Elternzeit ist kein Karriereknick!

Wenn ein Paar ein Kind erwartet, bringt dies viele Veränderungen mit sich. Angehende Mütter und Väter überlegen, ob und wie lange sie in Elternzeit gehen. Und möchten natürlich wissen, was dies für ihre berufliche Weiterentwicklung bedeutet. Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter der Stiftung berichten von ihren Erfahrungen.

Robert Bosch Stiftung | Dezember 2018
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Pressereferentin Julia Rommel ist zweifache Mutter; ihre Kinder kamen 2014 und 2017 auf die Welt. Sebastian Jacob (Referent der Geschäftsführung) hat ebenfalls zwei Kinder. Sie wurden 2015 und 2017 geboren. Beide haben sich für jeweils zwei Elternzeitphasen von rund einem Jahr entschieden. Und beide arbeiten heute auf einer 75-Prozent-Stelle.

Dinge auf sich zukommen lassen

„Man kennt sich ja selbst vorher nicht als Mutter und kann daher kaum abschätzen, was das Leben mit Kind bedeutet“, erklärt Julia Rommel. „Aber es war für mich bei beiden Schwangerschaften klar und mit dem Vorgesetzten abgesprochen, dass ich möglichst nach einem Jahr wieder in mein Team in der Strategischen Kommunikation zurückkehre“, erinnert sie sich. Die Personalabteilung habe Offenheit signalisiert und ihr gleichzeitig geraten, die Dinge auf sich zukommen zu lassen. „Das hat mir gut getan und Sicherheit gegeben“, sagt sie. „Ich habe schon etwas Zeit gebraucht, um gedanklich aus dem intensiven Arbeitsalltag auszusteigen“, so Julia Rommels Erinnerung. Zumal ihre erste Schwangerschaft genau in die Feiern des 50-jährigen Jubiläums der Stiftung fiel. „Wir waren in der Kommunikation sehr gefordert.“ Aber beim zweiten Kind „ging das Umschalten dann ganz schnell“. In dieser Phase hatte ihre ältere Tochter bereits einen Platz in der Betriebskita „Heidehüpfer“, ein „tolles Angebot des Arbeitgebers, das mir viel Stress bei der Suche für einen Betreuungsplatz erspart und den Rücken freigehalten hat“, so Julia Rommel.

Offen für neue Aufgaben

Für Sebastian Jacob stand schon früh fest, dass er bei beiden Kindern die Familienauszeit nimmt, denn: „Ich nehme die Gleichberechtigung ernst und wollte gemeinsam mit meiner Frau, die selbstständig tätig ist, die neue Situation ganz bewusst angehen.“ Als Mann gehört er damit zu einer Minderheit. „Meine Entscheidung wurde im Haus sehr positiv aufgenommen, vor allem auch von den Kolleginnen.“ Sebastian Jacob kam 2012 zur Stiftung und hatte seitdem verschiedene Aufgaben inne. Vor seiner zweiten Elternzeitphase war er Senior Projektmanager im Themenbereich Gesellschaft. Seit dem Wiedereinstieg 2018 arbeitet er als Referent des Vorsitzenden der Geschäftsführung.

In Kontakt bleiben

Julia Rommel und Sebastian Jacob betonen, wie wichtig es sei, frühzeitig mit Vorgesetzten und Personalabteilung zu sprechen. Das gelte sowohl zu Beginn der Schwangerschaft, denn es geht für das Team dann darum, zügig eine gute Vertretungsregelung zu finden. Es betreffe aber noch mehr den Wiedereinstieg. „Man sollte den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, sich selber kümmern und vor allem frühzeitig über die Rückkehr sprechen“, rät Sebastian Jacob. Durch personelle und organisatorische Änderungen stellten sich bei ihm Fragen wie „Wo passe ich gut rein? Und „Wo sehe ich selbst meine persönliche Entwicklung?“.

Frischer Blick nach Rückkehr

Das Jahr Auszeit, so die Erfahrung beider Mitarbeiter, gehe schneller vorbei, als man es anfangs für möglich hält. Aber es gebe dennoch in dieser Zeit viele Veränderungen in der Organisation. „Wie im Zeitraffer und mit einem frischen Blick von außen“ erlebe man diese nach der Rückkehr, so Sebastian Jacob. „Nach der zweiten Elternpause war ich in vielen Dingen routinierter. Ich konnte bestimmte Aufgaben abgeben und so meine reduzierte Arbeitszeit bewusst einhalten“, ergänzt Julia Rommel. Sie hat noch einen wichtigen praktischen Tipp: „Wer einen Kitaplatz gefunden hat, sollte die Eingewöhnungszeit des Kindes beim Termin für die Rückkehr an den Arbeitsplatz bedenken.“

Julia Rommel und Sebastian Jacob

Julia Rommel und Sebastian Jacob