In der Verantwortung

Gute Regierungsführung, eine niedrige Korruptionsrate und freier Informationsaustausch kennzeichnen eine friedliche Gesellschaft. In vielen Ländern sind sie alles andere als selbstverständlich. Grundsätze des verantwortungsvollen Handelns in Verwaltung, NGOs und Wirtschaft vermittelt das Carl Friedrich Goerdeler-Kolleg − zum Beispiel an Irine aus Georgien und Maxim aus Moldau.

Lena Schnabl | Dezember 2016
Stephan Röhl

Maxim Pijevskii entwickelte die Idee einer Online-Plattform, über die sich Initiatoren nachhaltiger Projekte miteinander vernetzen können.

Sie kämpft in ihrer Heimat gegen monopolistische Strukturen: Irine Chikhladze, 27, Beraterin in der 2014 gegründeten unabhängigen Wettbewerbsagentur Georgiens. Zuletzt prüfte die Juristin drei Monate lang den georgischen Ölmarkt – und saß dafür fast rund um die Uhr am Schreibtisch. Am Ende wurden zehn Unternehmen mit Bußgeldern bestraft. "Wenn wir Fehler machen", sagt sie, "kann vor Gericht alles ruiniert sein. Chikhladze steht für die neue Elite des Landes. Ihr Abitur machte sie ein Jahr nach der Rosenrevolution im Jahr 2003, die sich gegen Clanwirtschaft und Korruption wandte. "Wir mussten das Land neu aufbauen", sagt sie. Tausende Polizisten und Verwaltungsangestellte wurden entlassen, das Bildungssystem reformiert. Chikhladze studierte an einer der besten Universitäten Georgiens, machte einen Masterabschluss an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, absolvierte Praktika im Deutschen Bundestag und am Obersten Gerichtshof Georgiens.

Stephan Röhl

Irine Chikhladze will die Korruption in Georgien eindämmen.

Weitaus mehr als nur theoretisches Wissen

Nun will sie ihre Mitbürger darüber informieren, wie die georgische Wettbewerbsagentur funktioniert und wie man Beschwerde über Korruption und Bestechung einreichen kann. Dabei hilft ihr das Carl Friedrich Goerdeler-Kolleg für Good Governance von Robert Bosch Stiftung und Deutscher Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. Ein Jahr lang bekommt sie einen Coach zur Seite und besucht Seminare über gutes Verwaltungshandeln und Projektmanagement. Die Besonderheit des Kollegs: Die Teilnehmer sammeln nicht nur theoretisches Wissen über politische Zusammenhänge und internationale Zusammenarbeit, sondern setzen auch jeder ein eigenes Projekt um. Mit Chikhladze starteten im August rund zwanzig junge Führungskräfte aus Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldau, Russland, der Türkei und der Ukraine − parallel zum Abschlussseminar des vorherigen Jahrgangs, der in Mittenwalde bei Berlin seine Projekte vorstellte. Wie die anderen Neulinge wanderte Chikhladze auf der Projektmesse neugierig von Stand zu Stand. Bei Maxim Pijevskii blieb sie hängen. Pijevskii, 35 Jahre alt und Mitarbeiter der moldauischen Umweltorganisation EcoVisio, ist ein Entertainer, dem die Neuen gerne zuhören.

Stephan Röhl

Als Maxim Pijevskii zum ersten Treffen der Goerdeler-Kollegiaten fuhr, spürte er sofort die Energie der anderen.

"Man findet schnell eine gemeinsame Sprache."

Früher koordinierte er Projekte für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Unterhaltsam schildert er, wie aus seiner vagen Idee, die aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft zu fördern, ein konkretes Projekt wurde. Er entwickelte die Idee einer Online-Plattform, über die sich Initiatoren nachhaltiger Projekte miteinander vernetzen können. "Selbst in einem so kleinen Gebiet wie der Republik Moldau weiß nicht jeder, was der andere macht." Als er vor einem Jahr zum ersten Treffen der Goerdeler-Kollegiaten fuhr, spürte er sofort die Energie der anderen: "Man findet schnell eine gemeinsame Sprache." Durch seinen Coach lernte er, Schritt für Schritt zu denken, sich Ziele zu setzen, die er auch erreichen kann. Er richtete eine Arbeitsgruppe ein, fand einen Programmierer und stellte eine Beta-Version der Website online. Heute präsentiert er stolz seine Netzwerkplattform. Ohne seinen Mentor, sagt er, hätte er vielleicht auch mal den roten Faden verloren. Für Irine Chikhladze geht es jetzt erst los. Besonders freut sie sich auf die Kontakte zu anderen jungen Reformern. "Hier baue ich ein Netzwerk für die Zukunft", sagt sie.