• Startschuss für gemeinsames Förderprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie der Robert Bosch Stiftung
     

Stuttgart/Ingolstadt, 30.04.2018 - Unter der Webadresse www.demenz-im-krankenhaus-bayern.de wird am 30. April 2018 ein Leitfaden mit Planungshinweisen für eine alters- und demenzsensible Architektur von Akutkrankenhäusern veröffentlicht.

Das Projekt unter der Leitung der Ingenium-Stiftung für Menschen mit Demenzerkrankung wird zu gleichen Teilen durch die Robert Bosch Stiftung GmbH und das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert. Es ist deutschlandweit einzigartig, denn die architektonischen Planungshinweise, die das Bayerische Institut für alters- und demenzsensible Architektur (BIfadA) in Bamberg erarbeitet hat, wurden gemeinsam mit der Ingenium-Stiftung Ingolstadt zusätzlich in einen gerontologischen Gesamtzusammenhang eingebettet. Die Grundlage hierzu bildete eine evidenzbasierte, systematische Literaturrecherche von internationalen, wissenschaftlichen Forschungsarbeiten und Empfehlungen von Expertinnen und Experten.

Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass der Anteil der Generation 65+ bei allen Krankenhauspatientinnen und -patienten von 43,2 % im Jahr 2013 auf etwa zwei Drittel bis zum Jahr 2030 steigen wird. 40 % aller Patientinnen und Patienten im Krankenhaus über 65 Jahre leiden laut einer Studie der Robert Bosch Stiftung an einer kognitiven Beeinträchtigung, 20 % in dieser Altersgruppe wiederum an einer Demenz (General Hospital Study – „GHoSt“-Studie von 2016). Dennoch sind die Krankenhäuser oft nicht ausreichend auf die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe eingestellt - weder in ihrer Organisationsstruktur und Personalentwicklung noch mit den für Patienten relevanten Räumlichkeiten und Einrichtungen. Daher stehen Betreiber sowie Planer vor der Herausforderung, entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten für Patienten mit kognitiven Risiken und deren Angehörige mit einer „demenzsensiblen“ Umgebung abzuwägen, sowie Ideen und Konzepte für Behandlung und Pflege zu entwickeln.

“Alte und ganz besonders an einer Demenz oder kognitiven Einschränkungen leidende Patientinnen und Patienten werden schnell zu „Sand im Getriebe“ im auf Effizienz ausgerichteten Krankenhausalltag mit seiner schwer zu begreifenden Umgebung“, meint Architektin Birgit Dietz (BIfadA). Der Leitfaden wurde entwickelt, um die Möglichkeiten für eine alters- und demenzsensible Architektur näher zu beschreiben. Er besteht aus einer systematisch aufgebauten und abrufbaren Sammlung von Planungshinweisen, die nach Themen und Räumen geordnet, markiert und als Checklisten gedruckt werden können. Die Gliederung nach der aktuellen DIN 13080 ist ebenfalls hinterlegt. Praxisbeispiele veranschaulichen die Hinweise bildlich.

„Der neue Leitfaden ist zwar vorrangig für Architekten sowie Krankenhaus-Betreiber konzipiert, er soll aber ebenso Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflege oder z.B. Organisationen wie den Alzheimer Gesellschaften Hilfestellung bieten!“ erläutert Winfried Teschauer (Ingenium-Stiftung). Er will dazu beitragen, eine Umgebung zu schaffen, die die abnehmenden kognitiven und körperlichen Fähigkeiten älterer Patienten so weit wie möglich ausgleicht. Nachdem sich in diesen Fällen der Mensch nicht mehr an die Umgebung anpassen kann, passt sich die Umgebung quasi dem Menschen an und erleichtert dadurch ebenso die oft schwierige Situation von Pflegekräften und Angehörigen.

Bayerns Gesundheitsministerin Huml: „Es freut mich sehr, dass es durch unsere gemeinsame Förderung mit der Robert Bosch Stiftung gelungen ist, einen Leitfaden zu entwickeln, der praxisrelevante Hilfestellungen gibt, baulich und räumlich auf die besonderen Bedürfnisse von Demenzpatienten im Krankenhaus einzugehen“.

Bereits 2011 wurden im bayerischen Gesundheitsministerium 20 Empfehlungen zur verbesserten Versorgung von demenzkranken Menschen im Allgemeinkrankenhaus erstellt. Der Leitfaden liefert erstmals eine wissenschaftliche, systematische und umfassende Hilfestellung für Architekten, Bauträger, Angehörige und Entscheidungsträger.

Die Ministerin ergänzte: "Eine Einweisung ins Krankenhaus stellt für Menschen mit Demenz eine ohnehin hohe Stresssituation dar und sollte nicht durch bauliche Strukturen zusätzlich erschwert werden. Der Leitfaden liefert eine entscheidende Hilfestellung, um Menschen den Aufenthalt im Krankenhaus zukünftig erleichtern zu können“.

Bei der Erstellung des  Leitfadens wurden neue Erkenntnisse aus Gerontologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Pflege - und Versorgungsforschung sowie der Praxis ebenso berücksichtigt wie eine vermehrte interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Förderung der Lebensqualität von älteren Menschen und Menschen mit kognitiven Risiken.

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