Interdisziplinär

Jahrgang 2017 bis 2019

Patienten mit seltenen neurologischen Erkrankungen haben oftmals eine Odyssee hinter sich, bevor eine Diagnose gestellt wird. Der Schwerpunkt der Neurowissenschaftlerin Bettina Balint liegt auf seltenen Bewegungsstörungen, insbesondere solche, die in die Querschnittsbereiche Neuroimmunologie und Neurogenetik fallen. Ihre Forschung hat eine bessere Erkennung und Diagnostik dieser Erkrankungen, sowie ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen zum Ziel, um letztlich auch bessere Therapieansätze entwickeln zu können. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute of Neurology, University College London, und am Nuffield Department of Clinical Neuroscience, University of Oxford, arbeitet sie interdisziplinär mit Biologen, Immunologen und Genetikern zusammen. Solche Kollaborationsprojekte ermöglichten bspw. die Erstbeschreibung einer neuen Stiff-Person-Syndrom-Variante mit DPPX-Antikörpern, sowie eine erste systematische Herangehensweise hinsichtlich des wachsenden Spektrums autoimmuner Bewegungsstörungen und deren Parallelen zu genetischen Erkrankungen.

Franziska Bergmanns Forschungsinteressen liegen im Bereich der Neueren deutschen Literaturwissenschaft. Während sich die Trierer Germanistin in ihrer Dissertation aus komparatistischer Perspektive mit Geschlechtertransgressionen in Theatertexten der Gegenwart beschäftigt hat, untersucht sie in ihrem aktuellen Projekt den Zusammenhang von Sinneswahrnehmung und Exotismus in der deutschsprachigen Literatur vom ausgehenden 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Das Projekt geht von der These aus, dass sich der Exotismus als ein westeuropäischer Diskurs beschreiben lässt, der tatsächlichen oder imaginierten Elementen einer fremden, zumeist außereuropäischen Kultur eine außergewöhnliche sinnliche Dimension verleiht. Wesentliches Ziel des Projektes ist es zu fragen, welcher sprachästhetischen Mittel sich literarische Texte bedienen, um diese spezifisch sensuelle Dimension des Exotismus zur Darstellung zu bringen.

Wie können wir Bürger und Kommunen dabei helfen, transparent und co-kreativ menschenzentrierte Lösungen für das Leben in der Stadt von morgen zu entwickeln? Wie werden künstliche Intelligenzen nicht zur Bedrohung von Arbeitsplätzen, sondern zu unterstützenden Partnern in der gemeinsamen Wissensarbeit? In Zeiten der digitalen Transformation, der Zunahme interdisziplinärer und verteilter Teams, wachsender technologischer Unterstützungsmöglichkeiten und neu entstehender Formen der Arbeit gewinnt die Forschung an der Schnittstelle von Menschen und Informationstechnologien international zunehmend an Bedeutung. Die Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik, Eva Bittner, befasst sich mit der Entwicklung von innovativen IT-gestützten Zusammenarbeitsprozessen für Wissensarbeiter unter Einsatz der Gestaltungsmethodiken der Kollaborationsforschung.

Das Forschungsinteresse der Historikerin Elsbeth Bösl gilt der Geschichte der Wissenschaften und der Technik auf der einen und dem gesellschaftlichen Umgang mit menschlicher Diversität auf der anderen Seite. Nach Projekten zur Disability History, zur Kategorie Gender in der Technikgeschichte und zur Wissenschaftsgeschichte der aDNA-Forschung befasst sie sich nun mit kritischen Infrastrukturen. Sie untersucht die Geschichtlichkeit sozialer Vulnerabilität im Technologiebereich. In historischen Fallstudien beschäftigt sie sich mit Großschadensereignissen, Präventionsmaßnahmen und Copingstrategien des Bevölkerungsschutzes. Sie lehrt und forscht an der Universität der Bundeswehr München.

Kann uns die Mathematik dabei helfen, philosophische Probleme zu verstehen oder gar zu lösen? Silvia Jonas erforscht, wie sich Argumente aus der Philosophie der Mathematik auf andere, nicht-empirische Wissensbereiche, wie zum Beispiel Ethik oder Religion, übertragen lassen. Insbesondere interessiert sie sich hierbei für strukturelle Analogien zwischen mathematischem Realismus (einer philosophischen Position, nach der mathematische Objekte und Wahrheiten genauso „objektiv“ existieren wie Tische, Stühle oder Bierkrüge) und klassischem Theismus (also der Position, nach der Gott objektiv existiert). Silvia Jonas ist Postdoc am Munich Center for Mathematical Philosophy (MCMP) an der LMU München, wo sie eine Stelle als Minerva Fellow der Max-Planck-Gesellschaft innehat.

Als Ärztin und Wissenschaftlerin liegt der Forschungsschwerpunkt von Kerstin Kampa-Schittenhelm auf dem Gebiet der akuten Leukämien. Ihre Arbeitsgruppe untersucht sowohl die Ursachen der Entstehung der Erkrankung als auch Mechanismen, die das Ansprechen auf eine Therapie beeinflussen. Die Untersuchung einer Proteinfamilie, der sogenannten ASPP-Proteine (für Apoptose Stimulierende Proteine von p53), die zusammen mit p53, einem wichtigen Tumorsuppressor, das Schicksal einer geschädigten Zelle entscheidend mitbeeinflusst, steht im Mittelpunkt meines Habilitationsvorhabens. Hier konnte die Arbeitsgruppe bereits zeigen, dass der Fehlregulation der ASPP Proteine eine entscheidende Bedeutung im Krankheitsverlauf zukommt. Langfristig möchte sie dazu beitragen, die prognostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Behandlung akuter Leukämien zu verbessern.

The artist works (trans-)culturally: Nam June Paik and other Fluxus artists negotiating collaborative authorship

In den 1960er/-70er entwickelten Künstler mitten im Kalten Krieg innovative kollaborative Praktiken und ästhetische Konzepte. Maßgeblich das aktionistisch geprägte „Fluxus“-Netzwerk, das Protagonisten zwischen Japan, Europa und den USA verband, soll kritisch hinsichtlich der kulturellen Bedingungen, Brüche und Wirkungen auf das sich transformierende Autorschafts-Verständnis und künstlerische Subjektivität untersucht werden. Autorschaft wird als relationales und prozessuales Konstrukt verstanden und in transkultureller Perspektive untersucht. Die Leitfrage, mit der sich die Kunsthistorikerin Franziska Koch beschäftigt, lautet, ob und wie die emphatisch gemeinschaftlich konzipierten Arbeiten den Mythos vom "autonomen", "individuell" und "originell" schaffenden Autor dekonstruierten. Dabei werden verschiedene kollaborative Konstellationen um Nam June Paik (1932-2006) mit Kollegen wie Joseph Beuys, Charlotte Moormann oder Shigeko Kubota analysiert, die seinen Weg zur paradoxerweise singulär, patriarchal und autoritativ konnotierten Position des „Vaters der Videokunst“ prägten.

Auf Großbaustellen wurde die moderne Welt errichtet: Eisenbahnlinien, Staudämme und Kraftwerke sind die stählernen und steinernen Ikonen des "Fortschritts". Ihr Bau wurde und wird stets mit enormer kultureller Bedeutung aufgeladen. Wofür Großbaustellen aber ebenso bekannt sind, ist ihr Scheitern. Fast nie gelang es, große Projekte nach Zeit- und Kostenplan fertigzustellen (und das Projekt Berliner Flughafen bestätigt das erneut). Zu der Frage, wie Großprojekte zu planen seien und wie man es schaffen konnte, solche Pläne auch umzusetzen, wurde viel Wissen produziert. Als Historikerin untersucht Katharina Kreuder-Sonnen dieses Wissensgebiet der Bauplanung im 20. Jahrhundert in einer globalen Perspektive. Ich frage insbesondere danach, welche Techniken und Medien dafür sorgten, Pläne umzusetzen. Es stehen also nicht nur Bauingenieure und Manager im Fokus, sondern auch Bauarbeiter, Fließbänder und Betonmischmaschinen. Das Management von Großbaustellen vom Reißbrett bis zur Baugrube wird anhand von Projekten in Europa und Westafrika untersucht.

Wie können wir unsere Wirtschaft gestalten, um natürliche Ressourcen nachhaltig zu nutzen? Die Sozialwissenschaftlerin Sina Leipold forscht und lehrt zu Wirtschaftsregulierung für eine nachhaltige Ressourcennutzung. Sie leitet die interdisziplinäre Nachwuchsgruppe „Circulus“ an der Universität Freiburg, die politische Ideen sowie praktische Umsetzung nachhaltiger Ressourcennutzung mit Schwerpunkt auf eine europäische Kreislaufwirtschaft von natürlichen Ressourcen erforscht. Die Gruppe arbeitet qualitativ und quantitativ und bringt Forscher aus den Sozial-, und Umweltwissenschaften mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik zusammen. Ziel ist, Wirtschaftstätigkeiten mit positiven sozialen, ökologischen und ökonomischen Wirkungen zu identifizieren und zu verstehen wie sie durch Regulierungsideen gefördert werden können. Auf dieser Grundlage entwickeln Leipold und ihr Team Regulierungs- und Umsetzungsstrategien für eine nachhaltige Ressourcennutzung.

Während die artenreichsten Regionen der Erde geradezu im Zeitraffer dank anthropogener Aktivitäten verschwinden, erkennen wir immer mehr, dass eine natürliche artenreiche (d. h. biodiverse) Umwelt für das Wohl und Überleben unserer eigenen Spezies essentiell ist. Ob das auch für andere Lebewesen und, wenn ja, für welche Gruppen und warum zutrifft, stellt den Kern meiner Forschung dar. Dabei konzentriert sich die Biologin Sara Leonhardt auf Bienen als Modelorganismen, und untersucht mittels unterschiedlichster Methoden, wie die Interaktion mit einer diversen Umwelt Sensorik, Verhalten, Ressourceneintrag und Fitness beeinflusst. Die Ergebnisse können u.a. dabei helfen, das in den Medien immer wieder aufgegriffene „Bienensterben“ zu verstehen, und geeignete Maßnahmen für die Erhaltung unserer wichtigsten Bestäuber zu entwickeln.

Wie lassen sich die trotzt jahrzehntelanger Forschung nach wie vor sehr hohe Mortalität und Morbidität nach Subarachnoidalblutung endlich reduzieren? Dieser Frage geht die Neurowissenschaftlerin und Fachärztin für Neurochirurgie an der Universitätsklinik Würzburg nach und erforscht, wie sich die cerebrale Durchblutung in der Akutphase verbessern lässt. Der Schwerpunkt Ihrer Forschung liegt als Leiterin der Metabolismus Arbeitsgruppe in der Charakterisierung von Hirnstoffwechselveränderungen nach dieser schweren Form der Hirnblutung. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, u.a. mit KollegInnen aus der Neurologie, Nuklearmedizin, Physik und Chemie und in internationalen Kooperationen ist es unser Ziel, mögliche translationale Therapieansätze zur erkennen, um so hoffentlich das Auftreten von sekundären Hirnschäden zu verringern oder möglicherweise sogar zu verhindern.

Die experimentelle Physikerin Julia Nase befasst sich mit biologisch relevanten Grenzflächen unter extremen Bedingungen. Insbesondere interessiert sie sich für die Frage, wie sich hohe Drücke auf solche Systeme auswirken. Sie nutzt die Reflektometrie als effiziente Methode, um mit Hilfe hochenergetischer Röntgenstrahlung Strukturaufklärung mit sehr hoher Auflösung zu leisten. Die Fragestellungen sind vielfältig: Wie ändert sich die Grenzregion zwischen Wasser und hydrophoben Festkörpern mit dem Druck auf der sub-Nanometerskala? Kann man Proteine durch Druckerhöhung zur Adsorption an Grenzflächen bewegen? Und wie reagieren Lipidmembranen auf erhöhte Drücke, wie sie beispielsweise in Tiefseeregionen anzutreffen sind? Zur Beantwortung dieser Fragen wird Synchrotronstrahlung benötigt, so dass Julias Experimente nicht nur an ihrem Heimatinstitut an der TU Dortmund, sondern auch in Grenoble, Hamburg und Didcot stattfinden.

Wie kann man die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Kunststoffen und Kunststoffverbunden erhöhen? Dieser Fragestellung geht die Werkstoffwissenschaftlerin an der Universität Kassel nach, in dem sie sich mit der Charakterisierung von Polymerwerkstoffen befasst, die aufgrund ihrer strukturellen Beschaffenheit eine Heterogenität aufweisen. Dazu zählen Hybridwerkstoffe, vornehmlich Kunststoff-Metall-Hybridstrukturen, geschäumte, eigenverstärkte, faserverstärkte oder gefüllte Polymere, Schichtwerkstoffe und gradierte Materialien.

Die Untersuchungsmethoden sind eng auf die jeweiligen Materialien abgestimmt und verfolgen das Ziel, die Werkstoffe auf Mikro- und Makrostrukturebene zu betrachten und die materialtypischen Versagensmechanismen unter Hoch- und Langzeitbeanspruchungen sowie Alterung aufzuzeigen. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, heterogene Polymerwerkstoffe im Bereich ihrer Leistungsgrenzen und anderen äußeren Einflüssen sicher und zuverlässig zu gestalten.

Mikro- und Nanomotoren sind kleinskalige Strukturen, die Energie in Bewegung umwandeln können. Sie haben das Potential für Anwendungen in den verschiedensten Bereichen von der Biomedizin bis hin zur Sensorik und Materialwissenschaft. Im Unterschied zu normalen Motoren (die sich auch nach jeder Kraftstoffexplosion im Zylinder weiterdrehen) benötigt Bewegung auf der Mikroskala ständige Energiezufuhr und das bei stark eingeschränkter Treibstofflagerkapazität. Prinzipien, um solche Mikromotoren herzustellen, sind der zentrale Punkt der Forschung der Chemikerin Juliane Simmchen. Neben Strategien und Katalysatoren, die Energie aus der Umgebung gewinnen können sind vor allem das Verhalten der Mikromotoren in verschiedenen Umweltbedingungen, sowie die Nutzung von Mikroorganismen für unsere Forschung wichtig.

In ihrem Forschungsprojekt zum „Unwilling or Unable State as a Challenge to International Law“ widmet sich die Völkerrechtlerin Paulina Starski, Staaten, die unwillens oder unfähig sind, internationale Verpflichtungen zu erfüllen. Sie knüpft dabei an die aktuell außerordentlich präsente Diskussion zu einem möglichen „unwilling or unable“-Standard im Kontext der Ausübung des staatlichen Selbstverteidigungsrechts gegen nichtstaatliche terroristische Akteure an und entwickelt dieses plakative und mitunter politisch instrumentalisierte Narrativ als ein das Völkerrecht durchdringendes rechtliches Problem weiter. Dabei richtet sie ihren Fokus auf das Gewaltverbot und humanitäre Völkerrecht, das Völkerstrafrecht und seine prozessuale Umhegung durch die Jurisdiktion des International Criminal Court, das Umweltrecht, die Menschenrechte der zweiten Generation, Prinzipien des internationalen Flüchtlingsrechts sowie die das Regime der Staatenverantwortlichkeit determinierenden Regeln.

