Integration in Europa und Ostasien: Ein Blick über den Tellerrand

Wer in Deutschland an Migration denkt, hat schnell Bilder von überfüllten Booten auf dem Mittelmeer oder deutschen Erstaufnahmelagern im Kopf. Doch wofür stehen Migration und Integration in Südkorea oder Japan? Die EPRIE-Teilnehmer 2017 haben sich das vor Ort genauer angeschaut.

Julia Sonntag | März 2018

Im sechsten Jahrgang des Exchange Program for Regional Integration in East Asia and Europe (EPRIE) ging es auf Stationen in Japan und Korea darum, einen vergleichenden Blick auf den Umgang mit Migration in Europa und Asien zu werfen – und sich im Gespräch mit Aktivisten, Geflüchteten und weiteren Teilnehmern über eigene Identitäten und Privilegien bewusst zu werden.

Sina Schindler

„Oft kann man von persönlichen Erfahrungen mehr lernen als durch Zahlen und Statistiken“

Sina Schindler ist Doktorandin der Medien- und Kulturwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie setzt sich in ihrer Arbeit damit auseinander, wie sich die (Integrations-) Erwartungen der Gesellschaft auf die Identitäten von Menschen auswirken, die eine Migrationsgeschichte haben. Als Forscherin mit koreanischen Wurzeln ist sie sich sicher, dass man sich mehr als einer Sache, einem Land oder einer Kultur zugehörig fühlen kann. Die Teilnahme an EPRIE und Besuche bei NGOs in Busan, Seoul und Tokyo haben ihr erneut bewusst gemacht, wie wichtig die Einbeziehung möglichst vieler Sichtweisen in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion um Migration und Integration ist. „Die Erfahrungen in Südkorea und Japan haben mir gezeigt, dass ich vieles immer noch aus einer sehr europäischen Perspektive betrachte und wie wichtig ein transnationaler Blick auf Migration ist.“

Jotaro Kato

„Identitäten werden nicht von der Regierung festgelegt, sondern du entscheidest selbst!“

Jotaro Kato engagiert sich für die Rechte burmesischer Zugewanderter in Tokio und vergleicht in seiner Forschung Integrationsansätze in Japan und Europa. Täglich erlebt er in seiner Arbeit, wie ein unsicherer rechtlicher Status und ein Gefühl der Ablehnung durch Behörden und Nachbarn migrierte Menschen über Jahre in einer heimatlosen Schwebe halten. Jotaro ist sich sicher, dass sich Menschen mit einer Migrationsgeschichte in der neuen Heimat nur dann wirklich zu Hause fühlen, wenn sie ein Minimum an rechtlicher Sicherheit und Akzeptanz erfahren. Das ist in Japan nicht immer einfach. Die japanische Gesellschaft definiert sich stark über ihre ethnische Homogenität und sieht sich nicht als klassisches Einwanderungsland. Viel Motivation zieht Jotaro aus dem Alumni-Netzwerk von EPRIE: Der Erfahrungsaustausch mit anderen Programmteilnehmern hat ihn dazu ermutigt, neben seiner praktischen Arbeit über das Thema Integration zu promovieren. 

EPRIE 2018 wird sich mit einem neuen, brisanten Thema beschäftigen: „Media in times of populism and post-truth politics – challenges and opportunities“. Soziale Medien, Hate Speech und die Zukunft des Journalismus spielen dabei eine zentrale Rolle, natürlich auch wieder aus einer vergleichenden asiatisch-europäischen Perspektive. Bist Du Journalistin, forschst Du zum Thema Medien, studierst du Regionalwissenschaften oder arbeitest Du in einer NGO? Dann bewirb Dich jetzt bis zum 8.4.2018 über diesen Link!“

Sina Schindler berichtet über ihr Verständnis von Integration und welchen Wert der europäisch-asiatische Austausch für sie hat

Video zu EPRIE 2017