Pressemeldung

Robert Bosch Stiftung zieht positive Bilanz

Robert Bosch Stiftung | Januar 2018
  • 2017 im Fokus: Friedlicher Interessenausgleich, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt
  • 100,5 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke aufgewendet
     

Berlin, 18. Januar 2018 – In vielen Teilen der Welt haben populistische Parteien an Einfluss gewonnen und für einen schärferen Ton in Politik und Gesellschaft gesorgt – auch Deutschland ist davon nicht ausgenommen. Diese Entwicklungen beschäftigten die Robert Bosch Stiftung GmbH im vergangenen Jahr sowohl in ihrer nationalen als auch in der internationalen Arbeit.

„Demokratische Prinzipien, Rechtsstaatlichkeit und der friedliche Interessenausgleich sind in immer weniger Staaten selbstverständlich und müssen sogar in Regionen verteidigt werden, von denen man sich dies lange nicht vorstellen konnte. Die Zivilgesellschaft gerät in vielen Ländern unter Druck und ihr Handlungsspielraum wird kleiner“, sagt Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung GmbH. „Gerade deshalb haben wir unsere Anstrengungen im Bereich Völkerverständigung und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausgebaut.“

Anlässlich des Neujahrsempfangs der Robert Bosch Stiftung in Berlin zog die Geschäftsführung eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit im Jahr 2017. Um besser auf die veränderten Herausforderungen reagieren zu können, hatte sich die Stiftung bereits 2016 strategisch neu ausgerichtet und ihre Arbeit auf drei inhaltliche Schwerpunkte fokussiert: "Migration, Integration und Teilhabe", "Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland und Europa" und "Zukunftsfähige Lebensräume". Im vergangenen Jahr hat die Robert Bosch Stiftung GmbH rund 100,5 Millionen Euro (vorläufige Zahl) für gemeinnützige Zwecke aufgewendet.

Für ein besseres Verständnis im transatlantischen Dialog

Mit dem Start der „Brookings - Robert Bosch Foundation Transatlantic Initiative" (BBTI) hat die Robert Bosch Stiftung ihre bereits 2014 begonnene Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Think Tank The Brookings Institution weiter ausgebaut. Gemeinsam arbeiten sie daran, auch unter schwierigen Bedingungen belastbare Netzwerke zwischen den USA und Europa aufzubauen. Dazu tragen die beiden Robert Bosch Senior Fellows Constanze Stelzenmüller und Amanda Sloat bei, die im Auftrag der Stiftung bei Brookings in Washington arbeiten. Die Mission der beiden Politikwissenschaftlerinnen: Europa in den USA sowie die USA in Europa zu erläutern - in Interviews, Artikeln oder Diskussionsrunden. Die BBTI wird diese Arbeit nun weiter intensivieren und regelmäßig unabhängige Analysen zu aktuellen transatlantischen Themen veröffentlichen. Den Auftakt bildeten bereits drei Veranstaltungen in Washington und Berlin sowie eine Studie mit dem Titel „A Post American Europe and the Future of US Strategy“.

Darüber hinaus forschen Brookings-Wissenschaftler im Rahmen der BBTI ab sofort auch an der Robert Bosch Academy in Berlin. Die 2014 gegründete Einrichtung der Robert Bosch Stiftung GmbH bietet renommierten Entscheidungsträgern und Meinungsbildnern aus aller Welt die Möglichkeit, einen Arbeitsaufenthalt in Berlin zu verbringen und sich am gesellschaftlichen Leben und politischen Dialog in Berlin und Deutschland zu beteiligen. Allein im vergangenen Jahr folgten 21 Fellows aus 14 Ländern der Einladung der Stiftung.

