Denkwerk

Sprachliche Heterogenität (Französisch): Ego-Dokumente im Ersten Weltkrieg

Koordinatorin und Ansprechpartnerin: Professorin Dr. Sybille Große, Universität Heidelberg

In dem Projekt arbeiten die Schüler der Projektschulen (Bunsen-Gymnasium Heidelberg; Ottheinrich-Gymnasium Wiesloch; Leonardo da Vinci Gymnasium Neckargmünd) mit französischen und in Teilen deutschen Briefen und Feldpostkarten, die Soldaten mit ihren Familien im 1. Weltkrieg ausgetauscht haben, sowie Kriegstagebuchauszügen. Die Texte stammen überwiegend aus dem Raum Elsass-Lothringen und liegen bisher nur als Manuskripte vor.

Die Arbeit mit Feldpostkarten, Briefen sowie Tagebuchauszügen im Original von Schreibern aus weniger privilegierten sozialen Schichten fördert zum einen das Bewusstsein der Schüler für die Historizität der Kommunikation und die Vielfalt sprachlicher Realisierung von demographischen Mehrheiten, die über Jahrhunderte nur in eingeschränktem Maße an der schriftlichen Kommunikation beteiligt waren, zum anderen aber führen sie auch auf der inhaltlichen Ebene den Schülern in ausgewählten Einzeltexten vor Augen, wie die Situation des Krieges und seines trügerischen „Alltags“ von den verschiedenen Schreibern innerhalb einer Familie wahrgenommen wird. Die Palette der individuellen Eindrücke reicht hier von der bewussten Konstruktion einer normalen Familienkonversation – weit entfernt von jeglicher Kriegsrealität – über Informationen zu den täglichen Verrichtungen der Soldaten hinter den Schützengräben bis zur schmerzhaften Verarbeitung einzelner Fronterlebnisse.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Fach Geschichte der einzelnen Schulen fördert zudem das Erkennen für sprach- und soziohistorische Zusammenhänge und für die Relevanz der Archivarbeit in unserer Erinnerungskultur.

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