Wir in Europa - ein Perspektivwechsel

Grenzen ohne Stacheldraht, Reisefreiheit, Meinungsfreiheit. In einer Ausgabe des Tagesspiegel schreiben Exiljournalisten aus Syrien, der Türkei, Ägypten und Gambia über Europas Errungenschaften – es ist ein anderer, erfrischender Blick auf die EU.

Dorothee Nolte | Mai 2019
Gespräch am Tisch
Foto: Ali Ghandtschi

Für die Tagesspiegel-Beilage „Wir in Europa“ sprachen Exiljournalisten mit Menschen, die schon lange in Europa leben - hier der Syrer Hareth Almukdad

Europa: ein Traum. Man fährt mit dem Bus über die Grenze und merkt es gar nicht, man schläft einfach weiter und wacht in einem anderen Land auf. Kann das wahr sein? Oder ist es ein Traum?

Wo sind die Minenfelder?

Hareth Almukdad aus Syrien erzählt, wie erstaunt er war, als er im Bus, von Deutschland kommend, in Tschechien aufwachte: „Wie konnte es sein, dass wir so einfach die Grenze passiert hatten? Wo sind die Stacheldrahtzäune? Und wo die Minenfelder? Warum sehe ich keine schwer bewaffneten Soldaten, die die Reisenden in Angst und Schrecken versetzen?“ Aus den arabischen Ländern ist der 32-Jährige ganz anderes gewöhnt. Dort kann man von europäischen Verhältnissen nur träumen: „Unser Traum ist eine Union, die uns so miteinander vereint, wie es die Europäische Union tut“, sagt Almukdad. „Eine Union mit ähnlicher Innen- und Außenpolitik der Mitgliedsstaaten, die zusammen eine große Wirtschaftsmacht bilden. Ein Verbund, dessen Bürger sich über die Staatsgrenzen hinweg sicher, einfach und frei hin und her bewegen können.“ Das wird, so fürchtet der Journalist, ein Traum bleiben.

Eindrücke von der neuen europäischen Heimat

Viele Europäer halten die Reise- und Meinungsfreiheit für selbstverständlich – welch hoher Wert das ist, wissen Geflüchtete oft besser zu würdigen. In einer neuen Tagesspiegel-Beilage unter dem Titel „Wir in Europa“ schreiben Exiljournalisten über ihre Eindrücke von der neuen europäischen Heimat: Wie verändern sich die Neuankömmlinge durch die Begegnungen mit den Einheimischen? Welche Befürchtungen haben sie vor der Europawahl? Wie halten syrische Familien, die in verschiedenen europäischen Ländern gelandet sind, miteinander Kontakt? Verändert sich die Persönlichkeit durch das Erlernen einer neuen Sprache? Und was können Geflüchtete tun, um den Rechtsruck aufzuhalten?