Wie können Informationstechnologien Entscheidungsprozesse von Menschen im Alltag wirkungsvoll unterstützen, ohne sie zu bevormunden und zu überfordern? Digitale Technologien ermöglichen es bereits heute, großflächig Daten zu menschlichem Verhalten zu erfassen und Individuen zeitnah Rückmeldung zu ihrem Handeln zu geben. In ihrer Forschung widmet sich die Ingenieurswissenschaftlerin Verena Tiefenbeck insbesondere der Frage, wie sich solche Technologien für einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen wie Energie und Wasser wirksam gestalten lassen. In großen randomisierten kontrollierten Feldstudien in mehreren Ländern untersucht sie anhand von Messdaten insbesondere die Wirkung von Feedback während der Handlung, den Einfluss von Zielen und Wertungen, die Bildung von Gewohnheiten sowie Nebenwirkungen von Umweltkampagnen auf andere Handlungen.

Innerhalb einer Stunde strahlt ausreichend Sonnenlicht auf die Erde, um den Energiebedarf der Menschheit für ein Jahr zu decken! Um dieses große Potential besser nutzen zu können, besitzt die direkte Umwandlung von Sonnenenergie in chemische Energie, wie z. B. durch die Aktivierung von Kohlenstoffdioxid oder die photokatalytische Wasserspaltung, eine hohe Bedeutung.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Forschung der Chemikerin Stefanie Tschierlei mit der Fragestellung, welche Mechanismen diesen katalytischen Umwandlungen zugrunde liegen. Dazu werden die lichtgetriebenen chemischen Reaktionen im Zeitbereich von Femto- bis Mikrosekunden spektroskopisch beobachtet. Mit den erhaltenen Informationen lassen sich die einzelnen Prozesse auf molekularer Ebene verstehen und optimieren, sodass insgesamt eine höhere Effizienz der verschiedenen Reaktionen erreicht werden kann. Diese Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag zum fundamentalen Verständnis und letztlich zur Weiterentwicklung photokatalytischer Reaktionen.

Aufgrund der stetig wachsenden Anforderungen an die Produktion – u.a. in Form verkürzter Produkteinführungszeiten und hoher Variantenvielfalt – kommt der virtuellen Fertigung eine immer stärker werdende Bedeutung zu. Die Ingenieurswissenschaftlerin entwickelt daher an der TU Dortmund fakultätsübergreifend an der Schnittstelle zwischen Informatik und Maschinenbau Methoden, um reale Fertigungsprozesse – beispielsweise zur Herstellung von Turbinenschaufeln für die Luftfahrtindustrie – simulieren und optimieren zu können. Dabei beschäftigt sie sich beispielsweise mit folgenden Fragen: Wie müssen Prozessmodelle aussehen, damit sie zum einen die geometrischen und physikalischen Eigenschaften hinreichend genau abbilden, zum anderen aber auch effizient berechenbar sind? Wie können Sensordaten geschickt mit Simulationsmodellen kombiniert werden, um eine Online-Anpassung der Prozesse direkt an der Maschine durchführen zu können?

Neben ihrer Facharztausbildung zur Neurologin und ihrem humangenetischen Schwerpunkt in der Analyse von Patienten mit Bewegungsstörungen, untersucht Sarah Wiethoff in ihrer Habilitation den Einsatz von sogenannten induziert pluripotenten Stammzellen bei neurodegenerativen Krankheiten. Induziert pluripotente Stammzellen gleichen den Zellen eines Embryos, die sich in jede Zelle des menschlichen Körpers entwickeln können, werden aber im Labor aus normalen Hautzellen von erwachsenen Menschen durch eine Art Rückprogrammierung gewonnen. Ich erzeuge solche Stammzellen aus dem Gewebe von Ataxie-Patienten, die an einer erblich bedingten Störung der Bewegungskoordination leiden, um diese in einem zweiten Schritt zu Nervenzellen zu differenzieren. An den neuronal differenzierten Zellen können krankheitsbedingte Veränderungen auf zellulärer und molekularer Ebene beobachtet und daraus Rückschlüsse auf bessere Diagnose- und Therapiemöglichkeiten gezogen werden.

Grenzflächen zwischen Nanopartikeln und Flüssigkeiten spielen in vielen Bereichen eine Rolle, so in der Medizin zur Krebstherapie oder in der Katalyse zur industriellen Chemikalienherstellung. An der Grenzfläche zwischen Partikel und Flüssigkeit verändert sich die Struktur sowohl vom Partikel als auch von der angrenzenden Flüssigkeit. In ihrer Forschung benutzt die Chemikerin Mirijam Zobel eine besondere Methode der Röntgenbeugung, die sogenannte Paarverteilungsfunktion, um den strukturellen Veränderungen auf den Grund zu gehen. So soll einerseits ein grundlegendes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Kolloiden und Lösungsmitteln in deren Grenzschichten durch gezielte Parameterstudien erzeugt werden. Andererseits können an Großforschungseinrichtungen Restrukturierungsprozesse mit einer Zeitauflösung im Sekundenbereich beobachtet werden, was insbesondere in der Katalyse interessant ist um die katalytische Aktivität mit der atomaren Struktur zu korrelieren.

Interdisziplinär

Jahrgang 2016 bis 2018

Wir alle haben Situationen erlebt, in denen wir uns gewünscht haben, dass unser Gegenüber sich kooperativer, fairer oder großzügiger verhält. Anita Tusche nutzt Methoden der Neurowissenschaften, Sozialpsychologie und der Mikro-Ökonomie um zu verstehen, welche einzelnen mentale Prozesse zu kooperativen und prosozialen Entscheidungen beitragen. Welche Rolle spielen Empathie, Selbstkontrolle selbstsüchtiger Impulse oder die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse anderer Menschen? Wie werden diese Teilprozesse im menschlichen Gehirn verarbeitet, gewichtet und zu einer Entscheidung zusammengeführt? Das Verständnis der relevanten Teilprozesse erlaubt uns, diese zentralen Mechanismen aktiv zu unterstützen und kooperatives und altruistisches Verhalten zu fördern.

Menschen verfügen über die bemerkenswerte Fähigkeit, ihre eigenen Gedanken zu reflektieren. Jeder einzelne von uns verlässt sich nahezu täglich auf seine Kognitionen über Kognitionen – also auf Metakognitionen. Wenn jemand beispielsweise Notizen schreibt oder Kalendereinträge vornimmt, so belegt dies, dass er um die Grenzen seines Gedächtnisses weiß und dieses Wissen für die Bewältigung von Alltagsproblemen nutzt. Zugleich demonstriert dieses Beispiel, dass eine effektive Selbststeuerung des Verhaltens nur bei hinreichend präzisen Metakognitionen gelingt: Wer zu Unrecht davon ausgeht, einen Termin ohne Kalendereintrag zu erinnern, wird diesen vermutlich versäumen. Ich erforsche die Informationsbasis von Metakognitionen mithilfe verschiedener experimenteller und statistischer Methoden. Meine Forschungsarbeiten erweitern die Theoriebildung im Bereich der Metakognitionen und zeigen auf, wie sich die Genauigkeit von Metakognitionen verbessert lässt.

Hochleistungspolymere sind Kunststoffe, die z. B. hohe Stabilität gegenüber hohen Temperaturen und aggressiven Chemikalien aufweisen. Gängige Herstellungsmethoden von Hochleistungskunststoffen erfordern die Verwendung giftiger und kostspieliger Lösemittel. Können Hochleistungskunststoffe mittels umwelt- und gesundheitsschonenden Prozessen hergestellt werden, die gleichzeitig zu verbesserten Materialeigenschaften führen? Dieser Frage geht Miriam Unterlass in ihrer Forschungsarbeit nach. Hierzu entwickelt sie Synthesemethoden die – an natürlichen Mineralbildungsprozessen orientiert – lediglich heißes Wasser benötigen, sowie Festkörperreaktionen die ganz ohne Lösemittel auskommen.

Warum werden manche Erzählungen weitergegeben, während andere in Vergessenheit geraten? Barbara Wall erforscht die Prozesse der Kanonisation von Erzählliteratur in der sinographischen Kosmopolis, d.h. in dem Gebiet, welches durch das Klassische Chinesisch als Schriftsprache bis zum 20. Jahrhundert zusammengehalten wurde. Im Mittelpunkt stehen hierbei Korea, China und Japan. Unter der Leitfrage "Was ist eigentlich eine Erzählung?" untersucht sie, wie Erzählungen durch Zirkulation, Translation und Adaption immer wieder neue Gestalt annehmen. Ihre Forschungen beschränken sich nicht nur auf literarische Texte, sondern umschließen auch visuelle und auditive Transformationen.

Neben Chemotherapie, Bestrahlung und operativem Entfernen entwickelte sich in den letzten Jahren die Zelltherapie zu einer neuen effizienten Waffe gegen den Krebs. Bei dieser Therapieform werden Immunzellen dem Patienten entnommen, modifiziert und schließlich mit ihrer neuen Spezifität in den Patienten transfundiert. Zurück im Körper erkennen die modifizierten Zellen die Krebszellen und töten sie ab. Die Herstellung dieser modifizierten Zellen kann nur in ultra-sterilen Speziallaboren durchgeführt werden und ist sehr zeit- und arbeitsaufwändig. Ich beschäftige mich nun mit folgenden Fragen: Wie kann man den Herstellungsprozess vereinfachen? Ist eine Automatisierung des komplexen Prozesses möglich? Sind die Zellen weiterhin funktional, wenn sie über eine automatische Plattform hergestellt werden? Wie viel Kostenersparnis bringt eine Automatisierung mit sich? Denn je einfacher und günstiger die Herstellung der Zellen ist, desto mehr Patienten können schließlich mithilfe der zellulären Immuntherapie behandelt und hoffentlich geheilt werden.

„Nature has placed mankind under the governance of two sovereign masters, pain and pleasure“ – Jeremy Bentham. Bereits 1780 hat Jeremy Bentham beschrieben, dass wir in unseren Handlungen und Wahrnehmungen maßgeblich durch zwei zunächst gegensätzlich wirkende Reize bestimmt sind, nämlich Schmerz und Freude. Trotzdem hat sich die neurowissenschaftliche Forschung bisher kaum mit den Wechselwirkungen dieser Reize beschäftigt. Ziel meiner Forschung ist daher, zu charakterisieren, wie die Wahrnehmung von Schmerz und Freude bzw. spezifischer Belohnung sich gegenseitig beeinflussen und welche Regionen im Gehirn und auch welche Neurotransmitter diese Wechselwirkung vermitteln. Da wir mittlerweile wissen, dass Patienten mit chronischen Schmerzen bei der Verarbeitung von Belohnung beeinträchtigt sind, ist dies auch direkt in einem klinischen Kontext relevant, da durch die Ergebnisse meiner Forschung die Therapie chronischer Schmerzen verbessert werden kann.

Wie kann man die magnetische Information in Nanoteilchen gezielt stabilisieren, die Wechselwirkung zwischen benachbarten magnetischen Einheiten beeinflussen? Diese Fragestellungen sind zentral für die Entwicklung anwendungsrelevanter Nanomaterialien, etwa als Nanosonden mit definierter Magnetisierungsrelaxation für medizinische Anwendungen oder als magnetische Einheiten mit optimiertem magnetischem Schaltverhalten für die elektromagnetische Sensorik. In einem interdisziplinären Ansatz verknüpft Sabrina Disch die Präparation neuartiger nanoskaliger Materialien mit der Untersuchung ihrer physikalischen (v.a. magnetischen) Eigenschaften. Dabei setzt sie polarisierte Neutronen als Sonde für die orts- und zeitaufgelöste Magnetisierung ein. Zu den untersuchten Materialarten zählen unter anderem kristalline Anordnungen von formanisotropen magnetischen Nanoteilchen (sog. Mesokristalle) und magnetische Schichtsysteme mit rotatorischer Fehlordnung (sog. Ferekristalle).

Kann denn Kirche sündig sein? Ausgehend von der jüngsten Schuldgeschichte der katholischen Kirche frage ich, inwiefern sich die faktische Schuld und Sünde (in) der Kirche mit ihrem Anspruch, eine heilige Kirche zu sein, vereinbaren lässt. Die traditionelle Trennung zwischen heiliger Kirche und sündigen Gliedern scheint die Wirklichkeit nicht einzuholen. Mein Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern Kirche stets heilig und sündig zugleich ist – Sünde und Schuld (in) der Kirche also nicht nur sind, sondern sogar sein dürfen.

Ultraschnelle zeitaufgelöste Spektroskopie ermöglicht die Beobachtung von chemischen Prozessen in Echtzeit auch quantenmechanischem Niveau. Allerdings sind die Spektren von solch fortgeschrittenen Experimenten äußerst komplex und detailliert, und die zu ihrer Interpretation nötige Theorie ist noch nicht so weit entwickelt wie die experimentellen Techniken. Um eine detailliertes Verständnis der Dynamik und einen direkten Vergleich mit dem Experiment zu ermöglichen, sollen moderne zeitabhängige (nichtlineare und multidimensionale) Spektroskopien simuliert werden. Prof. Shirin Faraji beschäftigt sich mit Quantendynamiksimulationen licht-induzierte Prozesse und Quanteneffekte von mittelgroßer Moleküle in der kondensierten Phase. Diese werden zur Interpretation von moderner Spektroskopie benötigt. Daher werden Beiträge aus diesem Gebiet zukünftig unverzichtbar für den Erfolg vieler interdisziplinär vernetzter Sonderforschungsbereiche, Schwerpunktprogramme, Graduiertenschulen usw. im Grenzbereich zwischen Chemie, Physik, Biologie, Materialwissenschaften und Medizin.

Wie kommunizieren verschiedene Gehirnareale miteinander? Was passiert, wenn durch eine neurologische Erkrankung diese Kommunikation nicht mehr problemlos funktioniert? Dieses Fragen untersuche ich mit elektrophysiologischen Messmethoden (z.B. MEG und EEG) und Zeitreihenanalyse. Hierfür kombiniere ich methodische Entwicklungen aus der Physik mit Anwendungen und Forschungsfragen aus den Neurowissenschaften. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Forschung aus neurowissenschaftlicher Sicht ist die Parkinson’sche Erkrankung. Durch meine Forschung möchte ich ein besseres Verständnis der Erkrankung, aber auch der Behandlung mit Medikamenten und tiefer Hirnstimulation erreichen. Langfristig soll dieses zu verbesserten Behandlungsmöglichkeiten führen.

