PORT Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung

Hohenstein

Vielleicht ist es gerade die Abgeschiedenheit von Hohenstein hoch oben auf der Schwäbischen Alb, die dafür sorgt, dass die Gemeinde gerne Dinge selber in die Hand nimmt. Dabei kann sie auf engagierte, aktive Bürger setzen, die sich auch in ihrem PORT-Gesundheitszentrum einbringen.
 
PORT-Standort

Hat man es erst einmal über die Serpentinen und Anstiege auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb geschafft, wellt sich die Landschaft nur noch sanft. Zwischen Wiesen, Heide und Wachholderbüschen ducken sich kleine Orte mit roten Dächern in flache Täler. Darunter auch die fünf Dörfer der Gemeinde Hohenstein, die etwa 70 Kilometer südlich von Stuttgart liegt. Gefühlt aber befindet sich die Region fernab jeder Großstadt und Hektik – und fernab eines gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs. Scherzhaft sagt man hier, dass jeder Hohensteiner ab Geburt Auto fahren kann und das auch tut. Ohne Auto ist man in Hohenstein und Umgebung auf jeden Fall aufgeschmissen.

Deshalb ist es für die 3700 Einwohner wichtig, sich vor Ort gut versorgen zu können – auch gesundheitlich. Bereits vor einigen Jahren wurden die Hohensteiner in dieser Richtung aktiv. Um einen Nachfolger für den in Rente gehenden Hausarzt zu gewinnen, baute die Gemeinde ein Ärztehaus mit Praxisräumen. Und nicht nur das. Um das Projekt langfristig erfolgreich zu gestalten und einen Mehrnutzen zu erzielen, stattete die Kommune den Bau mit einer Lehrpraxis für Studierende aus. Hier arbeiten nun regelmäßig Medizinstudenten aus Tübingen, angeleitet von einem Allgemeinmediziner der Universität. Das Engagement der aktiven Hohensteiner wirkt sich positiv auf ihr Gemeindeleben aus. Die Bevölkerungszahlen steigen seit ein paar Jahren und die Nachfrage nach Baugrundstücken wächst. Allerdings steigt auch die Zahl der älteren Menschen und chronisch Kranken. In diesem Bereich mangelt es der Kommune an Gesundheitsversorgung. Mit dem neuen PORT-Zentrum soll sich das ändern. Damit Hohenstein auch in Zukunft die Auszeichnung der Kommunalen Gesundheitskonferenz des Landkreises als „Gesunde Gemeinde“ zu Recht tragen kann.
PORT-Zentrum

Auf der Schwäbischen Alb pflegt man Traditionen. Die Menschen feiern ihre Feste, pflegen Bräuche und halten zusammen. Das ist auch in Hohenstein so. Aber hier ist man auch aufgeschlossen für Neues und bereit, Dinge auszuprobieren und anzugehen. Nach einer großen Befragung der Einwohner zum Thema Gesundheitsversorgung 2016 war klar, was in diesem Bereich angegangen werden muss. Viele Hohensteiner wünschen sich gesundheitliches Fachpersonal und eine gesicherte Gesundheitsversorgung in ihrer Nähe.

Dafür soll das neue PORT-Zentrum sorgen, in dem viele Professionen rund um den im Mittelpunkt stehenden Patienten zusammenwirken sollen. Neben einem Hausarzt soll hier die bereits im Ort wirkende Ergotherapeutin einziehen und die Hohensteiner Logopädin mitarbeiten. Dazu möchte man Räume für Physiotherapie, Sozialarbeit und vielleicht eine Zahnarztpraxis schaffen, einen Pflegestützpunkt einrichten und die örtliche Nachbarschaftshilfe sowie eine Wohnberatung integrieren. Angedacht sind auch einzelne Sprechstunden von Fachärzten, Vorträge über Prävention und ein Bürgercafé sowie der Einsatz von E-Health und regelmäßigen Fallbesprechungen.

Eine zentrale Rolle im PORT Hohenstein wird der Lotse sein, der den Menschen in Empfang nimmt, Anliegen und Wege bespricht, ihn begleitet und zu Angeboten einlädt. Vor allem chronisch und mehrfach Erkrankte sollen durch die gemeinsame Betreuung aller PORT-Kräfte in Zukunft besser versorgt werden können. Die Fachleute werden aber auch die Bürger vor Ort aufsuchen und mit ihnen Gesundheitsvorsorge leben. Erste Schritte in diesem Bereich sind zum Beispiel die Besuche der Logopädin und Ergotherapeutin bei Kindergärten.

Eine bauliche Besonderheit stellt PORT Hohenstein auf flexible Füße: Das Zentrum wird aus einzelnen Modulen – so genannten Flying Spaces – der ortsansässigen Firma SchwörerHaus errichtet, die das Projekt unterstützt. Durch diese Konstruktion kann das Gesundheitszentrum jederzeit problemlos erweitert werden. Die Modulräume sind flexibel nutzbar, können miteinander verbunden werden und überdachte Innenhöfe entstehen lassen. Die Hohensteiner Schule hat bereits angekündigt, dass ihre Schüler sich gerne mit einem „Open-Gardening-Projekt“ um die Begrünung kümmern. Damit jeder aus Hohenstein und Umgebung das PORT-Zentrum nutzen kann, denken die Initiatoren der Gemeinde über einen Einsatz von Patientenbussen nach. Auch das war ein Wunsch der Bürgerbefragung. Geht man auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ein, wird PORT ein Erfolg, davon ist man auf der Schwäbischen Alb überzeugt.

Darum machen wir mit:

Fotos: Reiner Pfisterer 
Jochen Zeller, Bürgermeister von Hohenstein
Gesundheit ist eine kommunale Aufgabe. Deshalb möchte er nicht darauf warten, dass ihm und seiner Gemeinde von außen, vom Land oder Bund neue Gesundheitspakete überbracht werden. Vielmehr möchte Jochen Zeller zusammen mit den etwa 3700 Einwohnern die Zukunft der Gesundheitssituation vor Ort planen und umsetzen. Der Familienvater findet es spannend, mit PORT in innovative Bereiche zu gehen, für die es aktuell noch nicht immer einen Kostenträger gibt. „Wir möchten zeigen, dass diese Form von Gesundheitszentren eine Zukunft hat. Und das es durchaus Sinn macht, sie zu finanzieren.“