100 Jahre Württembergische Landesbühne: „Wo wir bereit sind, aufeinander zu hören“

Dank des Engagements von Robert Bosch nahm die Württembergische Landesbühne in Esslingen vor 100 Jahren den Spielbetrieb auf. Auf dem Programm stand damals wie heute die Premiere von „Kabale und Liebe“. Doch nicht nur Schillers Drama in fünf Akten ist aktuell geblieben. Auch die Stimmung in der Gesellschaft ähnelte vor 100 Jahren der heutigen, wie Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung, in seinem Grußwort zum Jubiläum hervorhob.

Robert Bosch Stiftung | September 2019
Szene aus dem Stück „Kabale und Liebe“
Patrick Pfeiffer für WLB

Nach 100 Jahren feiert die Landesbühne Esslingen ihr Jubiläum mit einer neuen Produktion von „Kabale und Liebe“. Das Drama in fünf Akten von Friedrich Schiller aus der Zeit des Sturm und Drang stand auch zur Eröffnung auf dem Spielplan: Im September 1919 startete die „Schwäbische Volksbühne“ als neue Abteilung des von Robert Bosch gegründeten Vereins zur Förderung der Deutschen Volksbildung mit „Kabale und Liebe“ in Göppingen. Aus der Schwäbischen Volksbühne wurde im Laufe der Jahre die Württembergische Landesbühne.

Porträtbild von Joachim Rogall
Björn Hänssler

Aus dem Grußwort von Prof. Dr. Joachim Rogall

Es zeichnete den Unternehmer und Philantropen Robert Bosch zeitlebens aus, dass ihm, wie er in seinem Testament schrieb, „die Hebung der geistlichen, gesundheitlichen und sittlichen Kräfte des Volkes“ ein Herzensanliegen war. 

In diesem Sinne hat er nicht nur neben vielem anderen das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus gestiftet und die Versöhnung mit Frankreich betrieben, sondern auch die sogenannte Volksbildung unterstützt. Dies nicht zuletzt durch die noch vor Ende des Ersten Weltkriegs, am 1. Mai 1918 in Stuttgart erfolgte Gründung des „Vereins zur Förderung der Volksbildung“.

Verein zur Förderung der Volksbildung

Robert Bosch blieb viele Jahre lang dessen Vorsitzender, erster Direktor wurde sein Freund Theodor Bäuerle. Bäuerle schrieb 1931, dass ohne die Hilfe von Robert Bosch und die Weitherzigkeit seiner Auffassung der Verein seine Arbeit weder beginnen noch in seiner Unabhängigkeit weiter hätte führen können. 

Eines der ersten Kinder dieser Verbindung und des Vereins war die Württembergische Volksbühne, deren 100-jähriges Jubiläum wir feiern. Es ist sehr berührend, bei Theodor Bäuerle in seiner Würdigung der Verdienste Robert Boschs um die Volksbildung zu lesen, was diesen zu seinem großzügigen Engagement für die Volksbildung veranlasst hat.

Stätte der Begegnung

„Die Zerrissenheit unseres Volkslebens, die Entfremdung der Bürger voneinander, der Hass und das gegenseitige Sich-nicht-Verstehen sind so groß, dass wir Stätten der Begegnung brauchen, wo wir uns in einer gemeinsamen menschlichen Haltung treffen und bereit sind, aufeinander zu hören.“ Das könnte genauso gut über unsere gegenwärtige Lage in Deutschland geschrieben werden. 

In diesem Sinne wünsche ich der Württembergischen Landesbühne, dass sie auch weiterhin im Geiste ihrer Gründerväter eine solche Stätte der Begegnung ist und bleibt, und damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Festigung des gesellschaftlichen Zusammenhalts unseres Landes leistet.“

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