Grenzgänger

Diedie Weng:

Diedie Weng (*1980 in Zhangjiang, China) wuchs in Guangdong, im Süden Chinas auf und lebt zur Zeit mit ihrer Familie in Lausanne, Schweiz. Sie hat ihren Master of Fine Arts in Dokumentarfilmproduktion an der State University of New York in Buffalo gemacht. Diedie studierte kreative filmische Herangehensweisen. Ziel dieses Kurses war, die Teilnehmer zur aktiven Teilnahme am Entstehungprozess des Filmes zu befähigen und ihre Stimme in ihren eigenen Geschichten zu repräsentieren.

Je tiefer diese Prozesse des Filmemachens gehen, desto öfter findet Diedie starke Zusammenhänge zwischen ihren Lebensfragen und den Geschichten die sie erzählen will. „The Beekeeper and his Son" ist nach einigen kurzen Dokumentarfilmen ihr erster langer Dokumentarfilm.
The Beekeeper and his Son

Desillusioniert von seinen Erfahrungen als Wanderarbeiter kehrt Maofu aus der Stadt zu seiner Familie in ein Dorf im Norden Chinas zurück. Sein Vater Layou, ein alternder Bienenzüchter, hofft, dass sein Sohn nun das Handwerk der Bienenzucht von ihm erlernt. Doch stoßen in der Zusammenarbeit der beiden verschiedene Lebensentwürfe aufeinander, was zu Spannungen und aufreibenden, meist sprachlos ausgetragenen Konflikten führt. Selbst die Tiere auf dem Hof reagieren auf die davon geprägte Atmosphäre und kommentieren das Verhalten auf zum Teil bizarre und humorvolle Art.

Dauer: 81 Min.
Sprache: Chinesisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Chinesisch
Buch: Diedie Weng, Vadim Jendreyko
Regie: Diedie Weng
Ton: Diedie Weng, Vadim Jendreyko
Kamera: Diedie Weng
Schnitt: Vadim Jendreyko, Annette Brütsch, Mahi Rahogozar, Diedie Weng
Musik: Daniel Almada
Produktionsfirma: Mira Film (CH) / Lowik Media (CAN), Diedie Weng (CHINA/CH)
Premiere: Visions du Reel 2016

Bildergalerie

Nachdem ich 2009 mein Dokumentarfilmstudium an der State University New York in Buffalo beendet hatte, zog ich wieder nach China zurück. Zunächst arbeitete ich eineinhalb Jahre in Peking an einem Community Video Projekt, weshalb ich in ein Dorf im Norden Chinas zog. Während dieser Zeit lernte ich den Imker Lao Yu und seine Familie kennen.

In meiner Freizeit besuchte ich die Familie des Imkers sehr oft und wurde ihnen eine gute Freundin. Fasziniert von der engen Beziehung Lao Yu's zu seinen Bienen, begann ich sein Handwerk zu filmen und die Umweltbedrohungen zu erforschen, denen die Bienen ausgesetzt waren. Durch die Rückkehr von Lao Yus Sohn, Maofu, verschob sich mein Fokus auf die Beziehung zwischen Vater und Sohn.

Während ich in ihrem Dorf lebte, wurde mir bewusst, dass es kaum mehr junge Menschen auf dem Land gibt. Die meisten von ihnen sind in die Städte gezogen, wo sie als Wanderarbeiter Geld verdienen oder Kantinen und Restaurants eröffnen. Traditionsgemäß übernehmen die jüngeren Generationen den Hof der Familie und versorgen ihre alternden Eltern. Heutzutage jedoch überlässt man den älteren Generationen das Hüten der Enkel, ihre eigene Versorgung sowie die des Hofs. Während die jüngeren Generationen darum kämpfen ihren eigenen Weg und ihre neue Identität zu finden, leben die älteren Generationen immer noch wie in alten Zeiten; Sie brauchen ihr Erspartes auf, um den Kindern beim Bau neuer Häuser zu helfen und um ihnen die Hochzeit zu finanzieren. Ich wollte verstehen, wie die Dynamik der Beziehungen in dieser Familie aussieht und wie ländliche Familien mit solchen sozialen Veränderungen umgehen.

Nachdem Maofu nach Hause zurückgekehrt war, zeigte er viel mehr Interesse an Verkauf und Marketing als an den Bienen. Lao Yu, der bereits in seinen Siebzigern ist, hatte Angst, seinem Sohn kein neues Haus bauen zu können. Er hoffte, Maofu eine Karriere als Imker zu ermöglichen und damit sein Einkommen zu sichern. Der Vater wie auch der Sohn sind von Existenzängsten geplagt und schaffen es nicht, miteinander zu kommunizieren. Beide wendeten sich öfter an mich und meine Kamera als zueinander.

Trotz der Spannungen zwischen Vater und Sohn hatte ich den Eindruck, dass diese begrenzte Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, sehr wertvoll war. Ich wollte die Art und Weise wie ihre zwei Welten aufeinandertrafen und manchmal auch kollabierten, einfangen. Ich hörte nicht auf nach der Liebe und Zärtlichkeit sowie nach Brücken zwischen den zwei Generationen zu suchen.

„The Beekeeper and his Son“ ist mein erster Film, den ich in China nach meinem Studium in den USA gemacht habe. Wie Maofu und viele andere junge Leute kämpfe auch ich um meine eigene Identität und um Kommunikation innerhalb meiner Familie. Obwohl auch meine Familie aus dem ländlichen China kommt, wo meine Großmutter immer noch lebt, bin ich in der Stadt aufgewachsen. Auch ich erlebe die Spannungen zwischen ländlichen und städtischen Werten innerhalb meiner eigenen Familie. Die Realisierung dieses Filmes hat mir die Perspektiven beider Generationen näher gebracht und mich ebenso dazu motiviert, mich Fragen zu Beziehungen innerhalb meiner eigenen Familie zu stellen.