Migration gibt es seit Menschengeden ken und findet rund um den Globus statt doch sie nimmt stetig zu und hat längst eine Größenordnung erreicht die sie zu einer globalen Herausforde rung macht 2018 waren nach Schät zungen der Vereinten Nationen 3 5 Prozent der Weltbevölkerung Migran ten also rund 272 Millionen Men schen Global betrachtet kommt nur ein geringer Teil der Migranten nach Europa Die größten Wanderbewegun gen finden innerhalb von Ländern und Regionen in Afrika Asien im Nahen Osten sowie Zentral und Nordamerika statt Nachbarländer von Kriegs und Krisengebieten beherbergen die meisten Flüchtlinge zum Beispiel die Türkei Pakistan der Libanon der Iran Uganda und Äthiopien Migration umfasst internationale wie nationale Migrationsprozesse sowie Flucht und Arbeitsmigration gleichermaßen Sie zielt in der Regel auf die Sicherung des Überlebens und die Verbesserung der Lebensbedingungen Migration über große Distanzen hinweg bleibt dabei die Ausnahme Ebenso dauerhafte Aufenthalte Vor allem in Afrika und Asien verbreiten sich zunehmend zyklische Migrationsmuster in denen Migranten zwischen Herkunfts und einem Zielland oder mehreren Zielländern hin und herwandern ABKOMMEN NICHT ZEITGEMÄSS Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 wird der heutigen Situation nicht gerecht Sie berücksichtigt weder zyklische Wanderbewegungen noch neue Migrationstreiber wie etwa den Klimawandel Zwar hat die UNO Gene ralversammlung nach der 2016 verabschiedeten New Yorker Erklä rung 2018 einen Migrations und einen Flüchtlingspakt beschlossen Doch diese zwischenstaatlichen Vereinbarungen gehen nach Meinung zahlreicher Experten inhaltlich nicht weit genug und sind zudem rechtlich nicht bindend Inzwischen bringen sich immer mehr neue Akteure in internationalen Foren zur Migration ein Große Städte und Kommunen beteiligen sich beispielsweise stärker am länderüber greifenden Dialog Sie übernehmen mehr Verantwortung bei der Aufnah me von Flüchtlingen und fallen durch eine oft pragmatische und lösungsori entierte Herangehensweise auf Auch die Rolle der Migranten selbst verän dert sich Sie gründen eigene Organi sationen vernetzen sich zunehmend und können eine wertvolle Brücken funktion zwischen Gesellschaften einnehmen VERSCHIEDENE PERSPEKTIVEN EINBEZIEHEN Mit dem übergeordneten Ziel einen Beitrag zur internationalen Verständi gung und Kooperation zu leisten beschäftigt sich die Robert Bosch Stiftung mit der Frage Wie kann Migration im internationalen Mitei nander menschenwürdig und nachhal tig gestaltet werden Wie können Vertreter aus Politik Wirtschaft und Zivilgesellschaft im internationalen Austausch gemeinsame Lösungsansät ze finden Ein Schlüssel für die Entwicklung von langfristigen Kon zepten ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit über akute Notsitua tionen hinaus und frei von tagespoliti schen Zwängen Ein Anliegen der Robert Bosch Stiftung ist zudem den Diskurs über Migration zu versachlichen Das heißt nicht Ängste und Sorgen von Men schen auszuschließen unterschiedli che Perspektiven sollten gehört und einbezogen werden So können auf Grundlage differenzierter Betrachtun gen zukunftsorientierte Lösungen gefunden werden Migration Fokus auf die Menschenwürde NACHGEFRAGT 2018 wurde der erste Globale Pakt für sichere geordnete und reguläre Migration unter dem Dach der Vereinten Nationen geschlossen Inwieweit bringt er die internationa le Migrationspolitik voran Der Pakt sollte die gesamte Bandbrei te aller für Migranten relevanten Themen abdecken Nun gibt es eine starke Betonung der regulären Migration Tatsache ist jedoch dass viele Menschen irreguläre Migranten sind Sie haben keine andere Wahl als illegal zu reisen Das ist eine Realität die wir akzeptieren müssen Das Thema Migration weckt bei Menschen mitunter Ängste Wie kann man diesen begegnen Vergleicht man die Zahl der Migran ten die nach Europa kommen mit der Zahl derer die durch Afrika ziehen ist sie sehr gering Deshalb bin ich immer unzufrieden mit Ausdrücken wie überrannt oder über schwemmt Einige Menschen sind besorgt dass Migration ihre heimi sche Kultur gefährdet Natürlich muss man diese Wahrnehmung respektie ren wobei ich denke dass diese Angst übertrieben ist Hier könnten positive Erfahrungen helfen die Menschen in anderen Ländern gemacht haben David Donoghue ehemals irischer Botschafter in Deutschland Österreich und Russland ist Experte für politische Ordnung und internationale Entwicklung und war 2019 Fellow an der Robert Bosch Academy in Berlin Schwerpunkt26 Robert Bosch Stiftung Fo to U N P ho to M ar rk G ar te n S IP A

Vorschau RBS 2019-02 DE Seite 26
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