Crossing Borders

Oliver Bottini:

Oliver Bottini, in Nürnberg geboren, studierte in München Neuere deutsche Literatur, Italianistik und Psychologie. Er erhielt für seine beiden Kriminalromane „Mord im Zeichen des Zen“ und „Im Sommer der Mörder“ jeweils den Deutschen Krimi Preis. 2007 wurde er für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman nominiert. Sein dritter Roman, „Im Auftrag der Väter“, stand 2007 auf der Shortlist des Münchener Tukan-Preises. Auch der vierte Roman, „Jäger in der Nacht“, war sehr erfolgreich. Oliver Bottini lebt in Berlin.
“Im Auftrag der Väter“

I visited Eastern Croatia and northern Bosnia during my research tour in spring 2007, in which I explored the relic of Danube Swabian settlement in the region. Their history was to be the subject matter of my third detective novel, which starts out in Swabian Freiburg and ends in Croat Slavonia.
Following intensive preparation in Germany in the museums and institutes concerned, as well as personal discussions, I started out in Osijek on the Drau and drove across Slavonia and to Bosnia for three weeks with a "chauffeur" and interpreter. For the first time, I saw formerly "German" villages with their typical Danube Swabian architecture, visited cemeteries with German "sections" and spoke with local people of German descent.
In doing so, I encountered a tragic, barbaric and sensitive episode of European history: derided as Hitler’s „fifth column“, the Danube Swabians were expropriated, expelled and imprisoned in camps by Tito’s partisans at the end of World War II. There was no question of personal guilt or innocence. Nazi Germany had been too brutal in its subjugation of Yugoslavia, and too barbaric had been the crimes perpetrated by the SS division "Prinz Eugen", which had been made up of Danube Swabians, in the Balkans, for the new Yugoslav leadership to be prepared to make such distinctions. Perpetrators and victims, victims and perpetrators... one of the insights gained from this voyage was that people, groups, nations can be both at the same time, and that neither the one or the other should ever be lost sight of.
Quite by coincidence, this tour into Germany’s south-eastern past also became a voyage into the contemporary trauma of the Balkans – the Yugoslav wars of secession. Especially in Slavonia (never mind Bosnia) the war is still very present. There were bombed villages everywhere, walls with bullet holes in the cities, entire regions are still mined, and access to them remains impossible. The biography of most people in Slavonia was shaped by the war, and dislike for their Serb neighbors is passed on to the next generation either in reserved or passionate form.
A voyage I shall never forget, that was shaped by the wounds, simplicity, power, good humor and joy in life of a region previously unknown to me and that persuaded me to spend another two months in Osijek to finish writing my novel.

Im Auftrag der Väter (novel), Scherz Verlag, Frankfurt am Main 2007, hardback, 444 pp., €14.90 [Germany] / €15.40 [Austria] / SFR26.80 [Switzerland], ISBN: 3-502-11009-3

More Information

Bildergalerie

Ostkroatien und Nordbosnien – das waren im Frühjahr 2007 die Ziele meiner Recherchereise auf den Spuren der Donauschwaben. Um deren Geschichte sollte es in meinem dritten Kriminalroman gehen, der im badischen Freiburg beginnt und im kroatischen Slawonien endet. Nach intensiver Vorbereitung in Deutschland in entsprechenden Instituten und Museen, Telefonaten und persönlichen Gesprächen fuhr ich von Osijek an der Drau aus drei Wochen lang mit „Chauffeur“ und Dolmetscherin kreuz und quer durch Slawonien und nach Bosnien, sah mir ehemals „deutsche“ Dörfer mit ihrer typisch donauschwäbischen Architektur an, besuchte Friedhöfe mit deutschen „Abteilungen“, sprach mit Deutschstämmigen.

Eine tragische, grausame, heikle Episode europäischer Geschichte wurde dabei offenbar – verdammt als fünfte Kolonne Hitlers, wurden die Donauschwaben am Kriegsende von Titos Partisanen enteignet, entrechtet, vertrieben, in Lager gesperrt. Die Frage nach individueller Schuld oder Unschuld spielte keine Rolle. Zu brutal hatte Nazideutschland Jugoslawien unterworfen, zu grausam hatte die aus Donauschwaben bestehende SS-Division „Prinz Eugen“ auf dem Balkan gewütet, als dass die neue jugoslawische Regierung noch zu unterscheiden bereit war. Täter und Opfer, Opfer und Täter ... Das war eines der Ergebnisse dieser beeindruckenden Reise: dass Menschen, Gruppen, Völker beides zugleich sein können und man weder das eine noch das andere aus dem Blick verlieren sollte.

Ganz nebenbei wurde diese Reise in die deutsche Südostvergangenheit auch eine Reise in das Trauma der Menschen auf dem Balkan – die jugoslawischen Zerfallskriege. Gerade in Slawonien (von Bosnien zu schweigen) ist der Krieg noch immer präsent. Allerorten stößt man auf zerbombte Dörfer, in den Städten starren Einschusslöcher von den Häuserwänden, ganze Landstriche sind nach wie vor vermint und können nicht betreten werden. Den meisten Einwohnern Slawoniens steht die Kriegserfahrung in die Biografie geschrieben, und die Abneigung gegen den serbischen Nachbarn wird kühl oder leidenschaftlich tradiert.

Eine Reise, die ich nicht vergessen werde, eine Reise, die von der Verletztheit, Einfachheit, Kraft, Fröhlichkeit, Lebenslust einer mir bis dahin unbekannten Region geprägt war und in den Entschluss mündete, mich für weitere zwei Monate in Osijek niederzulassen, um den Roman dort zu Ende zu schreiben.