Über 60 Millionen Menschen sind heute auf der Flucht vor Gewalt, Verfolgung, Armut und Not. Ich beschäftige mich aus friedenswissenschaftlicher Perspektive mit den Ursachen dieser Migrationsbewegungen, insbesondere mit der Rolle, die globaler Umweltwandel für sie spielt. Mein Fallbeispiel ist Syrien, das zunehmend als ein „Paradebeispiel“ für den hypothetisierten Zusammenhang zwischen Klimawandel, Migration und Konflikteskalation gilt. Doch welches Sicherheitsverständnis liegt dieser Idee eigentlich zugrunde? Und welche Folgen hat das für europäische und deutsche (Im)Migrationspolitik? Welche Rolle spielt die Asymmetrie zwischen globalem Norden und globalem Süden für Migrationsentscheidungen und das internationale Flüchtlingsregime? Sind die Kategorien „Flüchtling“ und „Migrant“ für die heutige Zeit noch nützlich, oder sollten wir lieber von „Überlebensmigrant*innen“ sprechen? Mit diesen Fragen setze ich mich in meiner Forschung kritisch auseinander.

Wie können magnetische Eisenoxidnanopartikel dabei helfen endlich eine effektive Strategie zur Überwindung der Querschnittlähmung zu finden? Dieser Frage geht die Neurowissenschaftlerin an der Charité und Oberärztin für Neurochirurgie des HELIOS Klinikum Berlin Buch nach und erforscht die Auswirkungen von Nanopartikeln in neuronalen Zell- und Schnittkulturen sowie im Tierexperiment. Hierbei stehen die Wechselwirkungen spezieller Eisenoxid-Nanopartikeln mit der extrazellulären Matrix (ECM),  die infolge von ZNS Läsionen sekretierten Mikrovesikel und deren Rolle bei der Neuron-Glia-Kommunikation sowie Ansätze für die in vivo Bildgebung im Fokus.

Enkelejda Kasneci ist Juniorprofessorin für Perception Engineering im Fachbereich Informatik an der Universität Tübingen. Gefördert durch die Bosch- und Markel-Stiftung studierte sie Informatik an der Universität Stuttgart und promovierte im Jahr 2013 an der Universität Tübingen. Für ihre Dissertation wurde sie im Jahr 2014 mit dem Südwestmetall-Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Von 2013 bis 2015 war sie Post-Doktorandin und Margarte-von-Wrangell Fellow an der Universität Tübingen. Gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe forscht sie an der Kombination von Methoden des Maschinellen Lernens mit Eye-Tracking-Technologie, um Mechanismen der visuellen Wahrnehmung auf den Grund zu gehen und einen Mehrwert für verschiedene Anwendungen in Forschung und Industrie zu generieren. Sie setzt sich zudem für pragmatische Lösungen ein, um die Position der Frau in unserer Gesellschaft zu verbessern. Sie ist Gründerin des Karrierenetzwerkes LeadersLikeHer (www.leaderslikeher.net), ein soziales Netzwerk, das den Austausch zwischen hochqualifizierten und zielorientierten Frauen und ihre gegenseitige Unterstützung vereinfacht und fördert. Für Ihr Engagement wurde sie zum Junior Fellow der Gesellschaft für Informatik ernannt.

Mikroorgansimen befinden sich überall und in großer Anzahl - sie sind Hauptbestandteil der globalen Biomasse. Darüber hinaus haben Mikroorganismen vielfältige Stoffwechselwege und beeinflussen maßgeblich die geochemischen Kreisläufe der Erde. Bestimmte Mikroorganismen können z.B. Schadstoffe abbauen, die ansonsten eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen würden. Die Molekularökologin Sara Kleindienst erforscht den mikrobiellen Abbau von Schadstoffen in Grund- und Meerwasser und beschäftigt sich mit der Entschlüsselung neuer mikrobieller Stoffwechselwege. Dabei kombiniert sie Feld- und Laborarbeiten und erforscht Proben aus unterschiedlichsten Regionen der Erde, u.a. aus dem Golf von Mexiko oder aus dem Arktischen Ozean.

Wovon hängt es ab, wer was bei einer Verhandlung bekommt? Wie sollten Entscheidungsprozesse gestaltet sein, damit faire oder effiziente Verteilungen von Ressourcen zustande kommen? Wann führt ungleiche politische Repräsentation zu Abspaltungsbestrebungen? Wie können Institutionen so gestaltet werden, dass sie die Verständigung zwischen heterogenen Gruppen fördern? Die Ökonomin Nicola Maaser forscht ― theoretisch, empirisch und mit Hilfe von Experimenten – zu grundlegenden Fragen im Bereich kollektiver Entscheidungen und zur politischen Ökonomie von föderalen Strukturen. Ihr Ziel ist es, zu einem besseren Verständnis von politischen Ergebnissen zu gelangen, insbesondere mit Blick auf die Europäische Union und auf Deutschland, und dazu beizutragen, demokratische Institutionen gerecht und stabil zu gestalten.

Warum bestehen wir (oder zumindest unser Erbgut) zu 45% vermeintlich aus genetischem Müll? Ein Großteil davon stammt von humanen endogenen Retroviren ab. Diese sind Überbleibsel viraler Infektionen unserer Vorfahren bereits vor Millionen von Jahren. Bislang wurden diese Abschnitte unserer DNA zumeist als unnötiger Ballast betrachtet. Dies ist aber ein Irrglaube. Heute wissen wir beispielsweise, dass man oder besser Frau ihnen die Entstehung der Plazenta mitverdankt. Leider spielen diese DNA Abschnitte aber auch bei der Entstehung von Krankheiten wie der Multiplen Sklerose und Krebs eine Rolle. An der Universitätsmedizin Rostock beschäftige ich mich mit der Frage, inwiefern diese humanen endogenen Retroviren an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sind.  Ziel ist es diese Erkenntnisse in diagnostische, besser noch therapeutische Verfahren einfließen zu lassen um somit die Heilungschancen von Patienten mir Dickdarmkrebs zu verbessern.

Wenn ein deutscher Bürger dringend eine Niere benötigt und dafür nach China fliegt, um innerhalb von wenigen Tagen ein Transplantat zu bekommen, macht er sich nach deutschem Recht strafbar. Ebenso strafbar macht sich nach deutschem Recht ein deutscher Arzt, welcher seine Patientinnen zwecks Eizellenspende an ausländische Kollegen empfiehlt oder sogar erst deren Entschluss zur Eizellenspende im Ausland hervorruft. Konstantina Papathanasiou will die Antwort darauf geben, warum das so ist bzw. inwieweit das in diesen und ähnlich gelagerten Fällen so sein sollte. Ziel ihres Habilitationsprojekts „Ius puniendi und staatliche Souveränität – Entstehung, Entwicklung und Erklärung des Geltungsanspruchs des transnationalen Strafrechts“ ist es, basierend auf strafrechtlichen, völkerrechtlichen und verfassungsrechtlichen Überlegungen Rechtsnatur, Funktion und legitimierende Grundlagen des transnationalen Strafrechts zu beleuchten und staatsrechtlich schlüssig zu begründen.

Teflon-Pfannen, selbstreinigende Wandfarbe oder Nano-Imprägnierspray sind einige alltägliche Beispiele, wie Oberflächen spezielle Eigenschaften verliehen werden können, wie wasser- oder schmutzabweisend zu sein. Diese entstehen durch geschickte Kombination von sehr kleinen Oberflächenstrukturen, Oberflächenchemie und –physik. Clarissa Schönecker untersucht an der Schnittstelle zwischen Ingenieur- und Naturwissenschaften die Funktionsmechanismen solcher und neuer Oberflächen, welche z.B. den Reibungswiderstand erniedrigen oder in industriellen Prozessen eingesetzt werden könnten, um damit den Energieaufwand zu erniedrigen. Sie kombiniert die Entwicklung theoretischer Modelle für die Strömung von Flüssigkeiten in der Nähe von Oberflächen mit experimentellen Untersuchungen der Dynamik unter dem Mikroskop. Auf diese Weise können Vorhersagen gemacht werden, wie eine Oberfläche gebaut werden muss, um ein für die Anwendung optimales Verhalten zu besitzen.

Die Menschen lieben das Meer und nutzen die Ressourcen, die es ihnen bietet. Die meisten Menschen sind sich jedoch nicht bewusst, welche stillen Dienstleistungen die Ozeane für unser Leben übernehmen und was das für Konsequenzen für die Lebewesen hat. So absorbieren die Weltmeere zwei Drittel des CO2s, was wir Menschen momentan durch die Nutzung fossiler Brennstoffe produzieren, und steuern so dazu bei, dass die durch den CO2 Ausstoß hervorgerufene Klimaerwärmung gering bleibt. Das absorbierte CO2 hat jedoch für die Ozeane und seiner Bewohner Konsequenzen, weil es den pH-Wert des Meerwassers messbar senkt. In meiner Forschung am GEOMAR in Kiel und jetzt an der Universität von Kiel frage ich mich, wie sich Umweltveränderungen, wie zum Beispiel eine pH-Senkung oder Temperaturerhöhung, auf Meeresorganismen auswirken. Dabei beschäftige ich mich mit den Larvenstadien einer Reihe ökologischer Schlüssel-Organismen, wie Seesterne und Seeigel, und versuche zu verstehen, welche physiologischen Prozesse in diesen Organismen so beeinflusst werden, dass sie eher sensitiv oder robust gegenüber Umweltveränderungen reagieren. Anhand solcher Kenntnisse könnte man in Zukunft besonders gefährdete Gruppen benennen und ich wünsche mir, damit einen Beitrag zum Schutz der Meere und seiner Ökosysteme zu leisten.

Patienten mit chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis entwickeln häufig autoimmun-vermittelte Komorbiditäten. Um die zugrundeliegenden pathophysiologischen und molekularen Mechanismen zu verstehen, verwenden wir in der von mir geleiteten Nachwuchsgruppe einen systemmedizinischen Ansatz. Hierbei werden verschiedene Arten von molekularen Hochdurchsatz-Daten sowie klinische Informationen und biologisches Wissen mithilfe von Verfahren des Maschinellen Lernens in mathematischen Modellen integriert. Ein Schwerpunkt der Nachwuchsgruppe ist die Entwicklung und Bewertung der benötigten statistischen und bioinformatischen Methoden, um mithilfe der Modelle eine Stratifizierung der Patienten anhand ihres Komorbidität-Zustands sowie die Identifizierung von relevanten Molekülen, Pathways und Netzwerken zu ermöglichen.

Interdisziplinär

Jahrgang 2015 bis 2017

"Menschen sind beeindruckende Gruppentiere: zahlreiche Errungenschaften zeugen von der Koordinationsfähigkeit unserer Spezies. Gleichzeitig stellt uns das Leben in der Gruppe vor Herausforderungen, z.B. die Verteilung begrenzter Ressourcen. Ich erforsche mit psychologischen und neurowissenschaftlichen Methoden die Grundlagen sozialer Interaktion. Wie werden Blicke verarbeitet und kommunikativ genutzt und wie tragen Empathie und Perspektivübernahme zum Verständnis unseres Gegenübers bei? Auf der anderen Seite nutze ich spieltheoretisch informierte Methoden um menschliches Entscheidungsverhalten zu untersuchen. Ich zeige, wie sich altruistisches Verhalten (z.B. spenden) von normorientiertem Verhalten unterscheidet und wie wir dieses mit Hilfe meditations-basierter Techniken fördern können."

Neben ihrer klinischen Weiterbildung zur Viszeralchirurgin an der Universitätsmedizin Göttingen gilt das wissenschaftliche Interesse von Lena-Christin Conradi der Identifikation prädiktiver Biomarker zur Vorhersage von Therapieansprechen und Prognose für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, insbesondere dem kolorektalen Karzinom. Derzeit arbeitet sie an einem Forschungsprojekt im Labor von Prof. Peter Carmeliet am Vesalius Research Center der Universität Leuven in Belgien. Im Rahmen eines Else Kröner Memorial - Stipendiums analysiert sie den spezifischen Stoffwechsel von Tumorzellen und tumorassoziierten Gefäßzellen um herauszufinden wie dieser als innovativer Behandlungsansatz in der Anti-Tumortherapie genutzt werden kann.

Bei einer Unterhaltung passen Menschen sich in Bezug auf Formulierung an ihre Gesprächspartner an, beispielsweise verwenden sie einfachere Formulierungen, wenn der Gesprächspartner durch das Fahren eines Autos teilweise abgelenkt ist. Automatische Sprachdialogsysteme haben diese Fähigkeit bislang nicht. Damit sich auch der Computer in seiner Kommunikation automatisch an Nutzer und Situation anpassen kann, arbeitet Vera Demberg interdisziplinär: sie geht mithilfe von Blickbewegungsexperimenten und EEG der Frage nach, unter welchen Umständen eine Sprache für Menschen schwer zu verarbeiten ist, und nutzt maschinelle Lernverfahren um Computermodelle zu bauen, die Vorgänge bei der Sprachverarbeitung beschreiben können.

Was bedeutet ein El Nino - Ereignis für Europa? Wie lange im Voraus sind Kälteeinbrüche vorhersagbar? Wie ist da die Dynamik der Stratosphäre involviert? Und welchen Einfluss haben Wetterereignisse auf die Energieversorgung und den Strompreis? Daniela Domeisen ist Juniorprofessorin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und leitet die Arbeitsgruppe "Atmosphärendynamik und Vorhersage". Um diese Fragestellungen zu bearbeiten, benutzt sie numerische Modelle, die Theorie der Fluiddynamik, sowie Beobachtungen. Das Ziel ist unter anderem, die Vorhersagbarkeit des Wetters auf Zeitskalen von wenigen Wochen bis Monaten im Interesse von Anwendern zu verbessern, und dabei das Verständnis des Zusammenspiels verschiedener Komponenten des Klimasystems zu vertiefen.

Wie kann man umweltfreundlich und ressourcenschonend Energie speichern? Lässt sich die gegenseitige Anziehung zweier Moleküle mit unterschiedlicher Elektronendichte visualisieren? Aus welchen Einheiten kann man gürtel- und röhrenförmige, konjugierte organische Moleküle aufbauen? Mit diesen und weiteren Fragestellungen beschäftigt sich Birgit Esser. Als organische Chemikerin stehen die Synthese neuartiger Molekül- und Polymerstrukturen sowie die Untersuchung von deren Eigenschaften im Vordergrund ihrer Forschungsarbeiten. Die Anwendung der neuen Verbindungen in Batterien oder deren Visualisierung auf Oberflächen.

"Große Herausforderungen erfordern, dass wir Menschen in Gruppen zusammenarbeiten. Ich interessiere mich für die Frage, wann Gruppen mehr - und wann weniger - sind als die Summe ihrer Mitglieder. Als experimentelle Psychologin an der Universität Oxford arbeite ich an der Grenze zur Neurowissenschaft und der Philosophie um herauszufinden, welche grundlegenden Prozesse bestimmen, wie Gruppen funktionieren - sei es wenn wir in einem kleinen Team Entscheidungen treffen oder als Mitglieder einer privilegierten Gruppe benachteiligten Anderen helfen. Ein Anwendungsfall der mich interessiert ist "Gehirndoping": wenn einzelne Gruppenmitglieder Substanzen einnehmen, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu steigern, welche Folgen hat dies für die "User" und für die ganze Gruppe?"

