Eine Reise durch die Stiftungswelt

Kristin Patzelt ist Trainee im ersten Jahrgang des stiftungsübergreifenden Traineeprogramms. Neun Stiftungen in Deutschland haben sich 2017 zu dieser Ausbildungspartnerschaft zusammengeschlossen. Die Robert Bosch Stiftung gehört dazu und ist die Heimatstiftung von Kristin Patzelt. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen im Pilotprojekt.

Robert Bosch Stiftung | September 2018
Privat

Kristin Patzelt (rechts) mit ihren Kollegen des stiftungsübergreifenden Traineeprogramms (v.l.n.r.): Julian Claaßen von der Körber-Stiftung, Silja Hinrichs von der Joachim Herz Stiftung und Clara Dewes von der Stiftung Mercator.

Seit April 2017 bin ich Trainee der Robert Bosch Stiftung im stiftungsübergreifenden Traineeprogramm. Es ist ein Pilotprojekt: Der Versuch, gemeinsam Nachwuchs auszubilden, der nicht nur das eigene Haus von Kopf bis Fuß kennt, sondern auch ein Verständnis für die Organisation und Arbeitsweise anderer Stiftungen besitzt. Die Robert Bosch Stiftung gehört bei der Premiere ebenso wie die Stiftung Mercator, die Joachim Herz Stiftung und die Körber-Stiftung zu den Partnerstiftungen – sie bilden jeweils einen Trainee über zwei Jahre aus. Ich bin also nicht allein, sondern habe noch zwei Kolleginnen und einen Kollegen. Mit ihnen treffe ich mich auch regelmäßig für ein gemeinsames Projekt, das sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Stiftungsarbeit beschäftigt. Darüber hinaus gibt es noch fünf sogenannte Poolstiftungen, die ebenfalls für die externen Stationen zur Verfügung stehen.

Begleitung und Weiterbildung von Anfang an

Meine ersten Schritte habe ich im Themenbereich Bildung der Robert Bosch Stiftung im Querschnittsthema Digitalisierung gemacht. Als Neuling in der Stiftungswelt war ich in den ersten Monaten vor allem überwältigt von den vielen Abkürzungen, Informationen und neuen Gesichtern, die es erst einmal kennenzulernen galt. Meine Stiftung lässt einen hier aber nicht allein: Es gibt viele Weiterbildungen, eine individuelle Einarbeitung und sogar ein dreitägiges Einführungsseminar, bei dem man mehr über die Geschichte der Stiftung erfährt, die Bereiche sich vorstellen und man grundlegend ins Projektmanagement eingeführt wird.

Perspektivwechsel in Stabsstellen

Ich bin zu einer Zeit in die Stiftung gekommen, die von vielen Veränderungen geprägt war. Das machte sich im weiteren Verlauf des Traineeprogramms vor allem bei meinen Aufenthalten in den Stabsstellen bemerkbar: Im Zentralbereich, sozusagen das Herz der Verwaltung, drehte sich damals alles um die Einführung eines neuen digitalen Programms für das Projektmanagement. In der Strategischen Kommunikation kam ich mitten in die heiße Phase der Veröffentlichung des neuen Corporate Designs. In der Personalabteilung hieß es dann erneut Perspektivwechsel: Knapp ein Jahr nach meiner eigenen Bewerbung war ich an der Ausschreibung unseres internen Traineeprogramms beteiligt.

Neue Impulse bei externen Stationen

Einer der Höhepunkte des Programms sind für mich die externen Stationen bei den anderen Stiftungen. Je nachdem, welche Stiftungen man kennenlernen und welche Schwerpunkte man setzen möchte, hat man hier die freie Wahl. Ich war im Herbst 2017 zunächst bei der Stiftung Mercator in Essen und beschäftigte mich dort intensiver mit der Förderung von Projekten und der Zusammenarbeit mit externen Partnern. Knapp vier Monate später, im Programm „Zukunft der Demokratie“ bei der Bertelsmann Stiftung, konnte ich an der Neuentwicklung eines Projekts mitwirken, das sich mit dem Vertrauensverlust der Bevölkerung in Internationale Organisationen beschäftigt.

Hohes Lernpensum und schnelle Wechsel

Mit der Entscheidung für das stiftungsübergreifende Traineeprogramm lässt man sich also zweifelsohne auf zwei spannende Jahre ein, in denen die Lernkurve eigentlich permanent steil nach oben geht. Es ist eine Zeit, in der man ein umfassendes Verständnis für die vielfältigen Aspekte der Stiftungsarbeit gewinnt. Dafür sind vor allem großes Interesse und eine Offenheit für die ganze Bandbreite an Themen wichtig, die einem in einer Stiftung so über den Weg laufen können: von der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen über die Feinheiten einer guten Zusammenarbeit im Team bis hin zu Finanzplänen, Verträgen und Rechnungen, um die es sich in einem Projekt natürlich ebenfalls zu kümmern gilt. Es ist aber auch eine Zeit, die von vielen, schnell aufeinander folgenden Wechseln geprägt ist, bei denen man kaum in einem neuen Bereich, einer neuen Stiftung oder einer neuen Stadt angekommen, schon wieder weiterziehen muss. Das Traineeprogramm mit einer Reise zu vergleichen, ist deshalb auch nicht allzu fernliegend: Es ist eine Reise – einmal quer durch die eigene Stiftung und darüber hinaus.

Eine Reise mit vielen Etappen

Kaum zu glauben, aber für mich ist nun bereits die letzte Etappe dieser Reise angebrochen. In den verbleibenden Monaten werde ich in den Themenbereichen Gesundheit und Völkerverständigung noch einmal das vertiefen, was ich bisher gelernt habe, bevor diese intensive Zeit sich ihrem Ende zuneigt.