Heim, Heimat, Heimaten

Über den Begriff „Heimat“ wird heftig diskutiert. Aber selten nur kommen diejenigen zu Wort, die gezwungenermaßen am meisten darüber nachdenken, was er bedeutet – weil sie ihre alte Heimat verloren haben und ein neues Heimatgefühl suchen. Exiljournalistinnen und -journalisten aus Syrien, Afghanistan und Ägypten schreiben in einer Beilage des Tagesspiegels über ihre Erfahrungen.

Dorothee Nolte | Juni 2018
Die syrische Journalistin Hiba Obaid auf der Museumsinsel
Ali Ghandtschi

Der Fotograf Ali Ghandtschi hat für die Beilage "Heimaten" Exiljournalisten an Orten fotografiert, wo sie sich zu Hause fühlen. Die syrische Journalistin Hiba Obaid wählte die Kolonnaden auf der Museumsinsel in Berlin aus: „Die Kolonnaden erinnern mich an die antiken Stätten in Aleppo. Ich fühle mich hier wohl, die Atmosphäre ist international, und es gibt viele Musiker.“

Eine neue Heimat muss man sich erarbeiten

In vielen Texten der Exiljournalisten kommt zum Ausdruck: Die Herkunftsländer waren für die Autoren immer schon schwierige Heimatländer. Kann man sich wohl und zuhause fühlen, wo man – etwa als Frau, als Kurde, als Homosexueller, als nicht-religiöser Mensch – von der Gesellschaft nicht akzeptiert, als Mensch zweiter Klasse gesehen wird?

In Deutschland dagegen herrscht Freiheit, das ja. Aber es fehlen die vertrauten Gerüche, Menschen, Bilder, und jeder, der herkommt, hat das Gefühl, sich erklären zu müssen. Nichts ist selbstverständlich. Eine neue Heimat zu finden ist nicht leicht, man muss sie sich erarbeiten.

Diese Beilage entstand in Zusammenarbeit von Robert Bosch Stiftung und Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Rahmen des mehrfach preisgekrönten Projekts #jetztschreibenwir, das der Tagesspiegel seit zwei Jahren gestaltet.