Trainee bei der Stiftung: „Jede Station ist eigentlich zu kurz“

Fabia Göhring und Lukas Brück sind die Trainees der Robert Bosch Stiftung. Das Traineeprogramm richtet sich an motivierte und ambitionierte Hochschulabsolventen, die das Stiftungsmanagement in der Praxis kennenlernen möchten. Im Gespräch erzählen sie von ihren Erfahrungen und Herausforderungen.

Robert Bosch Stiftung | Mai 2019
Fabia Göhring, Lukas Brück
M. Fuchs

Wie kamen Sie auf das Traineeprogramm der Robert Bosch Stiftung?

Lukas Brück: Ich hatte bereits mehrfach Kontakt zur Robert Bosch Stiftung: als Teilnehmer der Schulbrücke Europa, später als Mitglied der ersten Cohort und aktiver Alumnus von FutureLab Europe (seit 2011) und im Projekt „Europamobil“. Alle diese Vorhaben waren für mich eine große Bereicherung. Als ich dann während eines Aufenthalts bei der Global Partnership for Education (GPE) erneut mit der Stiftung im Bereich Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit in Berührung kam, war für mich klar: Ich möchte mich für eine Traineestelle bewerben. Denn das Programm ist thematisch breit aufgestellt und bietet die Möglichkeit, sich umfassende Fähigkeiten im Projektmanagement anzueignen.

Fabia Göhring: Für mich dagegen war die Stiftung Neuland. Kurz vor Ende meines Studiums der Internationalen Beziehungen stieß ich auf der Webseite auf das Traineeprogramm. Ich war begeistert von der Bandbreite der Projekte, die viele Themen aus meinem Studium aufgreifen, von Zivilgesellschaft bis zur Konfliktmediation, von der EU bis nach China. Das Traineeprogramm ist für mich die große Chance, als Antwort auf die theoretischen Fragen meines Studiums konkrete Projekte kennenzulernen und diese mitzugestalten.
 

Wie war Ihr erster Eindruck von der Robert Bosch Stiftung?

Fabia Göhring: Anfangs überwältigten mich die vielen neuen Eindrücke. Denn jeden Tag bekomme ich neue Denkanstöße.

Lukas Brück: Mir fiel direkt die große Wertschätzung im Haus gegenüber uns Trainees auf. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal ob in Projektmanagement oder Geschäftsführung, haben jederzeit ein offenes Ohr und gewähren Einblick in ihre Arbeit. Außerdem bekommt man schnell Verantwortung übertragen. Dieser Eindruck ist bis heute unverändert positiv.
 

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Fabia Göhring: Einen „typischen“ Arbeitstag gibt es eigentlich nicht, wir werden stets mit Neuem konfrontiert.

Lukas Brück: Ja, das erlebe ich ebenso. Welche Tätigkeiten anstehen, hängt stark von der jeweiligen Station ab. In den Themenbereichen (TB) ist anderes zu tun als in der Rechtsabteilung oder in dem Team, das die TBs in der Wirkungsmessung unterstützt.

Die interne Arbeits- und Diskussionskultur empfinde ich als unglaublich inspirierend.

Fabia Göhring: Wichtig ist auf jeden Fall das „Handwerkszeug“ des Projektmanagements: die Bearbeitung von Anträgen, die Wirkungslogik von Projekten, Finanzpläne etc. Hinzu kommen Veranstaltungsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. Aktuell arbeitet die Stiftung zudem an der strategischen Weiterentwicklung ihrer Förderung. Zu diesem Zweck wurden verschiedene AGs eingerichtet, in denen auch Lukas und ich mitarbeiten. Man löst sich dabei von der alltäglichen Arbeit und fragt: Was sind die großen Herausforderungen unserer Zeit und wie können wir als Stiftung einen Beitrag leisten? Diese interne Arbeits- und Diskussionskultur empfinde ich als unglaublich inspirierend.

