Biljana Garvanlieva:
Talentierte Leute wie eine Künstlerin, Schriftstellerin, die es nicht geschafft haben aus Makedonien zu flüchten, haben nur eine Wahl um zu überleben: Näherin zu werden.
Eriela, Beti und Vesna sind Näherinnen in der Kleinstadt Stip in Makedonien. Wollten sie eine ihrer Blusen kaufen, müssten sie dafür einen Monat hart arbeiten. Unter den Frauen herrscht Vollbeschäftigung, die Männer hingegen hatten nach der Wende weniger Glück und sind arbeitslos. Eine Situation mit viel Konfliktpotenzial, denn welcher Mann, der es gewohnt ist, mit Stolz seiner Arbeit nachzugehen, lässt sich schon gerne von einer Frau aushalten?
Anhand der Textilindustrie wird die Parabel der Kinder der Wende in Makedonien erzählt. “Die Näherinnen” wirft einen Blick hinter die Gardinen der Globalisierung.
Dank der Grenzgänger-Recherche konnte Biljana Garvanlieva nicht nur ein enges Verhältnis und Vertrauen zu den Protagonisten aufbauen, sondern auch einen makedonischen Koproduktionspartner gewinnen, so dass Die Näherinnen als deutsch-makedonische Koproduktion gedreht werden konnte. Die Regisseurin schreibt "Die internationale Mischung des Teams ist mehr als die Summe der Mitglieder. Meine „Heimat“-Kenntnis und der neugierige Blick der „Ausländer“ ergänzen sich und schaffen so das nötige Verhältnis von Nähe und Distanz zum filmischen Stoff."
30 Min. / 2010
produziert von: gebrueder beetz filmproduktion
Die Akkordeonspielerin
aus der 3sat-Reihe Mädchengeschichten
Mit 8 Jahren spielte ich Klavier. Eifrig. Erfolgreich. Ich konnte aber nicht weiterkommen, weil meine Eltern mir kein professionelles Klavier kaufen konnten. Nach einem Besuch bei meiner Familie in Makedonien fielen mir die Parallelen zu meiner Cousine Emilija auf. Die Idee für einen Film wurde geboren und ich beschloss Anfang 2006 eine Recherchereise zu unternehmen. Während dieser stellte ich fest, dass Emilija zwar aus einer armen, aber ungeheuer musikalischen und lebenslustigen Familie kommt. Als eine der wenigen Akkordeonspielerinnen Makedoniens lernt sie, sich in der Männerwelt durchzusetzen und kämpft dafür, an einem weiteren internationalen Wettbewerb in diesem Frühjahr teilnehmen zu dürfen. Gut genug spielt sie, doch Voraussetzung für die Teilnahme ist ein professionelles und für sie unbezahlbares Akkordeon. Daraus entstand ein emotionaler Film, der auch den Zuschauer emotional ansprechen soll, denn "Alles was aus dem Herz kommt geht direkt ins Herz", sagt meine Cousine Emilija.
Der Film hat viele internationale Preise gewonnen, unter anderem den Deutschen Kurzfilm Preis 2007.
30 min. / 2006
produziert von: gebrueder beetz filmproduktion
Biljana Garvanlieva
wurde 1973 in Skopje, Makedonien, geboren. Nach einem Dramaturgiestudium in Skopje erhielt sie 1999 ein DAAD-Stipendium für Theater- und Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Biljana Garvanlieva lebt und arbeitet heute als freie Autorin und Regisseurin in Berlin. Für 3sat realisierte sie 2006 den mehrfach preisgekrönten Grenzgänger-Dokumentarfilm "Die Akkordeonspielerin", der u.a. den Deutschen Kurzfilmpreis „Goldene Lola“ gewonnen hat und 2009 „Tabakmädchen“, der mehrere Regiepreise erhalten hat. Für den neuen Grenzgänger-Film „Die Näherinnen“ hat Garvanlieva 2010 den „Heart of Sarajevo“ - Preis für den besten Dokumentarfilm beim 16. Sarajevo Film Festival erhalten.