Wie funktioniert das Projekt?

Die Robert Bosch Stiftung und das Deutsche Polen-Institut verleihen alle zwei Jahre den Karl-Dedecius-Preis für polnische Übersetzer deutschsprachiger Literatur und deutsche Übersetzer polnischer Literatur. Mit diesem Preis werden die Übersetzer für ihren sprachlichen Brückenbau zwischen Deutschen und Polen mit je 10.000 Euro honoriert und unterstützt. Der Preis ist nach Professor Dr. h.c. mult. Karl Dedecius (1921-2016) benannt, dem Nestor der Übersetzer polnischer Literatur und verdienten Vermittler zwischen Deutschland und Polen.

Eine deutsch-polnische Jury wählt die Preisträger aus. Seit 2003 wird dieser Doppelpreis für polnische und deutsche Übersetzer verliehen, Vorgänger war seit 1981 ein (Förder-)Preis für polnische Übersetzer deutscher Literatur. Die Preisträger werden zu einer öffentlichen Veranstaltung der Stiftung Karl-Dedecius Literaturarchiv an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) eingeladen.

An wen richtet sich das Projekt?

Kandidaten für den Karl-Dedecius-Preis können von Verlagen oder Autoren, aus der Fachwelt und der interessierten Öffentlichkeit dem Deutschen Polen-Institut vorgeschlagen werden. Eigenbewerbungen von Übersetzern sind ebenfalls möglich.

Wo findet das Projekt statt?

Die festliche Preisverleihung findet abwechselnd in Krakau und Darmstadt statt.

Wer steckt dahinter?

Das Deutsche Polen-Institut Darmstadt berät Bewerber, koordiniert die Auswahl der Kandidaten durch eine Fachjury und organisiert die Preisverleihung.

Wer war Karl Dedecius?

Karl Dedecius, 1921 in Lodz/Polen geboren, war eine der wichtigsten Persönlichkeiten für die Vermittlung polnischer Literatur und Kultur in Deutschland. Nach Kriegsende und russischer Gefangenschaft baute er sich 1952 langsam eine Existenz im Westen auf, die ihm anfangs nur nach getaner Arbeit erlaubte, sich seiner Leidenschaft für die polnische Literatur und ihrer Übersetzung zu widmen. Seine Ausdauer wurde 1959 mit der Herausgabe der ersten Anthologie „Lektion der Stille“ belohnt. Unermüdlich übersetzte er darüber hinaus polnische Schriftsteller wie Zbigniew Herbert, Stanisław Jerzy Lec, Czesław Miłosz, Tadeusz Różewicz und Wisława Szymborska ins Deutsche. 1979 initiierte er das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt, dessen Direktor er bis 1997 blieb. Neben seinen zahlreichen Übersetzungen gelten die 50-bändige „Polnischen Bibliothek“, an der er 20 Jahre arbeitete, und das siebenbändige „Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts“, als seine Hauptprojekte. Beide schloss er im Jahr 2000 ab.

Dedecius wurde vielfach gewürdigt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1990 und dem Orden des Weißen Adlers neun Jahre später in Polen. 2010 ehrte ihn die Deutsche Nationalstiftung mit dem Nationalpreis „als Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland“. Professor Dr. h.c. mult. Karl Dedecius, einer der letzten Vertreter der Kriegs- und Versöhnungsgeneration, verstarb am 26. Februar 2016 im Alter von fast 95 Jahren in Frankfurt am Main. Sein Lebenswerk ist heute zum Inbegriff der deutsch-polnischen Verständigung geworden.

Die Preisträger 2003 bis 2017

2003: Krzysztof Jachimczak und Hans-Peter Hoelscher-Obermaier
2005: Maria Przybyłowska und Olaf Kühl
2007: Tadeusz Zatorski und Martin Pollack
2009: Renate Schmidgall und Ryszard Wojnakowski
2011: Esther Kinsky und Ryszard Turczyn
2013: Jakub Ekier und Bernhard Hartmann
2015: Katarzyna Leszczyńska und Sven Sellmer
2017: Eliza Borg und Lisa Palmes