Lukas Brück: Auch ich bin Mitglied einer solchen AG zur strategischen Weiterentwicklung. Dort bereite ich mit anderen ein Thema auf und formuliere dann eine Entscheidungsvorlage für die anstehende Kuratoriumssitzung. Diese Aufgabe ist sehr spannend, denn wir arbeiten bereichs- und hierarchieübergreifend, nehmen neue Themen in den Blick, ziehen erfahrene, internationale Consultants hinzu und haben viel Gestaltungsspielraum und Eigenverantwortung. Für mich ist dies ideal, um meine Erfahrungen aus der GIZ, GPE und meinem Studium einzubringen. Im Alltagsgeschäft der TBs steht dagegen ganz klar das Projektmanagement im Zentrum: Angebote einholen, Abrechnungen vornehmen, Zwischen- und Abschlussberichte überprüfen oder Bewerberrunden planen. Eine andere Seite erlebte ich in Finanzbuchhaltung und Controlling; ein echter Perspektivwechsel, den ich als sehr bereichernd empfinde. So habe ich nun beispielsweise ein viel besseres Verständnis darüber, wie die Stiftung ihren Finanzplan aufstellt oder wie eine Anlagestrategie aussieht, die auch in Jahren einer niedrigeren Dividende sicherstellt, dass die Ausgaben für Personal und Förderung finanziert sind. Alles in allem sind es sehr vielseitige Tätigkeiten.
 

Was sind die großen Herausforderungen und wie meistern Sie sie?

Lukas Brück: Als eine spannende Herausforderung empfinde ich es, mich in immer wieder neue Themen einzuarbeiten. Dieser Wechsel wird aber durch großartige Teams, die einen schnell integrieren, und durch sehr interessante Aufgaben mehr als ausgeglichen.

Das Lernen auf so vielen Ebenen – inhaltlich, methodisch, kulturell – begeistert mich jeden Tag neu.

Fabia Göhring: Für mich ist die größte Herausforderung, dass eigentlich jede Station zu kurz ist. Die Zeit reicht nie aus, um all das, was man lernen könnte, mitzunehmen. Kaum hatte ich das Gefühl, im Arbeitsalltag des TB „Völkerverständigung Amerika und Asien“ angekommen zu sein, hieß es: Sachen zusammenpacken und weiterziehen. Der Blick auf ferne Länder wurde abgelöst vom Blick aufs eigene Haus, denn die Personalabteilung wartete auf mich – ein Neuanfang mit neuen Teamstrukturen, anderen Computerprogrammen und Inhalten. Danach folgt die Berliner Repräsentanz und zurück in Stuttgart der TB Gesellschaft. Dann noch der Zentralbereich, die Kommunikationsabteilung, eine externe Station und zum Abschluss der zwei Jahre wieder ein TB, dieses Mal die Gesundheit. Am Ende jeder Station muss man sich von all „seinen“ Projekten verabschieden. Zwar bleiben sie greifbar nah, doch ein neuer Schreibtisch mit neuen Aufgaben wartet. Ich versuche, jeden Moment im Team zu nutzen, meine Kapazitäten gut aufzuteilen, mich zu strukturieren und Prioritäten zu setzen.
 

Was zeichnet das Traineeprogramm der Robert Bosch Stiftung für Sie besonders aus?

Lukas Brück: Ich schätze es sehr, die verschiedenen Aspekte der Projektadministration intensiv kennenzulernen und vielseitige Fach- und Managementkompetenzen für meinen weiteren beruflichen Werdegang zu erlangen. Auf diese Weise baue und verstärke ich quasi das Fundament für meine berufliche Zukunft: Ich möchte strategisch arbeiten, ein großes Netzwerk aufbauen, neue Projekte planen und antizipierend verschiedene Aspekte und Kriterien berücksichtigen. All das wird sich positiv auf eine reibungslose Neuplanung wie auch Durchführung von Projekten auswirken.

Fabia Göhring: Als Trainees haben wir die Chance, die Stiftung aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Heute beschäftige ich mich in einem Team mit inhaltlichen Fragen. Morgen bin ich Teil eines anderen Teams und betrachte das Projekt aus einer neuen Perspektive, etwa wie man Inhalte rechtlich umsetzt, wie man sie kommuniziert oder eine Veranstaltung dazu organisiert. Dieses Lernen auf so vielen Ebenen – inhaltlich, methodisch, kulturell mit Projektpartnern im In- und Ausland – begeistert mich jeden Tag aufs Neue.

 

Lukas Brück hat das Traineeprogramm und die Robert Bosch Stiftung im Dezember 2019 verlassen. Er entschied sich dafür, sein großes Interesse und fachliches Know-how für das Thema „Bildung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit“ nun als Berater unmittelbar beruflich umzusetzen.