Gemeinsam an der Zukunft Europas arbeiten

Angesichts des Brexit und dem zunehmenden Einfluss nationalistischer Parteien war der gesellschaftliche Zusammenhalt in Europa ein wichtiger Schwerpunkt in der Stiftungsarbeit. Um das Stimmungsbild in der europäischen Bevölkerung besser zu verstehen, unterstützte die Robert Bosch Stiftung im vergangenen Jahr eine Studie der britischen Denkfabrik Chatham House. Rund 10.000 Bürger und 1.800 Entscheidungsträger aus zehn europäischen Ländern wurden von den Forschern zu ihrer Einstellung gegenüber Europa befragt. Viele Bürger schätzen demnach die Errungenschaften Europas, haben aber nicht das Gefühl von der EU zu profitieren. Die Entscheider wiederum sind sich uneinig über die Richtung der europäischen Integration.

Einen Beitrag zur konstruktiven Debatte über Europa leistete die Stiftung mit dem Denkraum Europa21. Bereits zum zweiten Mal diskutierten Autoren, Wissenschaftler, Publizisten und andere Intellektuelle auf Einladung der Leipziger Buchmesse und der Robert Bosch Stiftung über europäische Identität, soziale Spannungen und die erodierende Debattenkultur. 2018 werden weitere Studien folgen.

Einsatz für den Frieden

Seit 2014 beschäftigt sich die Robert Bosch Stiftung explizit mit dem Thema Frieden. „Die Zahl und Komplexität innerstaatlicher und zwischenstaatlicher Konflikte steigt weltweit“, so Geschäftsführerin Sandra Breka. „In einer Zeit der sich verändernden globalen Ordnung, in der bisherige multilaterale Konfliktlösungsmechanismen nicht mehr greifen, kommt der Förderung nichtstaatlicher Akteure, kontextspezifischer Lösungen und dem Transfer guter Praxis eine noch größere Bedeutung zu.“ Auf Einladung der Stiftung kamen im November 2017 über 120 Friedensakteure aus rund 40 Ländern beim "Global Community Forum: Truth, Justice, Remembrance" in Berlin zusammen. Mit ihrer Arbeit engagieren sich die Teilnehmer für die Aufarbeitung gewaltsamer Konflikte und Regime, um den Übergang zu nachhaltigem Frieden zu ermöglichen. Viele von ihnen sind ehemalige Programmteilnehmer, Stipendiaten oder Vertreter von Projekten, die die Stiftung in der Vergangenheit gefördert hat. Ziel des dreitägigen Forums ist der Aufbau und die Vernetzung einer globalen Gemeinschaft von Friedensakteuren, die sich in ihrer Heimat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Gedenken einsetzen.

Integration und Teilhabe ermöglichen

Kaum ein Thema hat Deutschland seit 2015 so sehr bewegt wie die Aufnahme von Flüchtlingen. Inzwischen haben sich die Herausforderungen verschoben, vom Notfallmodus der Erstversorgung hin zur langfristigen Aufgabe der Integration. In 2017 konzentrierte die Stiftung ihre Arbeit im Schwerpunkt „Migration, Integration und Teilhabe“ deshalb auf Praxisprojekte, die zeigen, wie sich Neuzugewanderte in gesellschaftlichen Bereichen wie Bildung, Gesellschaft und Kultur einbringen und teilhaben können. Flüchtlinge haben dabei wo immer möglich selbst eine aktive, gestaltende Rolle gespielt. So entstand eine Beilage im Tagesspiegel, in der geflüchtete Journalisten aus Syrien, Afghanistan oder dem Iran darüber schreiben, was Demokratie, Wahlen und Selbstbestimmung für sie bedeuten. Eine gemeinsame Interviewstudie mit dem Forschungsbereich des Sachverständigenrats Deutscher Stiftungen für Migration und Integration, die im November vorgestellt wurde, stellt die Perspektive von Flüchtlingen ins Zentrum und leitet daraus politische Handlungsempfehlungen ab. Darüber hinaus konnte der Projektansatz der Islamberatung für Kommunen in Baden-Württemberg 2017 ausgebaut werden. 2018 soll er auf andere Bundesländer erweitert werden.