Musik und Sprache sind zwei hochentwickelte menschliche Kommunikationsformen. Doch wie hängen sie miteinander zusammen? Gibt es Überschneidungen zwischen musikalischen und sprachlichen Prozessen und kann Musik sprachliche Leistungen fördern? Die Sprachwissenschaftlerin Simone Falk erforscht diese Fragen im Bereich des Spracherwerbs und der Sprachpathologie. Ihre zwei Hauptarbeitsgebiete sind die Rolle des Singens beim frühen Spracherwerb und  die Rolle von Rhythmus in Sprachproduktion und -wahrnehmung bei Kindern und Erwachsenen, die stottern. Durch ihre Forschung will sie neue Denkanstöße für Sprachförderung bei Kindern und für Diagnose- und Therapiewege im Stottern geben. Sie arbeitet dabei mit Sprachtherapeuten, Psychologen, Musik-, Neuro- und Bewegungswissenschaftlern zusammen.

Das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid stellt für Chemiker einen attraktiven und verfügbaren synthetischen Baustein dar. Leider handelt es sich hier um ein stabiles und träges Molekül, wessen Reaktionen viel Energiezufuhr erfordern und eine Herausforderung darstellen. Ivana Fleischer und ihre Gruppe an der Universität Regensburg beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Methoden für die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid in nützliche organische Verbindungen. Zum Beispiel wollen sie mit ihrer Forschung dazu beitragen, dass das giftige, aus fossilen Rohstoffen stammende Kohlenmonoxid, welches in vielen Reaktionen verwendet wird, durch CO2 ersetzt wird. Dabei helfen ihnen Katalysatoren - Verbindungen, die chemische Reaktionen beschleunigen und dabei nicht verbraucht werden.

Mehr als 98% aller Prozessoren weltweit werden in eingebetteten Systemen eingesetzt. Beispiele dafür begegnen uns überall im täglichen Leben: Eingebettete Systeme steuern und überwachen Autos, Flugzeuge, Fernseher und Waschmaschinen, wir tragen sie als Handy mit uns oder lassen uns im Krankenhaus sogar von ihnen durchleuchten und mit ihrer Unterstützung operieren. Aber wie sicher sind diese Systeme eigentlich? Paula Herber beschäftigt sich in ihrer Forschung, unter anderem in ihrem DFG Projekt RESCUE, mit Methoden und Techniken, mit denen die Korrektheit und Zuverlässigkeit komplexer eingebetteter Systeme sichergestellt werden kann. Einer ihrer Schwerpunkte liegt dabei auf formalen Methoden zur modularen Verifikation von integrierten Hardware/Software-Systemen.

Auf welcher Abstraktionsebene kommunizieren Tiere miteinander? Wie konnte ein so komplexes Kommunikationssystem wie die menschliche Sprache entstehen? Die Verhaltensbiologin und Biolinguistin Mirjam Knörnschild, Heisenberg Fellow an der FU Berlin, erforscht die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten von Säugetieren, insbesondere von Fledermäusen, da dieses Taxon gut für vergleichende biolinguistische Studien geeignet ist. Fledermäuse haben ein reichhaltiges Lautrepertoire, können neue Laute durch Imitation erlernen und in langen, syntaktisch organisierten Lautfolgen miteinander kommunizieren - all dies sind Merkmale, die bei der Evolution von menschlicher Sprache eine zentrale Rolle eingenommen haben und an Fledermäusen vergleichend untersucht werden können.

Warum sind Firmen wie Google, Facebook und Apple so innovativ? Und warum haben alle ihren Sitz im kalifornischen IT-Cluster Silicon Valley? Interdisziplinäre Erkenntnisse der Clusterforschung geben auf diese Ausgangsfragen eine erste Antwort: Firmen profitieren davon, wenn sie ihren Sitz in geographischer Nähe zu anderen Firmen, also in einem Cluster, wählen. Während diese Erkenntnisse auf alle Cluster in der Welt übertragbar sind, bleibt weitestgehend unklar, warum der Erfolg von Silicon Valley so einzigartig ist. Die Betriebswirtschaftlerin Christina Kühnl hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Phänomen genauer zu verstehen. Dazu untersucht sie die Innovationskultur in verschiedenen Clustern der Welt und beschäftigt sich damit, wie die Innovationskultur in Clustern gefördert werden kann.

Was haben ein Diamant und ein Kompass gemeinsam? Beide können magnetische Felder aufspüren. Elke Neu beschäftigt sich damit Verunreinigungen in Diamanten sog. Farbzentren als Kompass für die Nanowelt zu nutzen: Die in den Diamanten eingebauten "falschen Atome" sind selbst winzige Magnete (Spins) und können so magnetische Felder räumlich extrem genau vermessen. Um nanometergenaue Untersuchungen zu ermöglichen, werden die Farbzentren in Spitzen eingebracht, die das zu untersuchende System abtasten. Die Diamant-Sensoren sollen zukünftig  Messungen an biologischen Systemen ermöglichen, wo Ströme und die daraus entstehenden magnetischen Signale, Informationen z.B. über die Kommunikation von Zellen liefern. Die Forschung vereint dabei Aspekte aus Physik, Materialwissenschaft und Lebenswissenschaften.

"Bakterien sind überall, jedes Tier, auch jeder Mensch lebt alltäglich mit Milliarden von ihnen: Sie leben mit uns, in uns, auf uns, und ohne sie könnten wir nicht existieren. Die meisten Bakterien nützen uns, z.B. bei der Verdauung, oder bei der Abwehr gegen die wenigen krankmachenden Arten. Manche Tiere leben in einer sehr intimen Beziehung, in einer "Symbiose" mit nur einer bestimmten Bakterienart. In meiner Forschungsgruppe an der Universität Wien untersuchen wir, wie Muscheln und Kiemenbewohnenden Bakterien zu beiderseitigem Vorteil zusammenleben. Dieses ungewöhnlich einfache und natürliche System ist eine einzigartige Chance, die molekularen und physiologischen Mechanismen so einer Interaktion im Detail zu untersuchen."

Warum bewegen sich viele Kinder und Jugendliche nicht ausreichend und wie können körperliche Aktivitäten und Sport zur Gesundheit beitragen? Anne Kerstin Reimers, Juniorprofessorin für Sportpädagogik (mit Schwerpunkt in Prävention und Rehabilitation) an der Technischen Universität Chemnitz, forscht zu sozialen und räumlich-materiellen Bedingungen von Sport- und Bewegungsverhalten im Kindes- und Jugendalter sowie zu den gesundheitlichen Effekten körperlicher Aktivität in der Prävention und Therapie ausgewählter Krankheitsbilder. Die Forschung an der Schnittstelle von Sportpädagogik, Sportmedizin und Public Health gibt Aufschlüsse über die gesundheitlichen Potentiale von Sport und Bewegung und untersucht, wie effiziente Programme der Gesundheitsförderung konzipiert werden.

Intelligente Maschinen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch welche Erwartungen und Wünsche, vielleicht auch Schwierigkeiten oder Ängste haben Menschen im Umgang mit dieser sich laufend wandelnden Technik? Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich Maha Salem als User Experience Researcher bei Google im Forschungsbereich Mensch-Maschine Interaktion. Dabei spielt es keine Rolle, ob Menschen mit selbstfahrenden Autos, menschengroßen Robotern oder mobilen Smartphones interagieren - im Fokus steht der Benutzer, denn nur so können wirklich nützliche technische Helfer entwickelt werden. In ihrer alltäglichen Arbeit profitiert Maha von ihrer interdisziplinären und interkulturellen Forschungserfahrung, die sie zu vielseitigen und spannenden Studien inspiriert.

Längst sind sie nicht mehr gesondert Thema medizinischer Fachpublikationen, sondern finden auch in öffentlichen Diskussionen zunehmend Berücksichtigung: Depressionen. In verstärktem Maße erfolgt ebenfalls eine literarische Verarbeitung. Jenseits der Aufnahme der Depression im Rahmen der Genieästhetik oder als Pathologie eruiert Yasmin Temelli mit Blick auf die aktuelle französische Prosa und auf der Basis einer narratologisch fundierten Kulturwissenschaft, inwiefern biopolitische Konfigurationen durch die Dysfunktion der Depression gequert werden. Verstanden als Bühne, auf der Problematisierungen verkörpert werden, versprechen die literarischen Repräsentationen ihre Potenz im Hinblick auf ein Emergieren gesamtgesellschaftlicher Implikationen der Depression zu entfalten.

Wie funktioniert Regeneration und was machen Stammzellen bei der Arbeit? Dr. Kerstin von Pückler erforscht die optimale Darstellung von Stammzellen und Regenerationsprozessen mit Hilfe der Magnetresonanz- und Computertomographie bei unterschiedlichen Spezies. Die regenerative Medizin versucht unter Einsatz neuartiger Verfahren funktionsgestörte Zellen und Gewebe wiederherzustellen. Der Einsatz von Stammzellen scheint hier besonders erfolgversprechend. Um zu klären was geschieht, nachdem Zellen durch Injektion in Gewebe eingebracht werden, müssen Wege zur Darstellung der Zellen im lebenden Organismus gefunden werden. Durch spezielle Markierungen und "functional imaging" können Stammzellen sichtbar gemacht werden. Dies ermöglicht gleichzeitig eine Reduktion von finalen Tierversuchen.

Können Mikroorganismen unser Klima retten? Und die Welternährung sichern? Die Mikrobiologin Cornelia Welte versucht in ihrer Forschung, Antworten auf diese beiden Fragen zu finden. Dazu untersucht sie zum einen Mikroorganismen, die das wichtige Treibhausgas Methan produzieren und abbauen, um in Zukunft die weltweite Methanemission besser zu verstehen, verherzusagen und steuern zu können. Zum anderen beschäftigt sie sich mit Bakterien, die im Darm von Schadinsekten leben und diesen ermöglichen, unsere Feldfrüchte zu fressen - in der Hoffnung, eine neue Generation von Insektenschutzmitteln zu entwickeln, die sich gezielt die enge Symbiose von Insekten und Mikroben zu Nutze machen. Sie verbindet dabei biochemische Expertise mit der Analyse von Genomen und ökologischen Faktoren.

"Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Streit um globale Normen und den Effekten solchen Streits. In einem DFG-Projekt untersuche ich, wie sich die Art des Streits um internationale Normen auf deren langfristige Stabilität auswirkt. Ich untersuche dabei unter anderem die Internationalen Schutzverantwortung, das Folterverbots, und ein Verbot kommerziellen Walfangs. In einem weiteren Projekt möchte ich untersuchen, welche Auswirkungen Konflikte über Regeln im Bereich Kinderarbeit und Menschenhandel auf die Politik (grundlegenden Normen und Politiken) internationaler Organisationen haben. Zuletzt interessiert mich auf einer normativen Ebene, inwiefern solch ein Streit um Regeln im globalen Regieren eine Demokratisierung internationaler Beziehungen unterstützen kann."

Geisteswissenschaften

Jahrgang 2014 bis 2016

Welche Rolle spielt Rechtswissen in der Volksrepublik China? Jennifer Altehenger beschäftigt sich mit den Methoden, die die KP China in den vergangenen Jahrzehnten einsetzte, um der chinesischen Bevölkerung Rechtswissen zu vermitteln. Diese Forschung erlaubt anhand der Geschichte der Rechtspropaganda Schlussfolgerungen, wie das kommunistische Regime seine Herrschaft durch Rechtserziehung zu legitimieren versucht hat. Jennifer Altehenger lehrt und forscht am King’s College London und interessiert sich neben ihrer Arbeit zur Sozial- und Kulturgeschichte des Rechts für die lokale und globale Produktionsgeschichte von Gebrauchsgegenständen und deren Rohmaterialien in der VR China sowie für die Geschichte von Wissensvermittlung und Lexikographie.

Als Psycholinguistin beschäftigt sich Nicole Altvater-Mackensen mit dem frühen Spracherwerb und der Sprachverarbeitung bei Säuglingen und Kleinkindern im ersten und zweiten Lebensjahr. Mit Hilfe von verhaltensbasierten und neurowissenschaftlichen Methoden erforscht sie, wie Babies Informationen aus unterschiedlichen Domänen integrieren, z.B. wie sie einen Laut dem entsprechenden Mundbild oder ein Wort einem Objekt zuordnen. Dabei interessiert sie sich besonders dafür, welche Faktoren zu individuellen Unterschieden in der Entwicklung führen und welchen Einfluss das auf den weiteren Spracherwerb hat.

Literarische Texte verhandeln gesellschaftliche Problemlagen und entwerfen dabei alternative Formen des Zusammenlebens. Eva Blome, Juniorprofessorin für Gender Studies an der Universität Greifswald, erforscht die Frage, wie dies seit dem 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart immer wieder neu geschieht. Aktuell untersucht die Germanistin, auf welche Art und Weise literarische Texte um 1800 das spannungsreiche Verhältnis von Bildung und sozialer Ungleichheit reflektieren und dabei Aufschluss über folgende Fragen geben: Wer wird (aus)gebildet und wer bildet sich - freiwillig oder gezwungenermaßen - selbst? Welche Bildungskonzepte führen zu sozialem Aufstieg? Unter welchen Umständen kann Bildung aber auch zu gesellschaftlicher Desintegration führen und welche Rolle spielt dabei das Geschlecht und die soziale Herkunft?

Was hat Singen mit Gefühlen und mit Geschichte zu tun? Darüber forscht Juliane Brauer als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Geschichte der Gefühle im Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. An der Schnittstelle von Geschichte und Musik arbeitet sie zum einen über das Singen als intentionale Erziehungsstrategie aber auch als gesellschaftliche Praktik von Vergemeinschaftung. Musik war und ist ein Instrumentarium politischer Macht aber auch gesellschaftlichen Aufbegehrens. Die Analyse von Lied und Gesang ermöglicht Einblick in Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste als Motivation historischer Akteure. Zum anderen beschäftigt sich Juliane Brauer mit Emotionen im Prozess historischen Lernens. Dazu gehört auch die Integration von Musik als Quelle in den Geschichtsunterricht.

Weltweit haben Menschen sehr ungleiche Zugangsmöglichkeiten zu sauberem Wasser, eine Situation, die durch den Klimawandel noch verschärft wird. Dr. Jeanne Féaux de la Croix erforscht als Ethnologin, wie unterschiedlich Menschen in Zentralasien mit Wasser umgehen. Der Aralsee trocknet seit Jahrzehnten aus, weil die Zulaufflüsse für den Baumwollanbau abgezweigt werden. Jeanne Féaux de la Croix geht der Frage nach, wie sich neue Staudämme an diesen Flüssen in Kirgisistan und Tadschikistan auf Menschen auswirken. Sie leitet auch ein Projekt der Volkswagen Stiftung zu der Frage, was für eine Rolle der Syr Darya Fluss für Menschen entlang seines Laufes spielte, und wie sich diese Beziehung seit der Sowjetzeit verändert hat.

