Leidenschaftlicher Einsatz: Zwei Mitarbeiterinnen erzählen von ihrem Ehrenamt

Ehrenamtlicher Einsatz und bürgerschaftliches Engagement sind Kriterien, die in vielen Projekten der Robert Bosch Stiftung eine wichtige Rolle spielen. Das gilt auch für die Mitarbeiterinnen Marika Baur, Projektmanagerin Völkerverständigung Europa und seine Nachbarn, und Brigitte Stähle, Projektmanagerin Gesundheit. Doch das Thema geht bei ihnen weit über ihre berufliche Tätigkeit hinaus: Beide engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich, und das so intensiv wie beeindruckend.

Robert Bosch Stiftung | Juli 2018
Tobias Bohm

Das Wissen, „dass viele tolle Menschen überall auf der Welt ihren Teil dazu beitragen, das Zusammenleben zu verbessern“, erlebt Marika Baur als große Inspiration.

Von der Betroffenheit zum Engagement

„Als meine Tochter 1985 mit Mukoviszidose geboren wurde, sprach man von einer Lebenserwartung von 14 Jahren bei dieser schweren Erkrankung“, erinnert sich Brigitte Stähle. „Nur zarte Anfänge in Therapie und Forschung“ habe es damals gegeben. Stähle wurde aktiv, machte sich kundig, recherchierte viel, trat einer Selbsthilfegruppe bei und verweist dankbar auf Christiane Herzog, die Ehefrau des früheren Bundespräsidenten, die diese Krankheit publik machte und von 1986 bis 2000 Schirmherrin des Vereins Mukoviszidose e.V. war. Brigitte Stähle ist heute Mitglied im dortigen Bundesvorstand, im Vorstand des Landesverbandes Baden-Württemberg und fungiert als Sprecherin der Regionalgruppe Stuttgart.

Stimme sein und Mut machen

„Ich kann weder finanziell noch politisch viel bewegen“, erklärt sie. „Aber ich kann mich einsetzen, Verantwortung übernehmen, öffentlich auftreten, Vorträge halten, Mut machen, die Stimme der Betroffenen sein und ihnen somit helfen. Aus all dem schöpfe ich selbst sehr viel Kraft.“ Unzählige Abende und Wochenenden widmet sie diesen und weiteren ehrenamtlichen Aktivitäten für chronisch kranke Menschen und deren Familien, z.B. als Mitglied im Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen Baden-Württemberg, als Mitglied im Landesbehindertenbeirat Baden-Württemberg oder als Patientenvertreterin im Landeskrankenhausausschuss. „Mein Privatleben ist mein Engagement“, sagt Brigitte Stähle.

Aus Überzeugung aktiv

Bei Marika Baur ist das derzeit ähnlich, auch wenn ihre Inhalte andere sind. „Ich bin Gründerin und im Vorstand des vor zwei Jahren gegründeten Netzwerks Social Entrepreneurship BW. Wir setzen uns für verantwortungsvolles Wirtschaften in Baden-Württemberg ein, also für ein Konzept, in dem Unternehmen mit marktwirtschaftlichen Mitteln einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.“ Zahlreiche Veranstaltungen, Netzwerkarbeit, Fundraising und Kontaktpflege des gemeinnützigen Vereins nehmen viel Zeit in Anspruch. Während ihres Masterstudiums (Kommunikation und Kulturmanagement) an der Zeppelin Universität fing Baur Feuer und war begeistert. „Die konsequent transsektorale Natur und die Wirksamkeit des Konzepts haben mich überzeugt. Ich möchte selbst etwas zu seinem Erfolg beitragen“, erklärt sie. „Der Einsatz für eine bessere Welt, auch wenn das vielleicht platt klingt, treibt mich an. Wir müssen lernen, uns umzustellen, und es gibt Wege, dies erfolgreich zu schaffen.“ Ihr großer Wunsch ist es, die bisher ausschließlich ehrenamtliche Vorstandsarbeit auf ein dauerhaftes Fundament zu stellen, etwa durch eine feste Stelle. „Wir haben rein ehrenamtlich schon viel erreicht. Aber das kann kein Dauerzustand sein“, sagt sie deutlich.

Stiftungsarbeit inspiriert und stärkt

Wie ergänzen sich bei Brigitte Stähle und Marika Baur die berufliche Arbeit und das private Engagement? „Die Stiftungserfahrung hilft mir dabei, die Relevanz meines Ehrenamts angesichts bereits bestehender Initiativen zu bewerten und zu optimieren“, erklärt Baur. Die Zusammenarbeit mit Stiftungspartnern und das Wissen, „dass viele tolle Menschen überall auf der Welt ihren Teil dazu beitragen, das Zusammenleben zu verbessern“, erlebt sie als große Inspiration. „Unser Stifter und sein Einsatz für Gesundheit motivieren mich sehr“, sagt Brigitte Stähle voller Überzeugung. Im September 2017 war sie Gast auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten als eine von 4000 ausgewählten Engagierten aus ganz Deutschland. Der Hinweis nach Berlin kam von der Stiftung. „Dass mich meine Kollegen vorgeschlagen haben, empfinde ich als große Ehre und Wertschätzung meiner ehrenamtlichen Arbeit.“ Ihre Tochter habe ihr direkt dazu gratuliert. Sie lebt heute trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen weitgehend selbstständig und ist berufstätig.

Brigitte Stähle und Marika Baur
Michael Fuchs

Brigitte Stähle und Marika Baur engagieren sich neben dem Beruf auch ehrenamtlich.