Ab dem Frühjahr 2018 wird die Stiftung Landkreise mit einem neuen Förderprogramm dabei unterstützen, gute Ansätze für die Integration, Teilhabe und Bindung von Neuzuwanderern in ländlichen Räumen weiterzuentwickeln, denn dort entscheidet sich vor allem, ob Integration gelingt.

Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken

Mit ihren Projekten sensibilisiert die Robert Bosch Stiftung bereits junge Menschen für gesellschaftspolitische Themen und politische Beteiligung. Ein besonders gelungenes Beispiel dieser Arbeit ist das Projekt „Lernort Stadion“, das die Stiftung 2009 initiiert und über neun Jahre mitaufgebaut hat. Es nutzt die Begeisterung für den Fußball und ermöglicht Jugendlichen eine Auseinandersetzung mit Themen wie Gewalt, Rassismus, Homophobie oder Diskriminierung. Mehr als 40.000 junge Menschen haben seit Beginn an den Angeboten teilgenommen, die bundesweit im Umfeld des Profifußballs gewachsen sind. Inzwischen hat sich aus dem Netzwerk der Lernzentren ein Verein gebildet, der das Projekt gemeinsam mit der DFL Stiftung und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weiterführen wird.
 

Den Einsatz für Demokratie, Toleranz und Zusammenhalt hat die Stiftung auch im Programm „Aktionen für eine Offene Gesellschaft“ unterstützt. Die Förderung ermöglichte es rund 60 kleineren Gruppen und Vereinen eigene Projekte unter dem Dach der Initiative „Die Offene Gesellschaft“ zu realisieren. Mit interkulturellen Sportfesten, Theaterstücken und Erzählcafes setzten sie ein sichtbares Zeichen gegen Abschottung und Ausgrenzung und für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland.

Für mehr gute Schulen und eine bessere Bildung

Das Hauptanliegen der Robert Bosch Stiftung GmbH im Bereich Bildung sind faire Startbedingungen für junge Menschen, unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Dazu entwickelt und unterstützt sie Projekte, die die Qualität des Schul- und Betreuungssystems sichern und weiterentwickeln. Ein Leuchtturm ist dabei der Deutsche Schulpreis. Der Wettbewerb macht Schulen sichtbar, die exzellente Arbeit leisten - unabhängig von Lage und Größe, finanzieller Ausstattung und Zusammensetzung der Schülerschaft. Dieses Potenzial nutzt die Deutsche Schulakademie, die mit praxisnahen Fortbildungsangeboten die Erfahrungen der derzeit über 60 Preisträgerschulen für andere Schulen und Schulträger verfügbar macht. 2017 hat die Stiftung zwei weitere Programme im Umfeld des Deutschen Schulpreises gestartet: Das neue Entwicklungsprogramm begleitet Schulen, die am Wettbewerb teilgenommen, aber keinen Preis erhalten haben. Und mit dem Forschungsprogramm „Wie geht gute Schule? – Forschen für die Praxis“ fördert die Stiftung konkrete Forschungsprojekte, die die vorbildliche Schulpraxis der Preisträgerschulen für die Bildungsforschung und die Schulverwaltung nutzbar machen.

Die Erfahrungen aus dem Deutschen Schulpreis hat die Stiftung auch in das Projekt „School Turnaround – Berliner Schulen starten durch“ eingebracht. Gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie unterstützte sie über vier Jahre zehn Brennpunktschulen, die vor besonderen Herausforderungen standen. Die Bilanz zum Projektende in 2017 fiel bei allen Beteiligten positiv aus. Die zehn Schulen haben die Grundlage für eine nachhaltige Schulentwicklungsarbeit geschaffen und sich in relevanten Bereichen verbessern können, beispielsweise in der Senkung des Unterrichtsausfalls und der unentschuldigten Fehltage der Schüler. Die Erfahrungen aus dem Projekt werden jetzt ausgewertet und anschließend Schulverwaltungen und Schulleitungen in anderen Bundesländern zur Verfügung gestellt.

Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Weltweit gingen im vergangenen Jahr Wissenschaftler auf die Straße, um sich für eine faktenbasierte Diskussion und Auseinandersetzung mit Argumenten stark zu machen. Die Frage, wie das Wissenschaftssystem in Zeiten sogenannter „alternativer Fakten“ Vertrauen aufbauen und erhalten kann, beschäftigt auch die Robert Bosch Stiftung GmbH. Mit ihren Projekten schlägt sie eine Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, damit sich beide Seiten besser zuhören und verstehen lernen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf gutem Wissenschaftsjournalismus, der Verständnis für komplexe Zusammenhänge schafft. Und um einem jungen Publikum Lust auf Wissenschaft zu machen, hat die Stiftung im vergangenen Jahr das SILBERSALZ-Wissenschaftsfilmfestival ins Leben gerufen. Die erste Veranstaltung findet Ende Juni 2018 in Halle/Saale statt. „In Zeiten von Fake News und Echokammern fördern wir mit neuen Kommunikationsformaten den offenen und faktenbasierten Dialog zwischen wissenschaftsfernen Bürgern und der Wissenschaft“ so Geschäftsführerin Uta-Micaela Dürig. „Unser Ziel ist es, das Verständnis über und Vertrauen in unabhängige Forschung zu stärken.“

Gesundheitsversorgung von morgen

In den kommenden Jahren wird die Zahl der chronisch und mehrfach erkrankten Menschen weiter zunehmen. Gleichzeitig stehen weniger Fachkräfte zur Verfügung, vor allem in strukturschwachen Regionen. Deshalb unterstützt die Robert Bosch Stiftung GmbH mit dem Programm "PORT - Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung" seit dem Frühjahr 2017 bundesweit fünf Initiativen bei der Umsetzung modellhafter lokaler Gesundheitszentren. Die künftigen PORT-Zentren sollen die umfassende Grundversorgung der Bevölkerung in einer Region gewährleisten und eine bessere Versorgung von chronisch kranken Menschen aus einer Hand ermöglichen.

Auch die Pflege steht angesichts des akuten Fachkräftemangels vor großen Aufgaben. Hier setzt das Projekt "360° Pflege - Qualifikationsmix für den Patienten" an. Im Auftrag der Stiftung haben Experten aus unterschiedlichen Versorgungssektoren zwei Jahre lang an Lösungen und Strategien gearbeitet, wie die Zusammenarbeit im Team besser gelingen und der Pflegeberuf durch neue Karrieremöglichkeiten attraktiver werden kann. Die Handlungsempfehlungen der Experten wird die Stiftung im Frühjahr 2018 veröffentlichen.

Weitere Neuerungen in der Robert Bosch Stiftung

Seit 1. September 2017 führen Sandra Breka (45) und Dr. Hans-Werner Cieslik (57) gemeinsam mit Prof. Joachim Rogall (58) und Uta-Micaela Dürig (53) die Geschäfte der Robert Bosch Stiftung. Sandra Breka leitete bislang die Berliner Repräsentanz der Stiftung und war vor ihrem Eintritt in die Stiftung 2001 in verschiedenen Institutionen im Bereich der internationalen Beziehungen tätig. Hans-Werner Cieslik, der bisherige Generalbevollmächtigte, arbeitete 19 Jahre lang für das Unternehmen Bosch, bevor er 2009 in die Geschäftsleitung der Robert Bosch Stiftung GmbH eintrat. Den Vorsitz des vierköpfigen Geschäftsführungs-Teams übernahm Joachim Rogall.

Zum Jahresbeginn 2018 hat die Robert Bosch Stiftung zudem ihr Erscheinungsbild weiterentwickelt. Grundlage des neuen Designs ist die strategische Weiterentwicklung, die die Stiftung in den vergangenen zwei Jahren vorangetrieben hat. Dieser Prozess hat neben einer Fokussierung auf drei inhaltliche Schwerpunkte eine Kultur hervorgebracht, in der Offenheit, Vielfalt und Vertrauen eine noch größere Rolle spielen als bisher.

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Chiara Josten, Referentin
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Michael Herm, Referent
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