Mittendrin statt zwischendrin: 50 neue Talente im Land – Stipendiaten auf eigenen Wegen

Stuttgart – 12. Oktober 2006 –

Welch hohes Potenzial für unsere Gesellschaft in den Kindern aus Zuwandererfamilien steckt, das zeigt das Schülerstipendienprogramm Talent im Land Baden-Württemberg nun bereits im vierten Jahr. Im Stuttgarter Neuen Schloss wurden heute wieder 50 bildungshungrige und engagierte junge Menschen aufgenommen, die ab sofort eine Förderung von durchschnittlich 200 Euro pro Monat erhalten und dazu in ein Bildungsnetzwerk mit ehemaligen und aktuellen Stipendiaten eingegliedert werden.
Robert Bosch Stiftung und Markelstiftung in Kooperation mit der Landesstiftung Baden-Württemberg haben allein in Baden-Württemberg insgesamt 176 Stipendiaten in der laufenden Förderung.

„Die Lebensläufe der neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten zeigen, was möglich ist, wenn junge Migranten die vorhandenen Bildungsangebote konsequent nutzen“, sagte Kultusminister Helmut Rau MdL. Integration sei ein Prozess, der von zwei Seiten getragen werden müsse. Eine noch so große Vielzahl an Fördermöglichkeiten könne nicht die Integrationsbereitschaft der Zuwanderer ersetzen. Die deutsche Sprache sei dabei der Schlüssel zu Bildungs-und Zukunftschancen. „Nur wer die deutsche Sprache beherrscht, kann in Deutschland sein Talent voll zur Entfaltung bringen“, sagte Rau.

„In Deutschland erschwert die soziale Herkunft nach wie vor die Bildungschancen junger Menschen“, sagte Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Gemeinsam wollen wir diesem Missstand mit dem Programm Talent im Land Baden-Württemberg entgegentreten und den 50 begabten jungen Menschen mit Migrationshintergrund den bestmöglichen Schulabschluss ermöglichen, der ihnen eine chancenreiche Zukunft in unserem Land bietet."

Der Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg, Herbert Moser, ergänzte: „Die jungen Talente zeigen, wie eine vielfältige und mehrsprachige Gesellschaft gelingen kann. Sie geben ausgezeichnete Vorbilder für nachfolgende Schülergenerationen ab und werden als Entscheidungsträger von morgen unsere Zukunft in besonderer Weise prägen.“ Die Landesstiftung Baden-Württemberg beteiligt sich seit Beginn des Jahres 2005 an dem Programm.

Dass das Leben mit zwei Kulturen eine Bereicherung sein kann und sein soll, davon kann Minh-Khai Phan-Thi eine Menge berichten. Die Schauspielerin, Moderatorin und Filmemacherin war die erste Asiatin im deutschen Fernsehen und machte den Stipendiaten in ihrer heiteren Festansprache Mut, die besonderen Chancen zu ergreifen, ihre Träume und Wünsche zu leben. Gleichzeitig richtete sie an die anwesenden Eltern die Bitte, Vertrauen in ihre Kinder zu haben: „Auch wenn sich die Jugendlichen eine Zeit von ihrer Heimatkultur entfernen, um Tritt zu fassen in der deutschen Gesellschaft, so werden sie sich doch früher oder später wieder mit ihrem Ursprung ganz bewusst
beschäftigen wollen.“

Einer der neuen Stipendiaten ist der aus China stammende Ferkat Parhat. Er hatte an seiner Schule den chinesischen Geschichtsunterricht kritisiert und die Zugehörigkeit seines Volkes, der Uiguren, zu China in Frage gestellt. Dafür drohte dem Schüler die Verhaftung. Als 17jähriger floh er alleine über Kasachstan nach Deutschland. Nach der Berufsfachschule machte er seine mittlere Reife und besucht nun das Gymnasium. Bei Talent im Land Baden-Württemberg findet er ein Netzwerk ähnlicher Schicksale und hat die Möglichkeit, einen adäquaten Bildungsabschluss zu erreichen.

Seit 2005 werden in Kooperation mit der Stiftung Bildungspakt Bayern auch in Bayern pro Jahr 50 neue Stipendiaten in das Programm Talent im Land aufgenommen.
In nur zwei Bundesländern haben die beteiligten Stiftungen damit über 269 Stipendiaten in der laufenden Förderung. Und insgesamt haben über 350 Schülerinnen und Schüler das Programm bereits erfolgreich durchlaufen. Pro Jahr und Bundesland investieren die Stiftungen rund 900 000 Euro. Damit ist Talent im Land in Deutschland das größte Schülerstipendienprogramm für Jugendliche aus Zuwandererfamilien.

www.talentimland.de

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