"Es geht um Klasse, nicht Masse"

Schon seit vielen Jahren unterstützt die Robert Bosch Stiftung Übersetzer als wichtige Akteure in der Kultur- und Sprachvermittlung. Für ihre bisherige Arbeit in der Übersetzerförderung, erhält Maja Pflüger, stellvertretende Bereichsleiterin bei der Stiftung, auf der Frankfurter Buchmesse die "Übersetzerbarke". Im Interview spricht sie über die aktuelle und zukünftige Förderung der Stiftung.

Robert Bosch Stiftung | Oktober 2017
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Panos Georgiou

Maja Pflüger ist stellvertretende Leiterin im Programmbereich "Völkerverständigung Europa und seine Nachbarn" der Robert Bosch Stiftung.

Frau Pflüger, Ihnen wird auf der Frankfurter Buchmesse 2017 die "Übersetzerbarke" verliehen? Können Sie uns mehr über diesen Preis verraten?

Maja Pflüger: Die Barke steht für das Übersetzen in doppelter Bedeutung und ist ein ehrenvoller Preis des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke an Menschen, die sich ganz besonders für die Belange der Übersetzer einsetzen. Jedes Jahr nimmt der Preis eine neue künstlerische Form an, die der Preisträger in Händen halten kann. Gleichzeitig wird die Robert Bosch Stiftung als inzwischen größter privater Förderer von Literaturübersetzern in Deutschland gewürdigt. Dabei geht es um Klasse, nicht Masse!

Stichwort Übersetzerförderung: Was tut die Robert Bosch Stiftung im Bereich der Übersetzerförderung? Wie genau sieht ihr Engagement auf der Frankfurter Buchmesse 2017 aus?

Im Fokus stehen diesen Herbst die Literaturübersetzerinnen und –übersetzer. Mit "Dialog der Ideen" beteiligen wir uns am Gastlandauftritt Frankreichs, indem wir der Leistung der Übersetzer als wichtige Akteure der Völkerverständigung eine Bühne geben. Diese Veranstaltungsreihe ist als Schaufenster für die deutsch-französische Übersetzerförderung der DVA-Stiftung gedacht, einer kleinen, aber feinen Tochterstiftung der Robert Bosch Stiftung. Hier treffen Sie auf Übersetzer von Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur, Theater, Comic, Graphic Novel, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie bedeutende Übersetzernachlässe.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Übersetzerförderung aus?

Die Kunst des Übersetzens erfährt große Wertschätzung, die sich darin zeigt, dass öffentliche und private Förderung selbstverständlich und bedarfsorientiert ist. Auf Buchtiteln sind natürlich auch die Namen der Übersetzer zu lesen, exzellente Übersetzungen werden in den Feuilletons fachkundig diskutiert. Leser kaufen Bücher, weil sie von bestimmten Übersetzern stammen. Kein literarisches Ereignis von internationaler Bedeutung kommt ohne Übersetzer aus. Als aktive Kulturmittler sorgen Übersetzer dafür, dass die Gesellschaften ihrer Länder an Geschichten und Wissen anderer Kulturen teilhaben und in internationalem Austausch stehen.

In diese Richtung gehen wir mit unserem neuen Programm "TOLEDO – Übersetzer im Austausch der Kulturen", unter dessen Dach wir unsere Übersetzerförderung beim Deutschen Übersetzerfonds zusammenführen. Der Name verweist auf große europäische Übersetzungszentren, die im Mittelalter an Orten wie der kastilischen Stadt Toledo entstanden und eine von Kooperation und Austausch geprägte Übersetzungskultur hervorbrachten.