Der Buchstabe tötet der Geist macht lebendig Robert Bosch hat sich in einer Zeit des extremen Nationalismus in den 1920er und 30er Jahren mit großem Engagement für die Völkerversöh nung eingesetzt Für ihn war dies eine Konsequenz aus der Erfahrung des Ersten Weltkrieges Er gehörte zu den Gründern der Deutschen Liga für den Völkerbund die eine Weltorganisati on zur Wahrung des Friedens an strebte Robert Bosch wurde Vorsit zender der deutschen Förder gesellschaft für die erste europäische Einigungsbewegung die Paneuro pa Union trat der Deutsch Französi schen Gesellschaft bei und förderte die Vereinigung Carl Schurz für die deutsch amerikanische Verständi gung Besonders lag ihm die Aussöh nung zwischen den damaligen Erbfeinden Deutschland und Frankreich am Herzen Er sah darin den Schlüssel zu Frieden und einem geeinten Europa das für ihn nur im Rahmen eines demokratischen Systems vorstellbar war Von Paneu ropa sollte wiederum eine Verständi gung mit anderen Kontinenten ausgehen Bosch litt darunter dass die Nationalsozialisten die Ansätze zur Völkerverständigung zerschlugen Doch hoffte er bis zuletzt auf eine bessere Zukunft in der sich seine Vorstellungen durchsetzen würden Das von ihm hinterlassene Vermögen sollte dazu einen Beitrag leisten In seinem Vermächtnis den Richtlinien für die Vermögensverwaltung Bosch GmbH VVB vom 19 Juli 1935 erteilte er den Auftrag sie solle sich den Themen Gesundheit Erziehung Bildung Förderung Begabter Völker versöhnung und dergleichen widmen Er verzichtete darauf feste Direktiven zu formulieren Bei der Erfüllung seines Auftrags sollten die Verantwortlichen später freie Hand haben Bosch verpflichtete sie die Umsetzung kontinuierlich zu über denken und gegebenenfalls neu auszurichten Der Buchstabe tötet der Geist macht lebendig Daraus ergibt sich die Notwendigkeit diese Richtlinien auf dem Wege der Fortent wicklung den jeweiligen Veränderun gen ständig anzupassen Die Robert Bosch Stiftung die aus der VVB hervorging erfüllt seit 55 Jahren diesen Auftrag In dieser Zeit haben das Kuratorium und die Geschäftsführung das Förderkonzept im Sinne des Vermächtnisses von Robert Bosch immer wieder den jeweiligen Veränderungen angepasst Hintergrund 21DAS MAGAZIN 2 19 Robert Bosch 1861 1942 setzte sich für Be reiche wie Bildung Wissenschaft und Gesundheit ein Geprägt von der Erfahrung des Ersten Weltkriegs engagier te er sich außerdem auf vielfältige Weise für internationale Verständigung er sah darin die Basis für Frieden Dieses Engagement ist bis heute Orientie rungsrahmen für die internationale Arbeit der Robert Bosch Stiftung TEXT Johannes Bähr ILLUSTRATION Studio Pong

Vorschau RBS 2019-02 DE Seite 21
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