Sprache ist komplex und die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern zu erkennen, ist eine große Herausforderung. Wie machen sich ErzieherInnen und Lehrkräfte ein Bild von den sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes? Welche Methoden sind geeignet um den Sprachstand ein- und mehrsprachiger Kinder zu erfassen? Wie handeln pädagogische Fachkräfte in der Sprachförderung mit Vor- und Grundschulkindern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Barbara Geist. Sie hat über sprachdiagnostische Kompetenz von Sprachförderkräften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main promoviert. Derzeit interessiert sie sich im Besonderen für die Sprachdiagnostik von mehrsprachigen Kindern am Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule.

Adriana Hanulikova ist Psycho- und Neurolinguistin und erforscht Prozesse der Sprachperzeption und Sprachproduktion bei Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern, bei Erwachsenen und Kindern. In ihrer Forschung untersucht sie, wie soziale Evaluation von Sprechern das Sprachverstehen beeinflusst und wie Erwachsene und Kinder mit Dialekten und fremdsprachlichen Akzenten zurechtkommen. Sie beschäftigt sich auch mit Sprachtalent in der Muttersprache und Fremdsprache, wobei sie z.B. der Frage nachgeht, warum die Aussprache einer fremden Sprache im Erwachsenenalter selten leicht fällt, welche kognitiven Fähigkeiten und welche neuronale Aktivität einen erfolgreichen von einem weniger erfolgreichen Lernenden unterscheiden, und wie sich monolinguale von bilingualen Lernenden unterscheiden.

Lena Henningsen erforscht Prozesse der Kreativität: Wer schreibt wie und warum Romane? Warum werden Romane konsumiert oder gelesen? Welches kreative Potenzial besitzen Lese-Prozesse? Wie verändern Leser mitunter Texte? Das Interesse der Sinologin gilt chinesischer populärer Literatur, ihrer Entstehung, Weiterentwicklung und ihrem Weiterleben in anderen Medien. Gegenwärtig untersucht sie Unterhaltungsliteratur, die während der Kulturrevolution illegal geschrieben, zirkuliert, gelesen, ab- und umgeschrieben wurde. Die Texte sowie die Praktiken ihrer Entstehung und Verbreitung weisen zum einen auf ganz spezifische, an den historischen Kontext gebundene intellektuelle Strömungen und Praktiken hin. Zum anderen laden sie zu einer Auseinandersetzung mit gängigen Konzepten von Autor- und Leserschaft ein.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist Martin Heidegger für viele noch der bedeutendste Philosoph des 20. Jahrhunderts, obwohl unklar bleibt, was er in den Jahren des Dritten Reiches schrieb und lehrte. Dass die bisher publizierte Gesamtausgabe keine verlässliche Dokumentation seiner Äußerungen und Lehren während des Nationalsozialismus ist, hat Sidonie Kellerer gezeigt. Anhand des Nachlasses im Deutschen Literaturarchiv beleuchtet und bewertet sie sein Werk neu und damit auch die Frage, ob Heideggers vermeintliche Distanzierung vom NS-Regime als globale Kritik am durch die technologische Neuzeit geprägten Totalitarismus zu verstehen ist. Diese Untersuchung wurde zu einem wesentlichen Bezugspunkt der Diskussion um die kürzlich publizierten "Schwarzen Hefte" Heideggers.

Gemusterte Textilien waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts allgegenwärtig in Mode und Innenausstattung. In ihrem aktuellen Projekt untersucht Eva Knels die Zusammenarbeit von Avantgardekünstlern und Textilherstellern in Wien und Paris und geht der Frage nach, inwiefern gemusterte Stoffe zur Verbreitung und Popularisierung von avantgardistischem Formenvokabular beigetragen haben und welche Rolle, Wirkung und Bedeutung(en) diese innerhalb der visuellen Kultur hatten. Eva Knels verbindet kunsthistorische Fragestellungen mit Perspektiven der Konsumgeschichte und der Kulturanthropologie. Gesellschaftliche Relevanz und Reichweite von Kunst, die Bedingungen ihrer Produktion und Rezeption stehen im Mittelpunkt ihrer Forschungsinteressen.

Was ein linguistischer Ausdruck oder deren Äußerung bedeutet, sind für Linguisten wie Mingya Liu zwei unterschiedliche Fragen. In der ersten handelt es sich um die Bedeutungseinheit der Sprache im Sinne eines abstrakten Zeichensystems (aka Semantik). In der zweiten geht es um die Sprache in Anwendung (aka Pragmatik). Die Pragmatik ist zwar an die Semantik gebunden, geht aber (manchmal sehr weit) darüber hinaus, denn mit einem und demselben Satz kann Unterschiedliches gemeint sein, je nach Sprecher, Hörer, Zeit und Ort der Äußerung. Frau Liu erforscht linguistische Phänomene an der Schnittstelle von Semantik und Pragmatik in unterschiedlichen Sprachen, um mögliche Antworten auf die Fragen zu finden, wie man die Semantik und die Pragmatik zusammenbringt und wie man sie voneinander abgrenzt.

Die Forschungsinteressen der Altgermanistin Beatrice Michaelis liegen im Bereich der Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bevorzugt verbindet sie bei ihren Arbeiten den Blick auf mittelalterliche Texte mit Ansätzen gegenwärtiger kulturwissenschaftlicher Forschung. In ihrem aktuellen Projekt geht es um die Fragen, ob und wie "Rasse" als eine analytische Kategorie bestimmt und für die Untersuchung mittelalterlicher Darstellungen des religiös Anderen genutzt werden kann. Dr. Michaelis ist zugleich im Wissenschaftsmanagement tätig mit Stationen an dem International Graduate Centre for the Study of Culture an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und aktuell an der Jungen Akademiean der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Berlin.

Im Deutschen Kaiserreich gab es deutlich weniger bi-nationale Eheschließungen als heute. Dennoch waren sie immer ein Thema und beschäftigten Gesellschaft und Politik bis heute, wo bei jeder siebten Ehe, die in Deutschland geschlossen wird, die Partner einen unterschiedlichen Pass haben. Maren Röger, Juniorprofessorin an der Universität Augsburg, interessiert, wie binationale Ehen in Politik, Gesellschaft und Medien in Deutschland seit 1870 diskutiert und dargestellt wurden. Am Bekanntesten und am besten erforscht ist das Verbot deutsch-jüdischer Mischehen im Nationalsozialismus. Andere Aspekte des Themas sind kaum erarbeitet. In diese Lücke setzt Maren Röger mit ihrer Forschung an, die die rechtlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dimensionen bi-nationaler Ehen auslotet. Verwaltungspraxen interessieren ebenso wie kulturelle Zuschreibungen und das alltägliche Leben.

In einer globalisierten Welt, die immer mehr von komplizierten ökonomischen Zusammenhängen geprägt ist, spielen die Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen von WirtschaftswissenschaftlerInnen eine große Rolle. Die Anglistin Joanna Rostek beschäftigt sich mit der Geburtsstunde der modernen Wirtschaftswissenschaften, nämlich der Zeit um 1800. Ihr interdisziplinäres Projekt beleuchtet einen Umstand, der auch dem Fast Track Programm zu Grunde liegt, nämlich die Marginalisierung von Frauen in der Wissenschaft. Übergeordnetes Ziel ist es, die bisher oft übersehene weibliche Teilhabe an der Entstehung, Systematisierung und Verbreitung ökonomischen Wissens sichtbar zu machen. Den Untersuchungsgegenstandbilden dabei sowohl literarische, als auch didaktische und populärwissenschaftliche Texte aus der Feder von Frauen, die um 1800 in Großbritannien publiziert wurden.

Psychologische Theorien haben längst den Elfenbeinturm der Wissenschaft verlassen und prägen das alltägliche Selbst- und Fremdverständnis von Menschen. Wie Eltern psychologisches Wissen nutzen und in die Beziehungsgestaltung mit ihren Kindern einbauen, untersucht Anna Sieben in ihrem aktuellen Forschungsprojekt. Als Psychologin und Soziologin interessiert sie sich für Schnittstellen zwischen alltäglichem und wissenschaftlichem Wissen und fragt nach den Erfahrungen, insbesondere auch den Emotionen, die hier entstehen. In entgegengesetzter Blickrichtung hat sie sich in ihrer Dissertation mit Geschlecht und Sexualität in klassischen psychologischen Theorien des letzten Jahrhunderts auseinandergesetzt und den Einfluss alltäglicher Annahmen auf psychologische Theorien herausgearbeitet.

Was weiß die Dichtung? Das ist eine Frage, die sich durch die Forschung von Clarissa Vierke zieht. Sie hat einzige Professur in Deutschland für Literaturen in afrikanischen Sprachen inne. In ihrem Hauptforschungsgebiet, dem swahilisprachigen Ostafrika, wo Dichtung allgegenwärtig ist, hat sie zu verschiedensten Genres, wie historischen Epen und Hiphoptexten geforscht, die wichtige Orte der intellektuellen Auseinandersetzung sind. Jenseits der Frage, inwieweit Dichtung gängige gesellschaftliche Diskurse inszeniert, interessiert sich Clarissa Vierke vielmehr dafür, welche besonderen Arten der Wissenserzeugung und -weitergabe die Dichtung durch ihre eigene Gestalt, etwa ihrepoetischen Bilder, ihre rhythmisierte Sprache und ihre besondere Erzählweise, mit sich bringt.

Worüber und wie haben Menschen im Mittelalter Geschichten verfasst? Was waren die Merkmale einer "guten" oder "spannenden" Erzählung? Und wie haben sich erzählende Texte über die Jahrhunderte verändert? Eva von Contzen erforscht die mittelalterliche Literatur Englands und Schottlands und deren spezifische Erzählformen und -funktionen. Ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit ist es, die Besonderheiten vormoderner Texte mit Theorien moderner Literaturwissenschaft in Einklang zu bringen. Gegenwärtig beschäftigt sich die Anglistin mit Aufzählungen in literarischen Texten von der Antike bis zur Postmoderne und geht der Frage nach, warum lange Listen von Namen oder Personen zwar die Leser frustrieren, dennoch ein sehr konstantes und faszinierendes Element in erzählenden Texten darstellen.

Christiane Wienand ist Zeithistorikerin und beschäftigt sich mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust in Europa. Im Zentrum ihrer Untersuchungen steht die Frage, welche Rolle die "junge Generation" in verschiedenen europäischen Ländern und in Israel für eine transnationale Verständigung und Versöhnung nach 1945 spielte. Dafür analysiert sie sowohl Diskurse über die Jugend als auch praktische Versöhnungsaktivitäten von Jugendlichen im Spannungsfeld zwischen Aufarbeitung der Vergangenheit einerseits und dem Engagement für eine bessere Zukunft andererseits. Mit ihrer Forschung möchte Christiane Wienand dazu beitragen, unser Verständnis der weitgehenden Stabilität der europäischen Friedensordnung seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu vertiefen.

Rechtswissenschaft

Wirtschafts-, und Sozialwissenschaften, Jahrgang 2013 bis 2015

Diana Boer arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie, Abteilung der Sozialpsychologie, an der Goethe Universität Frankfurt. Als Kulturpsychologin interessiert sie sich generell für den Einfluss von Kultur auf das menschliche Verhalten, Entscheidungen und Gesundheit. Ihr Habilitationsprojekt untersucht im Besonderen die Auswirkungen verschiedener Bedrohungen auf psychologische Prozesse. Zum Beispiel untersucht sie, wieweit Umweltbedrohungen, wie die Ansteckungsgefahr von Krankheiten oder ökonomische Bedrohung, wie Armut oder die Finanzkrisen zu Veränderungen in psychologischen Prozessen führen können. Ihre Forschung strebt eine kultursensible Theorienentwicklung an. Dabei soll das Einbeziehen diverser Menschengruppen mit unterschiedlichen ethnischen, ökonomischen und sozialen Hintergründen in der Psychologie gefördert werden, um deren Lebensumstände und Wohlbefinden nachhaltig zu verbessern.

Wie kann die Lehre an Hochschulen weiterentwickelt werden, damit Studierende die Anforderungen der Zukunft bewältigen können? Durch welche Maßnahmen verbessert sich die Lehre an Hochschulen nachhaltig? Diese Fragen leiten die bildungswissenschaftliche Forschung von Taiga Brahm. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass an Hochschulen zwar vielfältige Initiativen bestehen, die Lehrqualität zu verbessern, allerdings die Nachhaltigkeit häufig ausbleibt. Als ein Grund dafür kann identifiziert werden, dass solche Initiativen oft auf einer individuellen Ebene ansetzen. Für nachhaltige lehrbezogene Veränderungsprozesse sind neben der individuellen Kompetenzentwicklung von Lehrenden und Studierenden auch die Qualität der Studienprogramme und organisatorische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Die Bedeutung der Steuermoral für ein gerechtes Steuersystem ist verstärkt in den Blickpunkt der öffentlichen Debatte gerückt. Allerdings sind die Determinanten für eine ehrliche Steuerzahlung der Individuen – trotz ihrer gesellschaftlichen Bedeutung – in der wissenschaftlichen Literatur nach wie vor weitgehend unverstanden. Nadja Dwenger untersucht in Feldexperimenten, inwieweit die Steuerehrlichkeit der Individuen durch die Androhung von Strafen bzw. durch eine hohe Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Steuerhinterziehung gefördert werden kann. Als Volkswirtin interessiert sie außerdem, inwieweit sich solche externen Anreize auf die intrinsische Motivation der Steuerpflichtigen auswirken, also auf ihre Bereitschaft, aus moralischen oder pro-sozialen Überlegungen heraus Steuern zu zahlen.

Welchen Einfluss haben Ministerialverwaltungen auf politische Entscheidungen und wie wird er eingesetzt? Julia Fleischer forscht und lehrt zu den Strukturen und Prozessen in Regierungsorganisationen im internationalen Vergleich. Sie beschäftigt sich mit dem Zustandekommen und Auswirkungen des Ressortzuschnitts und der internen Organisation von Ministerien, mit der Koordination einzelner Politikbereiche wie etwa der Klimapolitik oder der inneren Sicherheit sowie mit den Rekrutierungs- und Karrieremustern von Spitzenbeamten. Ziel ist es, die oftmals weniger beachtete Relevanz exekutiver Akteure in politischen Prozessen zu analysieren und Konsequenzen für die Qualität des Regierens sowie die Legitimation und Effizienz von Regierungshandeln zu identifizieren.

