Deutsches Schulbarometer 2026

Das Verhalten ihrer Schüler:innen fordert Lehrkräfte zunehmend heraus

Wie ist die aktuelle Lage an deutschen Schulen? Was empfinden Lehrkräfte als größte Belastung im Berufsalltag? Das Deutsche Schulbarometer gibt auf diese Fragen Antworten. Unsere Bildungsexpertin Katharina Thoren ordnet die Ergebnisse ein.

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Katharina Thoren
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Datum
18. Juni 2026
1.547 Lehrkräfte und Schulleitungen wurden für das Deutsche Schulbarometer 2026 befragt.

Problematisches Verhalten von Schüler:innen wird von Lehrkräften aktuell als größte berufliche Herausforderung wahrgenommen. Das sagen 46 Prozent der repräsentativ befragten Lehrkräfte im Deutschen Schulbarometer 2026. Damit ist der Anteil derjenigen, die das Verhalten der Schüler:innen als zentrale Herausforderung ihres Berufs benennen, seit 2024 deutlich von 35 auf 46 Prozent gestiegen. Lehrkräfte an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie an beruflichen Schulen sind durch problematisches Verhalten deutlich häufiger gefordert als Lehrkräfte an anderen Schulformen. Jede vierte Lehrkraft erlebt das Sozialverhalten ihrer Schüler:innen als besonders herausfordernd. 13 Prozent der Befragten sehen sich zudem durch mangelnde Motivation und fehlenden Lernwillen der Schüler:innen in ihrem beruflichen Handeln stark beansprucht.

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Im Schulbarometer sehen wir, dass sich ein Großteil der Lehrkräfte diesen Herausforderungen stellt und die eigenen Fähigkeiten für den Umgang mit problematischem Schülerverhalten weiterentwickeln möchte. Entsprechend hoch ist der Fortbildungsbedarf: 47 Prozent wünschen sich Angebote zum „Umgang mit psychisch belasteten Schüler:innen“, 33 Prozent zum „Unterrichten von Schüler:innen mit besonderem Förderbedarf“ sowie 25 Prozent zu „Verhalten von Schüler:innen und Klassenführung“.  

Unsere Expertin

Dr. Katharina Thoren

Katharina studierte Erziehungs- und Bildungswissenschaften in Osnabrück, Berlin und Victoria (BC). Vor ihrer Tätigkeit für die Robert Bosch Stiftung war Katharina wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Qualitätsoffensive Lehrkräftebildung und am Institut für Schulqualität (ISQ). In der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin leitete sie die Stabsstelle Bildungsqualität. In der Stiftung  verantwortet sie das Schulbarometer, das Expert:innenforum Startchancen und weitere Projekte rund um das Startchancen-Programm. 

Im Fokus: Empathie,Teamfähigkeit und Selbstständigkeit

Schulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung sozial-emotionaler Fähigkeiten, die das Miteinander und das Lernen erleichtern. Den Stellenwert dieser sogenannten überfachlichen Kompetenzen zeigte schon das Schulbarometer 2024: Auf die Frage, welche Fähigkeiten Schulen heute vermitteln sollten, um Schüler:innen bestmöglich auf das Leben vorzubereiten, nannten Lehrkräfte 2024 am häufigsten Empathie, Selbstständigkeit und kritisches Denken. Im Schulbarometer 2026 wollten wir daher wissen, wie Lehrkräfte die Förderung überfachlicher Kompetenzen erleben: Welche Fähigkeiten fördern sie gezielt in ihrem Unterricht, wie kompetent fühlen sie sich dabei und welchen Fortbildungsbedarf haben sie?

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In unserer Befragung sagen rund drei Viertel der Lehrkräfte, dass sie mindestens eine überfachliche Kompetenz in ihrem Unterricht fördern. Besonders häufig genannt werden soziale Kompetenzen wie Empathie und Teamfähigkeit sowie personale Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Frustrationstoleranz. Die Ergebnisse zeigen auch eine hohe Bereitschaft der Lehrkräfte, sich zum Thema Förderung überfachlicher Kompetenzen weiterzubilden (82 %). Das ist ermutigend. 
Gleichzeitig macht das Schulbarometer aber auch Defizite sichtbar, denn 29 Prozent der Befragten schätzen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zur Förderung überfachlicher Kompetenzen als nicht ausreichend ein. Hinzu kommt, dass vielerorts die strukturelle Unterstützung fehlt: An 36 Prozent der Schulen wird die Förderung überfachlicher Kompetenzen nach Aussage der Lehrkräfte nicht aktiv unterstützt.

Lehrkräfte unter Druck – und dennoch engagiert

Insgesamt zeigt das Schulbarometer 2026, dass Lehrkräfte in ihrem Berufsalltag zunehmend belastet sind. Dazu tragen Faktoren wie Heterogenität, Arbeitsbelastung und Zeitmangel, bildungspolitische Rahmenbedingungen und Bürokratie sowie die Zusammenarbeit mit Eltern bei, die sie neben problematischem Schülerverhalten als weitere Herausforderung erleben. Gleichzeitig machen unsere Ergebnisse deutlich, dass Lehrkräfte sich nicht wegducken, sondern diese Herausforderungen annehmen, sich weiterqualifizieren wollen und nach Lösungen suchen. Das ist richtig und wichtig. Und doch können wir als Gesellschaft die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen nicht nur den Schulen und ihren Lehrkräften überlassen. Eine Vielzahl der Herausforderungen, mit denen Lehrkräfte in ihrem Berufsalltag umzugehen haben, wie zum Beispiel Belastungen durch Armut, psychische Erkrankungen, bürokratische Hürden, entstehen außerhalb von Schule und müssen dort bekämpft werden.

