Adelbert von Chamisso Prize of the Robert Bosch Stiftung

Tzveta Sofronieva

Adelbert-von-Chamisso-Promotional Prize 2009

Born in Sofia, Bulgaria, in 1963. After studying for a degree in physics, she earned her doctorate in philosophy in 1991 and studied poetry with Joseph Brodsky. In 1992, she chose Berlin as her permanent home. In the mid-1990s, she initiated “Forbidden Words,” a network of literary and academic projects dealing with the memory of words in multilingualism. She is involved with Web streaming poetry and the relations between the history of science and literature.

Scholarships led her to, among other places, St. John’s College in Cambridge in 1992, the Solitude Palace Academy in Stuttgart in 1996, and the Villa Aurora in Los Angeles in 2005. She writes in Bulgarian, German, and English, and has been publishing since the early 1980s. She acquired her initial knowledge of German – her fifth language – when she was 28. Since 1995, she has published German essays and narratives in anthologies. Her first German poems were published in the journals “Akzente” and “Manuskripte” in 2007.

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Landschaften, Ufer
Am Meer in Heiligendamm
im Juni, das Wasser, riesig,
silbern, schluckt Haut und
spuckt nackte Menschen aus.

Zwischen den Seen, nördlich davon,
gibt sich die Sonne von alleine hin,
wie nur der Süden sich hingeben kann,
erstaunt dunkeln die Birken.

Am Fluss, östlich,
im Feigenherz reifen Perlen
bernsteinfarbenes Abfinden,
und der Kiesel erstrahlt.

Von der Hoffnung,
– dieses schmutzige Wort –
hier, zwischen
Zäunen und Ufern.

Aus dem Gedichtband »Eine Hand voll Wasser«

 

Das Einpflanzen des Garten Eden
Die Leere ist Erinnerung an etwas,
was sein könnte oder der Wunsch ihrer Erfüllung.
Das Vorhandensein einer Abwesenheit,
bunt und breit.
Das Nichts ist düster, von der Größe her ungewiss,
eine Einladung, es zu bewohnen.
Die Null ist die Mitte der Waage,
der Minus- und Plus-Räume.
Ein Anfang, der immer da war,
und ein Ende, nur falls es akzeptiert wird.
Das Kind legt einen Kirschkern
zu jeder Rose, legt die ganze Kirsche
zu der Rosenbeere mit den Samen –
dann gießt es sie.
Wie schön ist dieser Kupferbehälter
zum Füllen,
und auch diese Luft, und diese Erde
in den Comenius-Gärten.

»Nun, wie kann es gelingen, ein neues Paradies zu pflanzen?«
Johann Amos Comenius, 1592 –1670

Bibliography

bibliografie.gif
Landschaften, Ufer.
Poems. Edition Lyrik Kabinett im C. Hanser Verlag, München 2013

Diese Stadt kann auch weiß sein.
Stories. Verlag Hans Schiler, Berlin / Tübingen 2010

Via Dukte.
Poems. ICH Verlag Häfner + Häfner, Nürnberg 2010

Eine Hand voll Wasser.

Poems. Unartig Verlag, Aschersleben 2008

Verbotene Worte.
Poems, Essays and Stories. Hrsg. und mit eigenen Beiträgen. Biblion Verlag, München 2005

Gefangen im Licht.
Poems, Bulgarian/German. Translation: Gabi Tiemann. Biblion Verlag, Marburg an der Lahn 1999