Warum machen wir das Projekt?

Wer heute einen Pflegeberuf ausüben möchte, kann unter vielen verschiedenen Qualifikationsmöglichkeiten auswählen, von der einjährigen Helferausbildung über die "klassische" dreijährige Ausbildung zur examinierten Gesundheits- und Krankenpflegekraft bis hin zum Bachelor- oder Masterabschluss.

Da professionelle Pflege sich mehr denn je mit komplexen Versorgungsfragen in einer alternden Gesellschaft auseinandersetzen muss, ist dies ein positives Ergebnis von langjährigen Reformbemühungen in den Pflegeberufen. Denn die Zunahme von chronischen und Mehrfacherkrankungen erfordert ein differenziertes Vorgehen und neue Arbeitsteilungen im intraprofessionellen Pflegeteam, ebenso wie in der interprofessionellen Zusammenarbeit aller Gesundheitsprofessionen und an den Schnittstellen der Versorgungssektoren.

Die Vielfalt der Abschlüsse findet bislang jedoch keine systematische Verankerung in der Versorgungspraxis. Viele Hochschulabsolventen werden nicht in der direkten Patientenversorgung tätig. Zuständigkeiten von Assistenz- und dreijährig examinierten Pflegekräften greifen häufig nicht sinnvoll ineinander. Es fehlt an Konzepten für neue und attraktive Karriereverläufe - ein Muss angesichts des Fachkräftemangels in den Pflegeberufen.

Was wollen wir erreichen?

Hier setzt das Projekt "360° Pflege - Qualifikationsmix für den Patienten" an. In vier Arbeitsgruppen erarbeiten Experten aus unterschiedlichen Versorgungssektoren Lösungen und Strategien, wie:

  • das Zusammenwirken verschiedener Qualifikationen im Pflegeteam bestmöglich für den Patienten und seine bedarfsgerechte Versorgung gestaltet werden kann - in der Organisation und über die Versorgungssektoren hinweg,
  • die interprofessionelle Kooperation mit den weiteren Gesundheitsberufen gelingen kann,
  • attraktive Berufs- und Karriereverläufe aufgebaut werden können, in den Teams und Sektoren und über die Sektorengrenzen hinweg.

Wie funktioniert das Projekt?

Eine Kerngruppe verbindet die Ergebnisse der Arbeitsgruppen in den Bereichen "Akutstationäre Pflege", "Ambulante Pflege", "Stationäre Langzeitpflege" und "Rehabilitationspflege" und fügt diese in ein übergreifendes Modell ein.

Das Projekt ist mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin im Januar 2016 gestartet. Die Ergebnisse werden gegen Ende des Jahres 2017 erwartet.

Die Robert Bosch Stiftung hat seit Anfang der 1990er Jahre intensiv die Akademisierung des Pflegeberufs und in den 2000er Jahren die Entwicklung und Erprobung neu-er Ausbildungsmodelle in der Pflege gefördert. Mit dem Vorhaben "360° Grad Pflege - Qualifikationsmix für den Patienten" wollen wir darauf hinwirken, dass sich die Differenzierung und Erweiterung der Kompetenzprofile in der direkten Patientenversorgung entfalten und damit das Ziel einer zeitgemäßen Versorgungsqualität erreicht werden kann.