Dass die vielen Belastungen nicht spurlos an Lehrkräften vorübergehen, auch das zeigt das Deutsche Schulbarometer: Wie in den Jahren zuvor, würde ein gutes Viertel der Lehrkräfte ihren Beruf wechseln, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten (28 Prozent). 36 Prozent der Lehrkräfte fühlen sich mehrmals in der Woche oder täglich durch ihre Arbeit erschöpft und jede fünfte Lehrkraft (19 Prozent) fühlt sich schon müde, wenn sie morgens aufsteht und einen Schultag vor sich hat. Die emotionale Erschöpfung, die hier deutlich wird, kann ein Symptom für Burnout sein und sollte ernst genommen werden.

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Doch was erhöht das Risiko für ein mögliches Burnout bei Lehrkräften und viel wichtiger: Was schützt sie? Auch dazu liefert das Schulbarometer 2026 Hinweise. Gibt es in einer Schule Probleme mit Gewalt unter den Schüler:innen, verstärkt das die beiden Burnout-Symptome „berufliche Unzufriedenheit“ und „emotionale Erschöpfung. Eine kooperative Schulkultur, die sich an gemeinsamen Werten und Zielen orientiert, sowie Unterstützungsangebote wie Schulsozialarbeit wirken entlastend für Lehrkräfte. Insbesondere Lehrkräfte, die eine kooperative Schulkultur erleben, sind durchschnittlich deutlich weniger erschöpft als Lehrkräfte ohne eine solche Kultur an ihrer Schule.

Ein weiterer zentraler Faktor für einen gelingenden Berufsalltag ist das Erleben von Selbstwirksamkeit. Lehrkräfte, die sich zutrauen, einen inklusiven Unterricht so zu gestalten, dass er allen Schüler:innen gerecht wird, zeigen weniger Burnout-Symptome, denken seltener über einen Berufswechsel nach und empfinden die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ihrer Schüler:innen als weniger belastend. Ein starkes Selbstwirksamkeitserleben geht darüber hinaus auch mit einer positiveren Haltung gegenüber Inklusion einher.

Demokratiebildung und Künstliche Intelligenz

Das Schulbarometer zeigt zum ersten Mal auch, wie unsicher Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen sind: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt. Ein Viertel der Befragten (27 Prozent) glaubt irrtümlicherweise, die eigene Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen. Dabei müssen Lehrkräfte hier eine klare Rolle einnehmen können. Ihr Auftrag ist es nicht, neutral zu sein, sondern auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Haltung zu zeigen. 
Weiterhin sehen wir, dass KI-Anwendungen zunehmend Teil des Schulalltags sind: Der Anteil der Lehrkräfte, die mehrmals pro Woche mit KI arbeiten, hat sich seit der letzten Ergebung im vergangenen Jahr auf 25 Prozent mehr als verdoppelt. 48 Prozent fühlen sich inzwischen sicher im Umgang, insbesondere bei Aufgabenstellung und Unterrichtsplanung. Gleichzeitig wünscht sich mehr als die Hälfte gezielte Unterstützung und Fortbildungen.

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Unsere Befragungen im Rahmen des Deutschen Schulbarometers ermöglichen einen repräsentativen Blick auf die Situation an deutschen Schulen. Und so können wir erfreulicherweise feststellen, dass die Mehrheit der Lehrkräfte auch im Jahr 2026, wie 2024 und 2025, mit ihrer Arbeit zufrieden ist (83 Prozent) und gerne an ihrer Schule arbeitet (89 Prozent). 75 Prozent würden ihre Schule als guten Arbeitsplatz sogar weiterempfehlen.

Das sind gute Nachrichten! Wir sollten diese Zufriedenheit nutzen und Lehrkräfte bei der Bildung künftiger Generationen endlich ernsthaft unterstützen. Das geht nur mit gemeinsamer Verantwortung. In der Gesellschaft mit einer konsequenten Verringerung von Armut und der Unterstützung armutsbelasteter Familien. In der Bildungsadministration und dem Unterstützungssystem mit bedarfsgerechten und wirksamen Qualifizierungsmaßnahmen, klar ausgestalteter multiprofessioneller Zusammenarbeit und qualitativ hochwertigen Beratungsangeboten, z.B. zu Themen wie Demokratiebildung und Künstliche Intelligenz. Nicht zuletzt müssen Schulen das Miteinander im Kollegium aber auch mit ihren Schüler:innen aktiv fördern und Lehrkräfte sich stetig weiterqualifizieren und das eigene Handeln reflektieren. 
 

Das Deutsche Schulbarometer Befragung von Lehrkräften 2026

Zum Download des Berichts

Für die Ausgabe 2026 des „Deutschen Schulbarometers Lehrkräfte“ befragte die Robert Bosch Stiftung Lehrkräfte und Schulleitungen zu den aktuellen Herausforderungen, ihrer Berufszufriedenheit sowie ihren Einstellungen zu KI, Inklusion und Demokratiebildung. Die Konzeption dieser Studie sowie der Forschungsbericht entstanden in enger Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Forschungsteam um Prof. Dr. Nina Jude, Fatmana Selcik, Prof. Dr. Uta Klusmann und Prof. Dr. Dirk Richter.

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Über das Projekt

Das Deutsche Schulbarometer

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Das Deutsche Schulbarometer ist eine repräsentative Umfrage an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland. Das Deutsche Schulbarometer ermöglicht es, frühzeitig Entwicklungen zu beschreiben, indem Beobachtungen und Einschätzungen von Personen erfasst und untersucht werden, die Schulen täglich mitgestalten und erleben.

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