Adelbert von Chamisso Prize of the Robert Bosch Stiftung

Saša Stanišić

Adelbert-von-Chamisso-Prize 2008

Born in 1978 in Visegrad, Bosnia-Herzegovina. In 1992, Saša Stanišic came to Heidelberg to study German as a foreign language and Slavonic literature. After teaching in the USA, he studied at the Deutsche Literaturinstitut Leipzig.
Stanišić has published in German since 2001 and has published many short stories and essays in anthologies and magazines (Edit, Volltext, Geo, Sprache im technischen Zeitalter, Lichtungen), as well as scenic and radio dramas and literary blogs. His first novel “Wie der Soldat das Grammofon repariert” was short-listed for the Deutsche Buchpreis, and was awarded the Bremer Literaturpreis. It is currently being translated into 24 languages, including Chinese, Icelandic and Hebrew.
Saša Stanišić has received many fellowships for his publications, including the Robert Bosch Stiftung “Grenzgänger” stipend. Other fellowships have taken him to Villa Waldberta near Munich, Künstlerhaus Ahrenshoop, and Graz where he worked as a writer for a year. In 2007, he was awarded the Max-Kade Fellowship and participated in the International Writing Program of the University of Iowa.

Awards:

Förderpreis zum Heimito-von-Doderer-Preis, 2008
Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige Autoren nichtdeutscher Muttersprache, 2013
Alfred-Döblin-Preis des Literarischen Colloqiums Berlin, 2013
Preis der Leipziger Buchmesse 2014
Rheingau-Literaturpreis 2016

Text

Doppelpunktnomade
Homesickness: Heimweh. Hausübelkeit. Heimatkrankheit. Eigenheimbrechreiz. »Fremd« ist ein solider Titel für ein Lehrbuch des Deutschen als Fremdsprache,
fremd ist eine Leerstelle, die es mit Vokabelwissen zu füllen gilt. Die deutsche Sprache als Fremde. Die Sprache als deutsche Fremde.
Habe ich ausgelesen. Habe ich gelernt. Habe ich mir entfremdet, die Sprache gesammelt. Flüchtigkeiten der Orte gehortet, der neuen Namen, der Adjektive. Arbeitshefte zu Verästelungen der Satzlaunen angelegt, wohin mit dem Verb? Brot kaufen ein. Ankommen bedeutete zuerst Verständnisfragen: man wohnte in der »Einbahnstraße« und sagte Wüste, wenn man das Wissen meinte.
Und solche Witze.
Die Sprache wechselte die Grammatik, die Phonologie wechselte die Phonologie, der Rest waren Glück, Disziplin und motivierte Lehrer. Privilegiert durch eine intakte Familie und eine Schule, die wirklich etwas für die Orientierung im Chaos des Neuen tat.
Je versprachlichter ich wurde, syntaktischerer, dialektal verwurzelter, je mehr neuen Text ich dem neuen Alphabet entästelte, desto sozial unsichtbarer hätte ich werden können. Wollte ich aber nicht, also schrieb ich, um vorhanden zu bleiben. Im Vokabelwissen und in Wortneubildungen allein kann man aber nicht sesshaft werden. Meine Schachtelsatzversessenheit fühlte sich an, als wollte ich jemandem etwas beweisen, der mir nichts rückbeweisen konnte.

Extract from an unpublished novel.

Bibliography

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Wie der Soldat das Grammofon repariert.
Novel. Munich: Luchterhand Verlag, 2006