Anna Getoš ist Universitätsdozentin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zagreb in Kroatien (Lehrstuhl für Strafrecht) und leitet dort seit Ende 2012 die Max-Planck-Partnergruppe für „Balkan Criminology“. Schwerpunkte ihrer Forschung umfassen folgende Themenbereiche bezogen auf die Balkanregion: Gewalt, organisierte Kriminalität und illegale Märkte; Gefühle und Wahrnehmung von (Un)Sicherheit und Kriminalität; internationale Strafzumessung. Neben der empirischen kriminologischen Forschung selbst leitet sie auch den Auf- und Ausbau eines regionalen Netzwerks von Experten. WeitereThemenbereiche die durch Ihre internationalen Forschungsprojekte umfasst sind: ISRD3 Croatia – International Self-Report Delinquency Study; TRAFSTAT Croatia – Tools for the Validation and Utilisation of EU Statistics on Human Trafficking; RJ Croatia – Restorative Justice at Post-Sentencing Level – Supporting and Protecting Victims.

Warum sind Einkommen ungleich verteilt? Wie gelingt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Diesen und ähnlichen Fragen geht Lena Hipp auf den Grund. Nach dem Abschluss ihrer Promotion an der Cornell University (USA) kehrte die Soziologin nach Deutschland zurück und übernahm die Leitung der Forschungsgruppe „Work and Care“ am Wissenschaftszentrum Berlin. In diesem Rahmen untersucht Lena Hipp derzeit, warum Arbeit im sozialen Dienstleistungssektor so schlecht entlohnt wird und unter welchen Bedingungen sich Männer verstärkt in die Familienarbeit einbringen. Zur Beantwortung dieser Fragen arbeitet sie sowohl quantitativ als auch experimentell.

Die Bestechung im ausländischen Geschäftsverkehr ist, so beschreibt es der Vorsitzende der OECD Working Group on Bribery, zu „einem der größten Entwicklungshindernisse geworden, beeinträchtigt das Vertrauen in die staatlichen Institutionen, führt zum Verlust von Steuergeldern und zu unfairem Wettbewerb“. Elisa Hoven untersucht in ihrem Vorhaben normative und verfahrenspraktische Herausforderungen in der Verfolgung von Auslandsbestechung durch deutsche Ermittlungsbehörden. Im Rahmen einer empirischen Studie wertet sie deutschlandweit Korruptionsverfahren – wie die Verfahren gegen Siemens oder MAN – aus und identifiziert kontroverse Aspekte, die eine konsequente Anwendung der Tatbestände erschweren. Die Erkenntnisse der Studie zur Phänomenologie der Auslandsbestechung und ihrer Sanktionierung bilden die Grundlage für Reformvorschläge auf normativer, institutioneller und prozessualer Ebene.

Wie wirken sich Europäische Integration und Globalisierung auf den Alltag der europäischen Bürger aus, und wie reagieren diese in ihren Einstellungen, kollektiven Identitäten und ihrem Verhalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Theresa Kuhn. Anhand von Umfragedaten untersucht sie, inwiefern sich grenzüberschreitende Kontakte auf Europäische Identität auswirken. Ihr aktuelles Forschungsprojekt analysiert anhand von Laborexperimenten, unter welchen Umständen Bürger bereit sind, ihr Geld mit anderen Europäern zu teilen. Theresa Kuhn ist ab Februar 2014 Assistant Professor an der Universität Amsterdam. Zuvor hat sie am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert und an der Oxford University und der Freien Universität Berlin geforscht und gelehrt.

In welchem Verhältnis stehen Medien, Zeit und Erinnerung zueinander? Welche Rolle spielen Gedenktage, Monumente und individuelle und kollektive Erinnerungspraktiken in Zeiten der Digitalisierung? Als Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin beschäftigt sich Christine Lohmeier mit dem Wechselspiel zwischen individueller und kollektiver Erinnerung einerseits und Journalismus und digitalen Medien andererseits. In diesem Zusammenhang erforscht sie unter anderem die Erinnerungspraktiken von Migranten und das Erinnern und Vergessen von Migration als gesamtgesellschaftliches Phänomen. Christine Lohmeier forscht und lehrt am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Julia Lübke untersucht an der Universität Heidelberg die rechtlichen Rahmenbedingungen der Unternehmensvererbung. Sie interessiert sich vor allem dafür, wie ein Unternehmer durch testamentarische Anordnungen oder gesellschaftsvertragliche Vorgaben die Unternehmensfortführung durch seine Erben steuern kann. Wie lassen sich dabei auftretende Widersprüche zwischen der weitgehenden erbrechtlichen Gestaltungsfreiheit und den engeren Grenzen gesellschaftsrechtlicher Prinzipien auflösen? Weitere Schwerpunkte ihrer Forschung sind die europäische Kapitalverkehrs- und Niederlassungsfreiheit und deren Auswirkungen auf das nationale Privatrecht, insbesondere auf gesellschafts- und kapitalmarktrechtliche Regelungen zum Erwerb von Gesellschaftsanteilen und zur Ausgestaltung von Gesellschafterrechten.

Nele Noesselt ist Research Fellow am GIGA Institut für Asienstudien in Hamburg. Seit Juni 2012 leitet sie dort das Forschungsteam Komparativer Regionalismus. Zudem ist sie Lehrbeauftragte für Chinesische Politik an den Universitäten Hamburg und Essen. Sie forscht zu der Frage der chinesischen Weltordnungsvorstellungen vor dem Hintergrund der sich seit dem Ausbruch der globalen Banken- und Finanzkrise abzeichnenden globalen Machtverschiebungen. Hierzu beleuchtet sie Governance-Prozesse, insbesondere Vorstellungen zum Zusammenspiel von Politik und Ökonomie, im nationalen, regionalen und globalen Kontext. Ziel ihrer Forschung ist es, bestehende theoretische Analyserahmen kontextsensitiv weiterzuentwickeln und einen Beitrag zur Professionalisierung der modernen Chinaforschung zu leisten.

Veränderungen in der Weltpolitik insbesondere in den letzten 10 Jahren haben einen viel beschriebenen Wandel in der globalen Machtverteilung und der globalen Ordnung mit sich gebracht. Dabei werden speziell die sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) als immer wichtigeren Spieler der internationalen Politik und Wirtschaftsbeziehungen beschrieben. Miriam Prys befasst sich mit unterschiedlichen Aspekten dieses Wandels. Ihre Forschung beschäftigt sich dabei z.B. mit den Auswirkungen der Pluralisierung maßgeblicher Akteure auf die Herausbildung gemeinsamer Normen und Handlungsimperativen in der internationalen Klimapolitik. In Zukunft wird sie sich zudem der Frage nach dem potentiellen Beitrag regionaler Kooperationsabkommen zur globalen Problemlösungsfähigkeit in Bereichen der Umweltpolitik, aber auch darüber hinaus in Feldern wie Handel und Friedenssicherung, widmen.

Julia Redenius ist Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht an der Frankfurt School of Finance & Management und Research Fellow am Institute for Law and Finance an der Goethe Universität Frankfurt. Sie habilitiert bei Professor Theodor Baums zu den Themen Unternehmensrecht und ökonomische Analyse des Rechts. Zwei Schwerpunkte prägen ihre Forschung: Zum einen soll ihre Forschung Fragen der Corporate Governance beantworten, beispielsweise wie die Frauenquote im Vorstand und Aufsichtsrat umgesetzt werden kann, verschiedenen Probleme in Bezug auf die Vorstandsvergütung (Festsetzung, Kontrolle, Offenlegung, Angemessenheit) oder die Haftung der Organe einer Gesellschaft. Zum anderen widmet sie sich u. a. dem Umwandlungs- und dem Bankaufsichtsrecht. Bei allen Fragestellungen muss auch die Rechtsvergleichung eine bedeutende Rolle spielen.

Was haben Kabul, Kairo, Kiew und Sarajevo gemeinsam? In all diesen Städten erhoffen sich Menschen mehr Demokratie, kämpfen für mehr Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Doch warum sind diese Länder nicht erfolgreich sondern hadern im Gegenteil mit Gewalt und Instabilität? Solveig Richter forscht als Politikwissenschaftlerin darüber, wie Demokratisierungsprozesse ablaufen und politische Reformen von außen, etwa der Europäischen Union, unterstützt werden können. Einen besonderen Fokus legt sie dabei auf Post-Konfliktländer, die nicht nur mit der Herausforderung konfrontiert sind, staatliche Ordnung wiederherzustellen, sondern auch Versöhnungsprozesse einzuleiten und die Wirtschaft in Gang zu bringen. Regionalexpertise hat sich Solveig Richter dabei insbesondere zu den Ländern Südosteuropas erworben, wo sie selbst auch lange geforscht und gearbeitet hat.

Karoline Rogge geht als Umweltökonomin und Innovationsforscherin der Frage nach, welche politischen Rahmenbedingungen zum Gelingen der Energiewende beitragen. Dabei untersucht die Wissenschaftlerin am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe insbesondere, welchen Einfluss langfristige Klimaschutzziele und umweltpolitische Instrumente auf Innovationsstrategien und Innovationssysteme im Stromsektor haben. Gegenwärtig konzentriert sie sich dabei auf den deutschen Policy Mix zur Beschleunigung des technologischen Wandels bei den Erneuerbaren Energien. Seit November 2013 analysiert sie zudem als Lecturer in ,Energy Policy and Sustainability' an der University of Sussex den britischen Policy Mix zur Förderung von Innovationen, die die Energienachfrage senken.

Demokratische Führung erscheint gegenwärtig als gesellschaftliches Ideal. In Zeiten der Krise und gesellschaftlicher Umwälzungen jedoch wird der Ruf nach einer starken, autokratischen Führung immer wieder laut. Aus sozialpsychologischer Perspektive geht Christiane Schöl der Frage nach, welche situationellen Determinanten und welche Personenmerkmale zu einer Befürwortung von autokratischen Führungsverhältnissen beitragen. Ein besonderer Fokus ihrer Forschung liegt dabei auf dem Zusammenspiel von situationeller Unsicherheit und dem Selbstwert – genauer einem niedrigen bzw. einem narzisstisch überhöhten Selbstwert – einer Person. In weiteren Projekten beschäftigt sie sich mit den Ursachen von Stereotypen gegenüber Dialekten und ausländischen Akzenten sowie den Folgen von sozialem Ausschluss.

Auf welche Weise beeinflussen aktuelle Krisen wie Terroranschläge oder die Finanzkrise das Gesetzgebungsverfahren und die Gestaltung von Gesetzen? Entsteht in Form von Krisengesetzen ein neuer Gesetzestyp? In Krisensituationen sind unter Zeitdruck auf unsicherer Grundlage komplexe Fragen zu entscheiden. Das Gesetzgebungsverfahren wird im Eiltempo durchgeführt. Es entsteht der Eindruck, der Bundestag nicke Vorgaben der Regierung nur noch ab. Entscheidungsstrukturen auf EU-Ebene erhöhen die Komplexität zusätzlich. Die Rechtswissenschaftlerin Angela Schwerdtfeger untersucht in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt, inwieweit diese Entwicklungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind und wie das US-amerikanische Rechtssystem derartige Fragen beantwortet.

Internationale Zusammenarbeit ist in der globalisierten Arbeitswelt selbstverständlich geworden. Multinationale Teams koordinieren die weltumspannenden Aktivitäten von Großkonzernen und helfen beim Erschließen neuer Märkte. Die Arbeitssprache dieser Teams ist meistens Englisch. Da nicht jeder Mitarbeiter diese „Weltsprache“ auf muttersprachlichem Niveau beherrscht haben viele Teams mit Sprachbarrieren zu kämpfen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Helene Tenzer untersucht, wie sich diese Barrieren auf die Zusammenarbeit auswirken. Sie führt Interviews mit Leitern und Mitarbeitern multinationaler Teams und vereint Theorien aus der Managementforschung, Linguistik und Organisationspsychologie, um die Wirkung von Sprache auf Emotionen, Vertrauen, Machtverhältnisse und Wissenstransfer in der Teamarbeit zu erklären.

„Ich will mehr Sport treiben!“ Oft sind wir motiviert, ein gesundes Leben zu führen. Aber warum schaffen wir es dann selten, den inneren Schweinehund zu besiegen? Maßnahmen zur Gesundheitsförderung vermitteln häufig Wissen, zum Beispiel über Effekte von Sport auf die Gesundheit. Wissen allein reicht jedoch nicht aus, wenn wir Hindernissen begegnen - wie beispielsweise strömendem Regen, wenn wir joggen gehen wollen. Doch wie können wir Menschen bei der Verhaltensänderung unterstützen? Amelie Wiedemann untersucht Wirkmechanismen von Theorie- und Evidenzbasierten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Ihr Ziel ist es, Interventionen mit nachhaltigen Effekten zu entwickeln. Dabei fokussiert sie auf Strategien zur Selbstregulation und die Entwicklung von änderungsresistenten Gewohnheiten.

Ist das Leben in allen Phasen – von seinem Anfang bis an sein Ende – gleich schützenswert? Liane Wörner behandelt diese zentrale menschliche Fragestellung aus strafrechtlicher Perspektive und untersucht, welche Widersprüche im derzeitigen Lebensschutzkonzept vorliegen, welche aus systemischen Gründen auszuräumen oder auch hinzunehmen sind. Dabei versucht sie, die statische Rechtslage mit der dynamischen Entwicklung der Medizintechnik und der damit einhergehenden Verantwortung in Einklang zu bringen und einen Lösungsweg zu entwickeln, durch den das Strafrecht mit den gesellschaftlichen Veränderungen Schritt halten kann. Ihre weiteren Interessen gelten vor allem der Strafrechtsvergleichung, etwa der Untersuchung von Verankerungsmechanismen im Recht oder methodisch der Bedeutung der Rechtsvergleichung bei der Europäisierung des Strafrechts.

Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften

Jahrgang 2012 bis 2014

Wann haben sich die ersten Galaxien gebildet und wie entwickeln sich diese Inseln im Weltraum weiter? Mit der Beantwortung dieser Fragen beschäftigt sich Nadya Ben Bekhti. Dabei spielen riesige Gaswolken im Halo von Galaxien eine große Rolle. Für die Untersuchung solcher Objekte nutzt sie sowohl Optische- als auch Radioteleskope. Erst die Kombination von Messungen in verschiedenen Wellenlängenbereichen erlaubt die genauere Untersuchung der physikalischen und chemischen Eigenschaften dieser Galaxienbausteine. Weiterhin arbeitet sie aktiv zusammen mit Forschergruppen in Australien und den Niederlanden an der nächsten Generation von Radioteleskopen.

Kann man Transportprozesse durch kleine, synthetische Poren z.B. in Glas gezielt manipulieren? In der Natur regulieren Ionenkanäle u. a. unser Nervensystem, indem sie Ionen durchlassen oder deren Transport blockieren. In der Technik basieren viele Trennprozesse auf porösen Systemen. Unsere Projekte beschäftigen sich mit porösen Systemen und deren Polymerfunktionalisierung. Das Ziel ist die Modulation von Transportprozessen in so kleinen Poren, z.B. indem man durch Licht Ladungen „an“ und „aus“ schalten und damit Molekülen den Zugang zu Poren erlauben oder verhindern kann. Besonders kleine Poren, mit einem Durchmesser im Bereich der Polymergröße, sind dabei interessant. In so kleinen Poren ist so wenig Platz, dass Moleküle sich anders verhalten als in einer Lösung. Eine Frage ist, ob man solche Struktureffekte ausnutzen kann.

