrichtsforschung. Unterrichtswissenschaft, 52(2), 199-211
- Ohl, S., Decristan, J., Fauth, B. & Dumont, H. (2025). Gemeinschaft trotz Individualisierung? Der Zusammenhang des Gemeinschaftsgefühls mit Unterrichtsqualität und individualisierter Unterrichtsgestaltung in heterogenen Lerngruppen.
CoMMIT - Kooperation an Schulen - Innovation im Team
Voneinander lernen - dieses Motto gilt nicht nur für Schüler:innen, sondern auch für Lehrkräfte. Durch Kooperationen im Kollegium können Arbeitsprozesse vereinfacht und neue Ideen entwickelt werden. Welchen Einfluss haben Kooperationen auf die Schulentwicklung und die Innovationskraft einer Schule? Wie unterscheiden sich die Schulen in ihren Kooperationsaktivitäten? Und wie können erfolgreiche Ansätze in die Breite getragen werden? Bisher gibt es kaum empirische Befunde über den Zusammenhang zwischen der Entwicklungs- und Innovationskapazität einerseits und Kooperationsaktivitäten an Schulen. Um diese Lücke zu schließen, untersucht das Wissenschaftlerteam Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises sowie eine Gruppe von weiteren Schulen.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
Prof. Dr. Dirk Richter, Universität Potsdam
Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Bergische Universität Wuppertal
Dr. Ulrike Hartmann, Bergische Universität Wuppertal
Laufzeit: 2018 bis 2021
- Interview und Infografik zur CoMMIT-Studie auf dem Deutschen Schulportal: Kooperation führt zu wesentlicher Entlastung
- Hartmann, U., Kuschel, J. & Richter, E. (2021): Wie Schulleitungen die Kooperation im Kollegium stärken können
- Hartmann, U., Richter, D. & Gräsel, C. (2021): Same Same But Different? Analysen zur Struktur kollegialer Kooperation unter Lehrkräften im Kontext von Schul- und Unterrichtsentwicklung
- Flyer (PDF)
