Gleiche Freiheiten und Chancen sind elementar für ein selbstbestimmtes Leben in Würde Wachsende Un gleichheit führt hingegen zu einer Erosion des sozialen Zusammenhalts und gefährdet ein friedliches Zusam menleben Zugleich geraten erprobte Ansätze zur Reduzierung von Ungleichheit wie der öffentliche Zugang zu qualitativer Bildung derzeit vielerorts unter Druck Ungleichheit zeigt sich in unter schiedlichen Dimensionen und basiert auf vielen verschiedenen Faktoren Herkunft wirtschaftliche Lage soziale Situation ethnische oder religiöse Zugehörigkeit und Geschlecht sind nur einige davon Diese Faktoren treten oft gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken Deshalb zeigt erst ein ganzheit licher Blick auf unterschiedliche Formen von Ungleichheit und deren Wechselwirkungen warum bestimm te Gruppen grundsätzlich vom gesellschaftlichen Fortschritt ausge schlossen sind Die Juristin Kimberlé Crenshaw von der Columbia Universi ty hat dies etwa am Beispiel afroame rikanischer Frauen gezeigt und für diesen Ansatz den Begriff der Inter sektionalität geprägt Daran orientiert sich auch die Robert Bosch Stiftung wenn sie sich künftig mit den Ursachen und Folgen von Ungleichheit beschäftigt Sie will verschiedene Formen von Ungleich heit und deren Wechselwirkung betrachten und den Erkenntnisstand verbessern um gemeinsam mit Partnern Lösungsansätze zu entwi ckeln FOKUS AUF TEILBEREICHE GREIFT ZU KURZ Da es in der Praxis schwierig ist mehrere Formen von Ungleichheit gleichzeitig zu berücksichtigen richten sich viele existierende Förder programme auf Teilbereiche etwa auf Bildungsungleichheit oder die Diskri minierung einer religiösen Minderheit Das wird mehrfach benachteiligten Gruppen jedoch nicht gerecht Lässt man bei Lösungsansätzen das Zusam menspiel der verschiedenen Ungleich heitsdimensionen außer Acht können Probleme sogar noch verschärft werden Durch die Fokussierung auf einen Teilbereich werden häufig nur Symptome nicht aber die Ursachen von Ungleichheit behandelt Ungleichheit hat stets struktu relle Ursachen beispielsweise patriar chale Traditionen rassistische Ideologien oder unfaire Handelsprak tiken und Wertschöpfungsketten Da bisher noch zu wenig darüber bekannt ist wie verschiedene Ursachen und Wirkungen zusammenhängen vor allem aber wie sich theoretisches Wissen in praktische Maßnahmen zur Reduktion von Ungleichheit überset zen lässt will die Robert Bosch Stiftung dazu beitragen die Erkenntnisse über Intersektionalität zu erweitern Einzeln betrachtet gibt es bereits Erhebungen und Prognosen Was die ökonomische Ungleichheit betrifft sind Experten wenig optimis tisch Der Gini Koeffizient ein statisti sches Maß für die globale Einkom mens und Vermögensverteilung deutet zwar darauf hin dass die weltweite ökonomische Ungleichheit abnimmt Innerhalb von Staaten wird die Einkommens und Vermögensun gleichheit aber auf sehr hohem Niveau bleiben mancherorts sogar steigen Soziale Ungleichheit sehen Experten häufig als Vorläufer von ökonomischer Ungleichheit So geht beispielsweise Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der Ethnie oft einher mit erschwertem Zugang zu Bildung politischer Teilhabe und Gesundheitsversorgung Das bedeutet letztlich auch verminder te Chancen Einkommen zu generieren und Vermögen aufzubauen NEUE KATEGORIE ÖKOLOGISCHE UNGLEICHHEIT Eine vergleichsweise neue Kategorie ist die ökologische Ungleichheit Sie umfasst die Folgen des Klimawandels den ungleichen Zugang zu Wasser und Nahrung sowie die ungleichen Auswir kungen von Umweltgesetzgebung Klimabedingte Naturkatastrophen treffen vor allem den Globalen Süden und dort häufig Menschen die ohnehin benachteiligt sind zum Beispiel Bauern in Unterkünften die Naturkata strophen nicht standhalten können Um Ungleichheit auf verschie denen Ebenen entgegenwirken zu können will die Robert Bosch Stiftung zunächst Experten aus Theorie und Praxis besser vernetzen Außerdem will sie innovative Ideen unterstützen die sich aus konkreten Projekten heraus entwickeln Nicht zuletzt wird die Stiftung dabei selbst eine lernende Rolle einnehmen und Querschnittsex pertise für bestimmte Regionen und Themen aufbauen Ungleichheit Ursachen behandeln nicht nur Symptome Im Nexus Konflikte Klimawandel Migration und Ungleichheit sind auf vielfältige Weisen miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig In der Strategieent wicklung und künftigen Förderung werden die Themen sowohl individuell als auch im Nexus bearbeitet Nur die Gesamtbetrachtung ermöglicht es wirk same und zukunftsgerichtete Lösungen zu entwickeln Diese sollten auf sekto renübergreifender Zusammenarbeit und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnis sen beruhen und kontinuierliches Lernen ermöglichen 27DAS MAGAZIN 2 19

Vorschau RBS 2019-02 DE Seite 27
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