Warum machen wir das Projekt?

Die Verwaltungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union stehen vor neuen Herausforderungen. Das Verwaltungshandeln wird zunehmend von europäischen Rechtsnormen bestimmt, die Kompetenzausweitung der EU berührt heute auch traditionell nationale Politikbereiche. Gleichzeitig erfordern innen- und sicherheitspolitische Themen wie beispielsweise Migration grenzüberschreitende Abstimmung und gemeinsames Vorgehen. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union stehen mit fortschreitender Integration vor der Herausforderung, neue Formen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu entwickeln. Doch der Aufbau von Arbeitsbeziehungen über Ländergrenzen hinweg wird nicht von Institutionen geleistet, sondern von den Menschen, die in ihnen arbeiten. Persönliche Netzwerke und Verständnis für die unterschiedlichen Arbeitskulturen sind notwendig, um die Barrieren der nationalen Verwaltungen zu überwinden und eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen den europäischen Mitgliedstaaten sicherzustellen.

 

Was wollen wir erreichen?

Das Bellevue-Programm ermöglichte Nachwuchsführungskräften der obersten Staatsbehörden fachliche Weiterqualifikation, Auslandserfahrung und Begegnung mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern. Während eines 12-monatigen Arbeitsaufenthalts in einem der Partnerländer machten sich die Teilnehmer mit den Verwaltungsstrukturen und den Formen der politischen Willensbildung des Gastlands vertraut. Dabei sollten sie ihre beruflichen Erfahrungen in die Gastbehörde einbringen und eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen.

Das Programm setzte auf zwei Ebenen an: Einerseits wurde die fachliche, interkulturelle und europapolitische Kompetenz der Beamten gefördert und so ihr Potential für die Übernahme von Führungspositionen gestärkt. Andererseits wurde die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der beteiligten Ministerien angeregt und damit deren Europafähigkeit gesteigert. Bewusst war das Bellevue-Programm nicht bilateral, sondern als Ringtausch zwischen europäischen Partnerländern angelegt. Langfristig entstand so ein europaweites Netzwerk von Führungskräften der öffentlichen Verwaltung.

Das Bellevue-Programm war durch seine Dauer, Intensität und die Anzahl der teilnehmenden Länder in Europa einzigartig.

 

Wie funktioniert das Projekt?

Ablauf und Dauer
Das Programm begann jährlich im September mit einem Einführungsseminar. Sofern Sprachunterricht zur Vorbereitung notwendig war, konnten bis zu drei Monate – Oktober bis Dezember – im Gastland verbracht werden. Von Januar bis Dezember des Folgejahres arbeiteten die Stipendiaten in der Gastbehörde.

Arbeitsaufenthalt
Entscheidend für den Erfolg des Stipendienjahres waren Qualität und Intensität der Mitarbeit in der Gastbehörde. Der Stipendiat sollte entsprechend seiner fachlichen Qualifikation als vollwertiger Mitarbeiter einsetzten. Im Dialog zwischen dem zuständigen Vorgesetzten und dem Stipendiaten wurde ein anspruchsvolles Aufgabenprofil zusammengestellt, von dem beide Seiten profitierten. Es lag in der Verantwortung des Stipendiaten, sich innerhalb der Gastbehörde ein Netzwerk an Kontakten aufzubauen und selbst Vorschläge zu machen, in welchen Projekten und Arbeitsgruppen er sich mit seinem Erfahrungshintergrund einbringen konnte.

Seminare
Neben der Arbeitserfahrung im Gastland, die den Kern des Programms darstellte, dienten die Seminare der inhaltlichen und methodischen Weiterbildung und ermöglichten den Teilnehmern, untereinander ein persönliches Netzwerk aufzubauen.

 

  • Das Einführungsseminar in Berlin vermittelte durch Vorträge und Begegnungen mit Entscheidungsträgern einen Blick auf aktuelle gesellschaftliche und politische Herausforderungen in Deutschland. Die Stipendiaten diskutierten ihre Planungen für das Stipendienjahr und präzisierten ihre fachlichen und persönlichen Zielvorstellungen. Zugleich erhielten sie Gelegenheit, ihre Kollegen aus dem laufenden Stipendienjahrgang kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Kenntnisse der elementaren Funktionsweise der Europäischen Union wurden bei den Teilnehmern vorausgesetzt.

 

  • Das EU-Seminar bot den Stipendiaten die Chance, vor Ort in Brüssel und Straßburg mit hochrangigen Vertretern der europäischen Institutionen ins Gespräch zu kommen und ihr Wissen zu vertiefen. Während des 10-tägigen Seminars konnten sie sich über aktuelle Entwicklungen in der Europäischen Union informieren, die politische Kultur der Union näher kennenlernen und Verknüpfungen zur eigenen Arbeit im Gastland herstellen.

 

  • Führungs-und Teamfähigkeit sind selbstverständliche Voraussetzungen für die berufliche Laufbahn der Stipendiaten. Daher konnte im Leadership Development Seminar auf hohem Niveau angesetzt werden: Trainer für internationale Verhandlungsführung, Rhetorik und strategische Entscheidungsfindung ermöglichten den Teilnehmern mit intensiven praktischen Übungen, sich weiterzuentwickeln und zusätzliche Kompetenzen zu erwerben. Das Seminar fand im Sommer, zur Halbzeit des Programms, statt – eine gute Gelegenheit, die zu Beginn gesetzten Ziele zu überprüfen, die weiteren Entwicklungsschritte für die verbleibenden Monate zu planen und sich mit den Mitstipendiaten über die Erfahrungen im Gastland auszutauschen.

    Zur Vorbereitung auf ihre Rückkehr lud die Robert Bosch Stiftung die Stipendiaten zu einem Abschlussseminar ein, bei dem sie gleichzeitig ihre frischen Erfahrungen  persönlich den neuen Stipendiaten weitervermitteln können.

 

Förderung durch die Robert Bosch Stiftung
Der Stipendiat erhielt von der Stiftung ein monatliches Stipendium zur Deckung der auslandsbedingten Mehrausgaben. Für begleitende Ehepartner und Kinder konnten Zuschläge gezahlt werden. Die Stiftung erstattete zudem die Umzugskosten und die Kosten des Sprachunterrichts bis zu festgelegten Höchstgrenzen. Die im Zusammenhang mit Seminaren und sonstigen Pflichtveranstaltungen entstehenden Reise-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten wurden übernommen.

 

Wo findet das Projekt statt?

Folgende Länder nahmen an dem Programm teil: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und Ungarn. Jährlich standen bis zu 12 Stipendienplätze zur Verfügung.

 

Wer steckt dahinter?

Das Bellevue-Programm stand unter der Schirmherrschaft der Staatsoberhäupter der Partnerländer und wurde 2017 letztmalig von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

 

Ehemaligen-Netzwerk

Das Netzwerk der Stipendiaten besteht über das Programmjahr hinaus. Jährliche Treffen aller Jahrgänge, dienen der Kontaktpflege über Jahrgangs-und Landesgrenzen hinweg und bieten den ehemaligen Stipendiaten Gelegenheit zum persönlichen und fachlichen Austausch.