Das Hauptproblem der Brennstoffzelltechnik ist die Entwicklung geeigneter Elektrodenmaterialien für die Reduktion von Sauerstoff zu Wasser. In der Natur finden sich Enzyme, wie die Kupfer enthaltenden Laccasen, die genau diese Umwandlung katalysieren. Von diesen Enzymen inspiriert entwickelt Katharina Butsch Elektroden, die selektiv und effizient Sauerstoff reduzieren. Dazu wird als Trägermaterial Glas-Kohlenstoff mit einfachen aber stabilen Kupferkomplexen modifiziert. Ein wesentlicher Aspekt bei der Materialentwicklung ist die Anordnung dieser Komplexe auf der Elektrode und die Suche nach Verfahren, wie die Oberflächenverteilung gezielt beeinflusst werden kann. Die katalytischen Eigenschaften der Materialien werden schließlich durch elektrochemische Verfahren analysiert.

Wie schnell können schwarze Löcher rotieren? Welche geometrischen Eigenschaften haben sie? Die Mathematikerin Carla Cederbaum erforscht aktuelle theoretische Fragestellungen aus Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie. Diese Theorie beschreibt die physikalischen Eigenschaften und die Bewegung von Himmelskörpern wie Sternen und schwarzen Löchern, aber auch ganzen Galaxien. Formuliert ist die Theorie in der Sprache der Geometrie mithilfe von so genannten geometrischen Differentialgleichungen. Carla Cederbaum analysiert diese Gleichungen und leitet aus ihnen allgemeingültige geometrische Prinzipien her, die neue mathematische sowie physikalische Erkenntnisse liefern. Dazu arbeitet sie mit Kollegen aus der Mathematik, der Numerik und der Astrophysik zusammen.

Carla Cimatoribus ist Professorin für Umwelttechnik an der Hochschule Esslingen, wo sie u.a. die Fächer der Abwasser- und Abfalltechnik, der Wasserversorgung und des Umweltmanagements vertritt. In der Lehre und in der praxisorientierten Forschung kombiniert sie ihre Kompetenzen als Verfahrenstechnikerin mit jahrelanger Erfahrung im Anlagenbau.

Dass es Situationen gibt, in denen man durch eine zufällige Entscheidung schneller ans Ziel gelangen kann, wissen Informatiker und Mathematiker schon lange. Die Struktur solcher Probleme, die ein randomisiertes Vorgehen bevorteilen, ist jedoch weitestgehend unbekannt. Carola Doerr, geb. Winzen, CNRS-Forscherin an der Universität Pierre et Marie Curie in Paris, hat sich zum Ziel gesetzt dieses Phänomen genauer zu verstehen. Dazu untersucht sie mit mathematischen Methoden die Komplexität von algorithmischen Problemen der Informatik. Dabei steht die Entwicklung neuer Algorithmen ebenso im Vordergrund wie die Komplexitätstheorie, d.h. die Beschäftigung mit dem bestmöglichen Ressourcenverbrauch zur Lösung von Optimierungsaufgaben.

Wie können zukünftige Computer und integrierte Schaltungen energieeffizienter und leistungsfähiger werden? Inga Fischer erforscht neuartige Halbleiter-Bauelemente von der Herstellung bis zu ihrer experimentellen Charakterisierung. In heutigen Computerchips werden sogenannte Silizium-Feldeffekttransistoren als Bauelemente für logische Schaltungen eingesetzt, die über Kupfer-Verdrahtungen verbunden sind. Inga Fischer arbeitet daran, zum einen die Transistoren durch Bauelementkonzepte wie z.B. Tunneltransistoren zu ersetzen, in denen quantenmechanische Effekte zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Verringerung der Leistungsaufnahme genutzt werden. Zum anderen forscht sie an Alternativen zur metallischen Verdrahtung wie z.B. plasmonische Übertragungsstrecken, die zur verbesserten Informationsübertragung im Chip genutzt werden können.

Tanja Gulder beschäftigt sich mit der Entwicklung katalytischer Systeme. In diesen Arbeiten lässt Sie sich von der Natur inspirieren, die viele chemische Reaktionen spielend bewerkstelligt, die für den Menschen – bis dato – nicht durchführbar sind. Mit diesem Ansatz fügt sie nicht nur neue, wichtige Werkzeuge zum Arsenal der chemischen Methoden hinzu, sondern erschließt auch medizinisch relevante Verbindungsklassen. Dabei konzentriert sich auf die Entwicklung neuer nicht-invasiver Diagnostika, die eingearbeitet in Implantate deren Kontrolle im Patienten, auch ohne chirurgischen Eingriff, erlauben. Besonders am Herzen liegt ihr die Erarbeitung neuer antibiotischer Leitstrukturen, wodurch sie ihren Beitrag zur Bekämpfung der immer bedrohlicher werdenden Antibiotikaresistenz leistet.

Wie können wir unsere begrenzten stofflichen und energetischen Ressourcen am effektivsten einsetzen? Diese gesellschaftlich viel diskutierte Frage kann auch durch die Erforschung des stofflich-energetischen Verhaltens von Gas- und Flüssigkeitsmischungen in Gegenwart von porösen Oberflächen beantwortet werden. Die Chemieingenieurin Mandy Klauck versucht neue Erkenntnisse der Stoffdatenforschung und -modellierung für technische Anwendung nutzbar zu machen, z.B. für die Stofftrennung und -reinigung oder für die Katalyse. Ihr Ziel ist es, u. a. durch eine Verbesserung der experimentellen Messtechnik, exakte Daten zu gewinnen. Auf Grundlage der experimentellen Daten möchte sie Mischungs- und Adsorptionsprozesse erfassen und die theoretischen Modelle weiterentwickeln.

Wäre Gold so häufig auf der Erde vertreten wie Eisen, wäre es wohl kaum zu dem Ruhm gelangt, den ihm seine Seltenheit beschert hat. Jedoch waren bei der Entstehung des Universums die Weichen anders gestellt. Wäre auch nur eine Stellschraube in der kosmischen Elementküche minimalst verändert worden, dann wäre Eisen ein sehr seltenes Element und vielleicht begehrt wie Gold. Antworten darauf sucht Susanne Kreim durch Anwendung atomphysikalischer Techniken, womit sie die Kernstruktur von extrem seltenen, kurzlebigen Kernen untersucht, die am CERN in Genf produziert werden. Mit dem Penningfallen Massenspektrometer ISOLTRAP kann die Masse eines radioaktiven Ions so genau vermessen werden, dass die Ergebnisse Aufschluss über diese und weitere fundamentale Fragestellungen liefern kann.

Wie können wir zunehmende globale Mobilität mit knapperen Ressourcen sicherstellen? Wie sehen langfristige Alternativen zum Kerosin aus? Wann werden Flugzeuge elektrisch fliegen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Larissa Lorenz am Bauhaus Luftfahrt e.V., einem interdisziplinären Think Tank zur Zukunft der Luftfahrt. Ihr besonderes Interesse gilt grundlegenden physikalischen Prinzipien des Fliegens sowie der richtigen Festlegung von Systemgrenzen in Flugantrieben. Damit lässt sich das Potential neuer Technologien, die im Labor entwickelt oder in anderen Industrien bereits getestet werden, für den Einsatz im Flugzeug der Zukunft abschätzen. Dabei besteht die Herausforderung darin, ökonomische, technische, ökologische und gesellschaftliche Anforderungen an die Luftfahrt zusammenzuführen.

Computer schneller, effizienter und energiesparender zu machen – dieser Aufgabe hat sich Dr. Martina Muüller verschrieben. Die Physikerin leitet eine Helmholtz-Young Investigators Group am Forschungszentrum Jülich im Bereich „Oxide Spintronics“. Das Ziel ihrer Forschung ist es, komplexe magnetische Oxide auf atomarer Ebene zu kontrollieren. Dazu nutzt sie die physikalischen Eigenschaften der Oxide, um Elektronenspins – das ist die kleinste Einheit des Magnetismus – schneller und energiesparender zur Datenverarbeitung zu nutzen. Um dabei ein fundamentales Verständnis der nanoelektronischen Prototypen zu bekommen, untersucht das Team deren physikalische Eigenschaften auf subatomarer Skala mit hochenergetischer Röntgenstrahlung, die extrem genaue Einblicke in die Welt der Atome ermöglicht.

Nadine Neumayer untersucht mit ihrer Arbeitsgruppe welche Rolle Schwarze Löcher bei der Entwicklung von Galaxien spielen. Sie beschäftigt sich mit der Frage zu welchem Zeitpunkt in der Entwicklung einer Galaxie ein massereiches Schwarzes Loch gebildet wird, und welche Bedingungen dazu nötig sind. Um die Frage zu beantworten, ob alle Galaxien zentrale Schwarze Löcher besitzen, untersucht sie systematisch diejenigen Galaxien, die sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Häufig beobachtet man in diesen jungen Galaxien einen sehr dichten, massereichen Sternhaufen im Zentrum, den „nuclear star cluster". Nadine Neumayer untersucht den Aufbau und die Entwicklung dieser zentralen Sternhaufen, die uns Aufschluss darüber geben können, wie Schwarze Löcher ins Zentrum von Galaxien gelangen.

Die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid (CO2) in neue Energieträger und kleine organische Basismoleküle für die chemische Industrie, die energieeffiziente Spaltung von Wasser sowie die elektrochemische Umwandlung von chemischer Energie in elektrische Energie mittels Brennstoffzelle. Mit diesen Themen für die zukünftige Energiespeicherung und -umwandlung befasst sich die Arbeitsgruppe der Juniorprofessorin Mehtap Özaslan an der Universität Oldenburg. In ihrer Gruppe werden neue nanostrukturierte Katalysatormaterialien zur elektrochemischen Aktivierung von kleinen Molekülen entwickelt. Mittels modernen, hochauflösenden in-situ und ex-situ Methoden werden die Katalysatoren unter realen Reaktionsbedingungen untersucht. Ziel ist es durch ein besseres Verständnis der atomaren Prozesse neue Katalysatoren zu designen.

Wie konnten sich komplexe Moleküle während der Entstehung unserer Sonne entwickeln? Und haben diese Moleküle bei der Entwicklung des Lebens auf der Erde eine Rolle gespielt? Bérengère Parise und ihre Emmy-Noether Gruppe am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn interessieren sich dafür, wie Sterne wie unsere Sonne entstehen, und welche chemischen Prozesse dabei ablaufen. Dafür führen sie Beobachtungen mit den derzeit besten Millimeter- und Submillimeter-Wellenlängen-Teleskopen durch, werten die Ergebnisse der Beobachtungen aus und entwickeln numerische Simulationen. Bérengère Parise hat gerade einen Ruf an die Cardiff University in Wales erhalten und wird dort ab September 2013 ihre Forschung fortsetzen.

Julia Pongratz erforscht am Max-Planck-Institut für Meteorologie, wie wir Menschen durch Landnutzung das Klima verändern. Mehr als die Hälfte der Landoberfläche wird für Land- und Forstwirtschaft genutzt – Tendenz steigend aufgrund von Bevölkerungswachstum und verstärkter Nutzung von Bioenergie. All diese Aktivitäten führen zu Abgabe und Aufnahme von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, aber auch zu lokalen Veränderungen im Energie- und Wasserhaushalt der Landoberfläche. Mit Hilfe numerischer Klimamodelle führt Julia Pongratz diese vielfältigen Effekte zusammen und untersucht Landnutzungsmaßnahmen hinsichtlich ihres Potentials, dem Klimawandel auf lokaler wie globaler Ebene entgegenzuwirken.

Julia Repper arbeitet auf dem Gebiet der experimentellen Materialforschung. Die Physikerin untersucht hier die Zusammenhänge zwischen den strukturellen Eigenschaften von Metallen und ihren inneren Spannungen. Um diese sogenannten Eigenspannungen zu bestimmen misst sie den Winkel, den Neutronen durch die zu untersuchende Probe von ihrer ursprünglichen Flugbahn abgelenkt werden. Julia misst dabei sowohl statische Eigenspannungen als auch sich ändernde Spannungszustände, wie sie z.B. während der mechanischen Verformung von Metallen entstehen. Dazu nutzt sie bestehende Neutroneninstrumente aber entwickelt sie auch weiter um neue, spannende Experimente durch zu führen.

Wie können Solarzellen effizienter gemacht werden? Warum altern Batteriesysteme? Wie lassen sich Kunststoffe mit Licht heilen? Diesen Fragen geht Katrin Siefermann mit hochentwickelten Femtosekunden-Lasern auf den Grund. In ihren Experimenten macht sie dabei die Prozesse sichtbar, die auf kleinster Ebene ablaufen; d.h. auf molekularer und atomarer Ebene. Mit diesen Informationen lassen sich beispielsweise die einzelnen Prozesse in Solarzellen verstehen und optimieren, sodass insgesamt eine höhere Effizienz erreicht werden kann. Auf diese Weise leistet Katrin Siefermann einen wichtigen Beitrag zum fundamentalen Verständnis und letztlich zur Weiterentwicklung zukunftsweisender Technologien.

Als Astrophysikerin erforscht Vernesa Smolcic grundlegende Fragen zur Entstehung und Entwicklung von Galaxien. Dazu nutzt sie Beobachtungen mit großen Teleskopen auf der Erde, wie dem Jansky Very Large Array in den USA, dem Very Large Telescope in Chile, dem Australian Telescope Compact Array, und im Weltall, u.a. dem Hubble Space Telescope, dem Spitzer Infrarotteleskop, oder dem Chandra Röntgenteleskop. Ihre Expertise liegt dabei in Beobachtungen im Radio- bis Mikrowellenlängenbereich, und der momentane Schwerpunkt ihres Interesses bei der Entstehung der massereichsten Galaxien im frühen Universum.

Lebenswissenschaften

Jahrgang 2011 bis 2013

Ulrike Attenberger ist Oberärztin und Leiterin des Geschäftsfeldes für Präventive Diagnostik. Sie erforscht derzeit v.a., inwieweit die Magnetresonanztomographie (MRT) eine Charakterisierung von Tumorgewebe sowie eine Quantifizierung des Ansprechens eines Tumors auf eine spezifische Therapie (Response) erlaubt. Mit ihrer Forschung möchte sie zu einer optimierten Anwendung immer ausgereifterer Tumortherapien über eine dezidierte und frühzeitige Erfassung des Therapieansprechens mittels der MRT beitragen. Darüberhinaus beschäftigt sie sich mit der weiteren Optimierung kontrastverstärkter MRT-Untersuchungen. Gerade für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist die Reduktion der Kontrastmitteldosis ohne Verlust in der Bildqualität zur Minimierung des Risikos einer systemischen Reaktion bedeutsam.

