Filmpreis für neue deutsch-arabische Produktionen

Von der Storyline zum Dreh: Drei deutsch-arabische Filmteams aus Ägypten, Libanon und Deutschland können ihre Filmprojekte verwirklichen. Sie erhielten den diesjährigen Filmpreis für internationale Zusammenarbeit der Robert Bosch Stiftung. Mit dem Preisgeld in Höhe von insgesamt 180.000 Euro produzieren die Gewinner ihre Filme, in denen sie aktuelle Themen wie die Langzeitfolgen politischer Verhaftungen und Homosexualität aufgreifen.

Robert Bosch Stiftung | Februar 2019
Die Gewinner feiern auf der Bühne
David Ausserhofer

Die Gewinner des Filmpreises 2019 auf der Bühne des HAU Hebbel am Ufer (HAU1).

Am Ende der Preisverleihung in Berlin standen drei deutsch-arabische Filmteams jubelnd auf der Bühne des Berliner Theaters HAU Hebbel am Ufer. Sie hatten die Jury aus internationalen Experten der Film- und Festivalbranche von ihren Filmprojekten überzeugt und erhielten den diesjährigen Filmpreis für Internationale Zusammenarbeit der Robert Bosch Stiftung. Mit dem Preisgeld gehen die Filmprojekte in Produktion.

Nominiert waren insgesamt zehn deutsch-arabische Filmteams. Sie entwickelten ihre Ideen in den vergangenen Monaten beim Project Lab in Kairo und Dahshur in Ägypten weiter. Mit Experten aus der Filmindustrie diskutierten sie die Besonderheiten internationaler Koproduktionen und probten ihre Präsentation vor der Filmpreisjury beim Pitch Forum in Berlin.

Die ausgezeichneten Filmprojekte

Die jungen Filmemacher wagen sich in diesem Jahr an schwierige Stoffe heran, indem sie die Langzeitfolgen politischer Verhaftungen oder Homosexualität thematisieren. Der fiktionale Kurzfilm „Homeless Hearts“ erzählt die Geschichte zweier Scharfschützen, die im libanesischen Bürgerkrieg einen Zugang zur Stadt Beirut überwachen und dort, verschanzt hinter Mauern und misstrauisch beäugt von anderen Soldaten, ihre Zuneigung zueinander entdecken.

Ausschließlich mit Archivmaterial will der deutsch-libanesische Dokumentarfilm „Do you love me“ ein Mosaik der libanesischen Nachkriegsgesellschaft schaffen. In essayistischer Art kombiniert er Filmfragmente aus dem libanesischen Bürgerkriegs- und Nachkriegsalltag und verwebt diese Sequenzen mit dem Leben zweier Generationen der berühmten Musikerfamilie Bendaly in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren.

Auf seine Familiengeschichte blickt der ägyptische Filmemacher Bassam Mortada mit „Abo Zabaal 1989“. Er spürt in seinem Dokumentarfilm den Folgen nach, die die politisch motivierte Verhaftung seines Vaters im Jahr 1989 für Familie und Weggefährten bis heute hat. Die Jury lobte das mutige Projekt, das „auf faszinierende Weise untersucht, wie Kulturen des Widerstandes und die Traumata politischer Unterdrückung von Generation zu Generation weitergereicht werden – ein Film, der uns gleichzeitig Hoffnung macht, dass Veränderung möglich ist.“

Mit einer lobenden Erwähnung bedachte die Jury in diesem Jahr das deutsch-tunesische Projekt „Fouledh“. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von vier Arbeitern in Tunesiens größter Stahlfabrik, die unter der psychischen und körperlichen Belastung ihres Jobs leiden. Inmitten einer politisch und sozial angespannten Lage wirft sie der Verlust eines Kollegen zunächst aus der Bahn, bevor es ihnen gelingt, gemeinsam darüber hinwegzukommen.