Nadine Becker arbeitet als Wissenschaftlerin bei Nanion Technologies GmbH an der Automatisierung elektrophysiologischer Messverfahren. Die Ableitung elektrischer Signale von Zellen ermöglicht es, physiologische Vorgänge und die Wirkung von Medikamenten in Echtzeit zu beobachten und bis ins molekulare Detail zu untersuchen. Da diese Messungen an einzelnen Zellen aus Zellkulturen möglich sind, können Wirkung und Toxizität neuer Substanzen frühzeitig geprüft werden, so dass Tierversuche reduziert und klinische Tests sicherer werden. Elektrophysiologische Messungen sind meist zeitaufwändig und schwierig durchzuführen. Durch die Automatisierung möchte Nadine Becker die Durchführung erheblich vereinfachen und die gleichzeitige Messung vieler Zellen unter konstanten Bedingungen ermöglichen.

Annalen Bleckmann arbeitet als Wissenschaftlerin und Ärztin in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Untersuchung von Brustkrebs und seinen Metastasierungswegen, denn vor allem Patientinnen mit Fernmetastasen zeichnen sich durch eine sehr schlechte Prognose aus. Von besonderem Interesse sind hierbei die Genexpressions- und Signalwegsprofile der Tumore. Dabei steht der so genannte „WNT-Signalweg“ im Vordergrund. Mit ihrer systembiologisch orientierten Forschung möchte Annalen Bleckmann dazu beitragen, die Rolle dieses Signalwegs in Brustkrebs und seinen Metastasen genauer zu ergründen, um ein tieferes Verständnis für das Mammakarzinom zu entwickeln und dieses zukünftig gezielter therapieren zu können.

Dorothee Dormann ist Biochemikerin und erforscht die molekularen Mechanismen der Frontotemporalen Demenz (FTD). Diese neurodegenerative Erkrankung zeichnet sich durch eine fortschreitende Veränderung der Persönlichkeit, der Sprache und der sozialen Verhaltensweisen aus und führt nach einigen Jahren unweigerlich zum Tode. Auf molekularer Ebene werden bei FTD-Patienten in den betroffenen Gehirnarealen charakteristische Ablagerungen bestimmter Proteine beobachtet. Dorothee Dormann untersucht die Mechanismen, die zur Bildung dieser Proteinablagerungen und zum Absterben der Nervenzellen führen, um neue Ansatzpunkte zur Behandlung dieser tödlichen Krankheit zu finden.

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die durch Einschränkungen in den Bereichender Kommunikation und des sozialen Kontakts mit anderen Menschen charakterisiert ist sowie durch stereotype Verhaltensweisen. Christine Falter ist Neurowissenschaftlerin und Entwicklungspsychologin und erforscht die autistische Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Ziel ihrer Forschung ist es zu verstehen warum Menschen mit Autismus die Welt anders wahrnehmen als andere Menschen und wie die Besonderheiten der visuellen und auditorischen Wahrnehmung mit autistischen Verhaltenssymptomen in Zusammenhang stehen.

Stefanie Höhl forscht und lehrt als Akademische Rätin am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Biologische Psychologie. Sie befasst sich mit der sozialen und kognitiven Entwicklung in den ersten Lebensjahren des Menschen, in denen wichtige Grundlagen für die spätere Entwicklung gelegt werden. Für das frühkindliche Lernen spielen dabei soziale Interaktionen eine besondere Rolle. Deren Einfluss auf die Informationsverarbeitung bei Kleinkindern und Säuglingen erforscht Frau Höhl mittels verhaltensbasierter und neurowissenschaftlicher Methoden.

Jede Zelle, egal ob menschliche Körperzelle oder einfaches Bakterium, muss Signale aus der Umwelt wahrnehmen, diese Informationen verarbeiten und darauf reagieren. Kristina Jonas erforscht die molekularbiologischen Grundlagen, die für diese Form der Informationsübertragung verantwortlich sind. Ziel dieser Forschung ist es, die Funktionsweise biologischer Zellen so gut zu verstehen, dass der Bau synthetischer Zellen mit maßgeschneiderten Eigenschaften möglich wird. Diese könnten zum Beispiel der Herstellung von Medikamenten oder Biotreibstoffen dienen. Nach ihrem Studium der Biologie an der Universität Tübingen hat Kristina Jonas am Karolinska Institut in Stockholm promoviert. Gegenwärtig forscht sie am Massachusetts Institute of Technology in den USA.

Schädigt Fußballspielen das Gehirn? Inga Katharina Koerte ist Ärztin in der Radiologie der Universität München und arbeitet als Wissenschaftlerin an der Harvard Medical School. Leichte Gehirnerschütterungen können neben unmittelbar einsetzenden Symptomen wie Schwindel und Übelkeit auch zu langfristiger Beeinträchtigung führen. Betroffene leiden an Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bis hin zu dementiellen Erkrankungen. Verantwortlich sind vor allem Schädigungen der weißen Substanz des Gehirns durch Scherverletzungen, die während eines Traumas entstehen. Inga Katharina Koerte erforscht mit ihrer Arbeitsgruppe die Veränderungen der weißen Substanz des Gehirns von Profisportlern, die sich wiederholten leichten Gehirnerschütterungen aussetzen, mithilfe neuer bildgebender Methoden wie der Diffusionstensor-Magnetresonanztomographie.

Sarah König forscht auf dem Gebiet der Leberregeneration und wie diese durch Behandlung beeinflusst werden kann. Bei der Transplantation von Leberzellen muss die Empfängerleber speziell zur Regeneration vorbereitet werden, damit Spenderzellen gute Bedingungen zum Anwachsen vorfinden. Einen ganz anderen Stellenwert hat die Leberregeneration, wenn eine Darmkrebsmetastase durch eine Operation aus der Leber entfernt wird. In diesem Fall führen die Regenerationsprozesse zum Ausgleich der verlorenen Lebermasse, fördern aber zugleich auch das Wachstum von schlummernden Tumorzellen. Um diesem Effekt in Zukunft entgegenwirken zu können, untersucht Sarah König die beteiligten Faktoren und Signalwege, die zum Erwecken der Tumorzellen bzw. zum beschleunigten Tumorwachstum in der Leber führen.

Epilepsien stellen eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen dar mit erheblicher Beeinträchtigung der Patienten im täglichen Leben. Darüber hinaus sind Epilepsien lebensbedrohlich, da ein Teil der Patienten trotz medikamentöser Therapie wiederholt epileptische Anfälle hat. Besonders lange epileptische Anfälle („status epilepticus”) können lebensbedrohlich sein und zu einer erheblichen Schädigung von Hirnzellen führen, die sich in Gedächtnisstörungen wiederspiegelt. Unkontrollierte Anfälle stellen einen wichtigen Risikofaktor fuer den plötzlichen Tod bei Patienten mit Epilepsie dar („SUDEP - sudden unexplained death in epilepsy”). Frau Kovac untersucht die Mechanismen, die zur Schädigung von Nervenzellen und zum Nervenzelluntergang führen. Im Mittelpunkt dieser Untersuchungen stehen die Mitochondrien und Mechanismen der freien Radikalbildung während epileptischer Anfälle. In Epilepsie-Tiermodellen konnten wir zeigen, dass eine Hemmung der freien Radikalbildung und eine Verbesserung der Energiereserve in der Nervenzelle neuroprotektiv wirkt. Langfristiges Ziel ist es, diese Erkenntnisse in die klinische Praxis und in klinische Studien umzusetzen, um neurologische/ neuropsychiatrische Folgeschäden, und die Lebensbedrohung durch wiederholte und besonders lange epileptische Anfälle, abzuwenden.

Durch Einführung einzelner embryonaler Faktoren ist es Forschern gelungen, tiefgreifende Veränderungen im Zellschicksal hervorzurufen, und beispielsweise reife Hautzellen in pluripotente Stammzellen zu verwandeln. Claudia Lengerke erforscht, welche Rolle embryonale Faktoren in Tumorerkrankungen übernehmen und inwieweit ähnliche Reprogrammierungsvorgänge zur Entstehung von Krebsstammzellen beitragen. Dadurch soll zur Entwicklung neuartiger Anti-Tumor-Therapien beigetragen werden. Die wissenschaftliche Arbeit in der experimentellen Stammzell- und Tumorforschung verbindet Claudia Lengerke mit ihrer Tätigkeit als klinische Oberärztin im Fachbereich Hämatologie und Onkologie.

Im Alltag treffen wir dauernd Entscheidungen. Obwohl wir über die Hintergründe einer Entscheidung nachdenken können, ist es nach wie vor ein Rätsel, wie das Gehirn eine Entscheidung trifft. Da bei komplexen Entscheidungen (z. B. welches Auto kaufe ich) viele Prozesse parallel ablaufen, untersucht Yiwen Li Hegner an der Universität Tübingen die neuronalen Grundlagen von Entscheidungen an einfachen Beispielen. Welche Gehirnareale zu welchem Zeitpunkt an einer Entscheidung beteiligt sind, untersucht sie mit bildgebenden Verfahren (fMRT und MEG). Neben der Frage, ob es ein auf Entscheidungen spezialisiertes Hirnareal gibt, interessiert sie die Beeinflussbarkeit von Entscheidungsprozessen.

Olivia Merkel studierte Pharmazie in Marburg und promovierte im Bereich Pharmazeutische Technologie. Seit 2011 ist sie Assistant Professor für Pharmazeutische Wissenschaften an der Wayne State University und hat seit 2012 eine weitere Funktion im Fachbereich Onkologie inne. Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie den zielgerichteten Transfer von Nukleinsäuren (siRNA) mit Hilfe von Nanopartikeln zur Therapie krankhaft überexprimierter Gene. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich hauptsächlich mit entzündlichen Erkrankungen der Lunge und Krebsleiden. Neben der Herstellung und Gefriertrocknung von Nanopartikeln zur Inhalation ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt die Molekulare Bildgebung der Bioverteilung von Nanopartikeln im Körper nach einer Inhalation bzw. Injektion.

Nicole Reisch erforscht mit ihrer Arbeitsgruppe am Klinikum der Universität München Stoffwechseldefekte der Nebennieren und Gonaden. Dabei interessiert sie sich vor allem für Aspekte der gestörten Geschlechtsentwicklung und Fertilität. Im besonderen beschäftigt sie sich wissenschaftlich mit dem Krankheitsbild des Adrenogenitalen Syndroms, einer unbehandelt tödlich verlaufenden angeborenen Stoffwechselerkrankung, die seit 2005 deutschlandweit im Neugeborenenscreening erfasst wird. In München hat sie eine der europaweit größten Spezialambulanzen für betroffene erwachsene Patienten aufgebaut. Ziel ihrer Forschung ist es, die Therapie dieser Patienten zu optimieren, Komorbiditäten zu vermeiden und dadurch die Lebensqualität zu verbessern.

Dr. med. Susanne A. Schneider, Ph.D, Privatdozentin und Fachärztin für Neurologie, hat in den letzten Jahren insbesondere auf dem Gebiet der Bewegungsstörungen, zumal Parkinson und Dystonien, gearbeitet und in großem Umfang weltweit veröffentlicht. Sie untersucht derzeit die genetischen Ursachen sowie die Zusammenhänge von Eisen und neurodegenerativen Vorgängen. Sie konzentriert sich hierbei auf die Modelerkrankungen der Syndrome mit Neurodegeneration mit cerebraler Eisenablagerung (engl. Syndromes of Neurodegeneration with Brain Iron Accumulation). Künftige Forschungsgebiete sind unter anderem präsymptomatische Ausprägungen des Morbus Parkinson.

Melanie Stefan arbeitet am California Institute of Technology und untersucht dort die molekulare Grundlage von Lernen und Gedächtnis. Beim Lernen werden synaptische Verbindungen verstärkt, und dieser Vorgang wird von einem fein abgestimmten Netzwerk von Proteinen durchgeführt. Melanie Stefan führt biochemische Experimente durch und entwickelt Computermodelle, um das Zusammenwirken dieser Proteine zu untersuchen. Solche Modelle können nicht nur dabei helfen, normale Lernvorgänge besser zu verstehen, sie können auch dazu verwendet werden, die Auswirkungen von Mutationen, Krankheiten, Medikamenten oder Drogen zu simulieren.

Sandra Steiger ist eine Evolutionsbiologin und Verhaltensökologin, die die Ursachen und Mechanismen von Verhaltensweisen im Tierreich untersucht. Sie beschäftigt sich dabei schwerpunktmäßig mit chemischer Kommunikation, sexueller Selektion und der Evolution von Brutpflege. Ihre Modellorganismen sind Insekten, insbesondere der Totengräber, der für seine ausgeprägte Form biparentaler Brutpflege (beide Elternteile pflegen) bekannt ist. Ziel ihrer Forschung ist es unter anderem zu verstehen, wie sich Organismen über chemische Signale erkennen, kommunizieren und ihren Paarungspartner auswählen und wie es dazu kommt, dass Paare miteinander kooperieren, welche gemeinsamen Interessen sie vertreten oder welche Konflikte aufkommen.

In jeder Sekunde werden in den Zellen unseres Körpers tausendfach verschiedenste Gene an- und ausgeschaltet, um die unterschiedlichen lebenswichtigen Funktionen aufrechtzuerhalten. Dr. Nina Henriette Uhlenhaut erforscht als Molekulargenetikerin mit modernsten „genomischen“ Methoden insbesondere die Mechanismen, die dazu dienen, Gene gezielt abzuschalten. So werden z.B. als Antwort auf die Ausschüttung von Steroidhormonen sowie auf Medikamente wie Cortison Entzündungsgene aus- und Stoffwechselgene eingeschaltet. Die Wirkung der Hormone wird hierbei durch sogenannte Transkriptionsfaktoren hervorgerufen. Das Aufdecken der Mechanismen, wie diese Faktoren unsere Gene regulieren, wird für die Entwicklung neuer Therapien für Krankheiten wie Diabetes, Asthma oder Bluthochdruck hilfreich sein.

Wie sehen Kinder unsere Welt? Diese Frage stellt sich die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Dr. Sarah Weigelt und untersucht die Entwicklung des menschlichen Sehsystems. Neben Wahrnehmungsexperimenten führt sie vor allem auch Studien mittels funktioneller Magnetresonanztomographie durch. Sie untersucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen besonders solche Gehirnregionen, die sich auf die Verarbeitung sozialer Reize, z.B. von Gesichtern, spezialisiert haben. Die visuelle Wahrnehmung untersucht Sarah Weigelt auch in ihrem zweiten Forschungsfokus: der Entwicklungsstörung Autismus. Ziel ihrer Forschung im neuen Forschungsbereich „Developmental Cognitive Neuroscience“ ist es, ein umfassendes Verständnis für die Entwicklung der menschlichen Wahrnehmung zu gewinnen – in Geist und Gehirn. Nach ihrer Promotion am Max-Planck-Institut für Hirnforschung und einem Postdoc-Aufenthalt am Massachusetts Institute of Technology (MIT), forscht Sarah Weigelt zur Zeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.